Parodontitis, Parodontose

Warum ist Parodontitis (Parodontose) so häufig?

Parodontitis (Parodontose) ist mit Abstand die häufigste Krankheit in Deutschland. Das geht aus den Daten der aktuellen Mundgesundheitsstudie hervor: Ab einem Alter von 35 Jahren sind bereits 52% der Menschen von Parodontitis betroffen, bei den Senioren sind es fast 75%.

Diese Krankheit ist nicht harmlos: Sie zerfrisst unseren Kieferknochen, bis die Zähne ihren Halt verlieren. Die gesamte Wundfläche des entzündeten Zahnfleisches kann die Größe einer Handfläche erreichen. Das sehen wir nicht, da sich die Entzündung vor allem in den Zahnfleischtaschen befindet. Es erstaunt daher nicht, dass auch der restliche Körper in Mitleidenschaft gezogen werden kann. Doch warum ist diese Krankheit immer noch derart häufig? Unsere Zahnhygiene ist nachweisbar besser geworden, viele gehen sogar regelmäßig zur professionellen Zahnreinigung. Doch die Volkskrankheit geht nur schleppend zurück.

Selbst der Steinzeitmensch Ötzi (ca. 3000 v. Chr.) hatte Parodontitis. Und das ist nicht erstaunlich, im Gegenteil: Ötzi war wohl schon 45 Jahre alt, und damit ein Senior zu seiner Zeit. Durch Schädelfunde wissen wir: Parodontitis gab es schon immer, und schon immer waren eher die Älteren betroffen, also ab einem Lebensalter von 30 Jahren.
www.aerzteblatt.de/nachrichten/59386/Oetzi-hatte-Parodontitis

Es hat den Anschein, als ob es sich um eine normale Alterserscheinung handelt. Daher stammt auch der ursprüngliche Name: Parodontose. Eine Art Knochenschwund ähnlich wie bei der Osteoporose, also ohne Entzündung. Leider gibt es immer noch Zahnärzte, die diese Krankheit als unvermeidlich ansehen und viele Menschen denken, dass es normal ist im Alter die Zähne zu verlieren. Doch heute wissen wir: Parodontitis ist eine chronische Entzündung. Daher auch die Endung -ITIS; sie steht immer für eine Entzündung. Wie aber ist es möglich, dass am Ende drei Viertel der Menschen diese Erkrankung bekommen?

Eine chronische Entzündung als normale Alterserscheinung?

Als vor ca. 125 Millionen Jahren die Säugetiere entstanden, betrug die Lebenserwartung dieser Tiere nur wenige Jahre. Säugetiere sind evolutionär für ein Leben bis zu maximal 30 Jahren ausgelegt – das gilt eben auch für die Zähne.

Tatsächlich gibt es nur ganz wenige Säugetierarten, die älter als 30 Jahre werden.
Dies sind zum Beispiel Elefanten oder Wale. Die haben allerdings auch nicht mehr das typische Säugetiergebiss. Dann gibt es noch die Gruppe der Primaten, zu denen wir auch gehören. Schimpansen, Gorillas und Orang Utans werden in der freien Wildbahn allerdings nur in Ausnahmefällen älter als 30 Jahre. Das galt bis vor 10 000 Jahren auch für den Menschen. Menschliche Fossilien aus der Steinzeit zeigen: Nur wenige schafften es bis zu einem Alter von 40 Jahren zu überleben, und noch viel weniger darüber hinaus. Und richtig, die “Alten“ hatten oft Parodontitis, so wie Özti, der ca. 45 Jahre alt wurde.
Eine Schwachstelle im Mund

„Die Zähne durchbrechen die Schleimhaut (…), damit ist es die einzige Stelle im Körper, in der natürlicherweise ein Loch in der (Schleim-)Haut entsteht.“ – Prof. Dr. Dörfer (Direktor der Parodontologie, Kiel)

Ein Loch in der Haut? Tatsächlich liegt es in der Natur der Sache, dass unsere Zähne unsere Schleimhaut durchbrechen müssen. Es geht nun mal nicht anders. Der ganze restliche Körper ist überall von unserer Haut, bzw. Schleimhaut umgeben und das ist wichtig: Auf diese Weise grenzen wir uns von der Außenwelt ab. Diese Barriere schützt uns vor allem vor Krankheitskeimen. Nur im Mund gibt es ein Loch, bzw. 32 Löcher.

In gewisser Weise sind Zähne eine Art Knochen, die aus dem Körper heraustreten. Unser Zahnfleisch dichtet diese “Löcher“ ab. Ähnlich wie der Fensterkitt die Glasscheibe. Jeder Zahn ist daher rundum von Zahnfleisch umgeben, und die Löcher damit gestopft. Das funktioniert auch recht gut, unser Zahnfleisch haftet so fest am Zahn, dass da nichts durch kommt.

Allerdings befindet sich diese evolutionäre Schwachstelle an einem ungünstigen Ort. Denn der Mund ist dicht besiedelt von Bakterien. Hier ist es warm, feucht und vor allem: Es gibt regelmäßig etwas zu essen. Daher können die Mikroben gut gedeihen und eine Kolonie bilden. Diese Kolonie wird Plaque, Zahnbelag oder auch Biofilm genannt. Für unsere Zähne gilt: Erst wenn die Bakterien eine Kolonie (Plaque) bilden, können sie uns gefährlich werden.

Stoppt Parodontitis - Was hilft wirklich?

Klar ist: Ohne regelmäßige Reinigung bekommt man irgendwann zuerst eine Zahnfleischentzündung, und dann eine Parodontitis. Es ist eine Frage der Zeit.

Es beginnt in den Zahnfleischfurchen

Das Zahnfleisch, das jeden Zahn umgibt, hat am oberen Rand eine sogenannte Furche, auch Sulcus genannt. Jeder Zahn ist also rundum von dieser Furche umgeben. In dieser Nische können sich Bakterien besonders gut ansiedeln. Deshalb entsteht dort diese Kolonie (Zahnbelag oder Plaque genannt).
Zahnfleischfurchen sind also so etwas wie die Fugen beim Altbau-Dielenboden: Ein geschütztes Biotop, wo das „Leben“ eine Nische findet. Glücklicherweise reinigen wir die Furchen beim Zähneputzen, auch wenn uns das nicht bewusst ist.

Wir putzen nicht nur die Zähne, sondern eben auch den oberen Teil des Zahnfleisches. Es passiert fast zwangsläufig, wenn wir uns halbwegs normal unser Gebiss bürsten.
Der Haken ist nur: die Furchen gehen rund um den Zahn! Vor allem die Zahnzwischenräume der Backenzähne bleiben bei der Mehrheit vollkommen ungeputzt. Dort gedeiht der Biofilm dann natürlich prächtig.

Kiefer 3D
Plaque in den Zahnfurchen ist das Problem | © Ankerzahn e. V.

Deshalb können die Bakterien hier ungestört wachsen, und verursachen bei der Mehrheit früher oder später eine Zahnfleischentzündung. Die Zahnärzte sprechen dann von einer Gingivitis. Da sie zwischen den Zähnen liegt, wird sie auch nicht bemerkt: Kein Zahnfleischbluten oder sonstige Hinweise.
Noch ist das kein Problem, noch ist es harmlos. Aber: Die Bakterienkolonie arbeitet sich über viele Jahre immer weiter in das Zahnfleisch hinein. Aus Furchen entstehen die sogenannten Zahnfleischtaschen.

Zahnfleischtaschen sind gefährlich

Die Gingivitis (Zahnfleischentzündung) verursacht, dass die Haftung des Zahnfleisches am Zahn nachlässt. Damit ist das “Loch“ am oberen Rand nicht mehr ganz abgedichtet und es sind Zahnfleischtaschen entstanden. Davon bemerken wir nichts, und die Taschen sind auch zunächst nicht schlimm. Für die Bakterien ist das aber ein großer Unterschied: Ihr Lebensraum vergrößert sich. In der neu entstandenen Nische können sie eine größere Kolonie bilden, und die Entzündung beschleunigt sich.
Die Speisereste, die zwangsläufig bei jeder Mahlzeit im Zahnzwischenraum hängen bleiben, versorgen die Bakterien zuverlässig mit Nahrung.

Sondierung Zahnfleischtaschen
Mit einer Sonde werden die Tiefen der
Zahnfleischtaschen gemessen. | © Ankerzahn e. V.

Die Zahnfleischtaschen vergrößern sich mit der Zeit. Sind sie ca. 3,5 mm tief, erreicht der untere Taschenrand den Kieferknochen. Jetzt überträgt sich bei der Mehrheit der Bevölkerung die Entzündung auf den Kieferknochen. In diesem Knochen sind die Zähne fest verankert. Er ist der wesentliche Teil des “Zahnhalteapparats“, auch Parodont genannt. Nun ist also auch der Zahnhalteapparat entzündet. Ab jetzt liegt eine Parodontitis vor – die evolutionäre Schwachstelle wurde durchbrochen, mit dramatischen Folgen.

Knochenentzündung mit Folgen

Indem die Entzündung vom Zahnfleisch auf den Kieferknochen überspringt, ist sie in den Körper eingedrungen. Die Schutzbarriere ist durchbrochen, die Schwachstelle der Evolution geknackt. Wie oben beschrieben, ist das bereits bei 52% der 35-Jährigen der Fall. Die Wenigsten sind sich dessen bewusst.

„Parodontitis ist eine Volkskrankheit, die noch immer viel zu selten oder zu spät erkannt und behandelt wird“ – Prof. Dr. Bettina Dannewitz (Präsidentin der DG Paro) 

Ein wichtiger Grund, warum die Krankheit viel zu spät erkannt wird, ist die Tatsache, dass sie so “normal“ ist. Die alte Bezeichnung Parodontose geht darauf zurück, dass man glaubte, es handle sich um eine Alterserscheinung.
Aus dem Grund ist der ParoPass® ein wichtiges Dokument, wodurch jeder sieht: Bin ich betroffen oder nicht. Das Immunsystem kämpft nun gegen die eingedrungenen Bakterien und durch diese Entzündung wird der Kieferknochen abgebaut. Im wahrsten Sinne des Wortes frisst sich die Parodontitis in uns rein.

Das Verrückte dabei: Diese Knochenentzündung verursacht keine Schmerzen, und oft auch kein Zahnfleischbluten. Versteckt zwischen den Backenzähnen dringt sie heimlich in unseren Knochen und wir bemerken nichts. Diese chronische Entzündung läuft oft über Jahrzehnte unbemerkt. Rauchen beschleunigt den Prozess, eine schlechte Ernährung wohl auch. Tatsächlich wird die Krankheit typischerweise erst im fortgeschrittenen Stadium bemerkt. Dann ist es aber oft zu spät, und die Parodontitis nicht mehr heilbar.

Dafür gibt es Millionen Beispiele. Bei der individuellen Risikobewertung sind sich die Experten einig: Die persönliche Veranlagung ist der Hauptfaktor. Einen Hinweis kann die Familie liefern: Haben ältere Familienangehörige Zahnausfall und tragen Zahnprothesen, dann hat man selbst ein hohes Risiko. Allerdings: Am Ende sind nachweisbar drei Viertel der Bevölkerung betroffen. Es macht also bei jedem Sinn, spätestens ab 30 Jahren mindestens einmal (besser 2-mal) im Jahr mit dem ParoPass® in die Zahnarztpraxis zu gehen.

Der Knochen kommt nicht zurück

Die Parodontitis ist also im Wesentlichen eine Knochenentzündung. Unbemerkt verschwindet ein Teil des Kieferknochens, und zwar für immer. Dieser Prozess geht über Jahre bis Jahrzehnte, ohne dass wir davon etwas ahnen.

„Wenn die Parodontitis Schmerzen verursachen würde, hätte ich viele weinende Patienten im Wartezimmer.“ – Dr. Michael Brandt Präsident der Zahnärztekammer Schleswig-Holstein.

Symptome wie Zahnfleischbluten, Zahnfleischrückgang, schlechter Atem oder gar wackelnde Zähne können zwar auftreten, müssen aber nicht. Wichtig ist zu wissen, dass es gar nicht möglich ist, die Parodontitis selbst zu erkennen – das kann nur die Zahnarztpraxis, eine Dentalhygienikerin oder eine Zahnärztin.

Erst im deutlich fortgeschrittenem Zustand wird in der Regel die Parodontitis von den Betroffenen bemerkt. Nun hat sich oftmals schon so viel Knochenmasse abgebaut, dass der Prozess nur noch schwer, und mit hohem Aufwand zu stoppen ist. Erst dann treten Schmerzen auf – erst dann wackeln die Zähne. Es wird immer schwerer die Krankheit zu stoppen, bis es gar nicht mehr möglich ist. So bleibt dem Zahnarzt nur noch das Ziehen der Zähne. Den Betroffenen wird meistens erst jetzt klar, dass sie nicht nur ihre Zähne, sondern auch eine beträchtliche Menge Knochenmasse verloren haben.


Gesunder Kiefer
Bildquelle: Thieme Verlag


Kiefer mit Parodontitis
Bildquelle: Thieme Verlag

Das ist bei Implantaten ein häufiges Problem, denn auch künstliche Zähne brauchen Halt. Das allein ist schon gravierend genug, doch es kommt noch schlimmer. Studien legen den Verdacht nahe, dass Parodontitis noch weitere ungünstige Auswirkungen auf den Körper hat: Vor allem das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko wird erhöht.
In Hamburg läuft derzeit eine groß angelegte Studie (Hamburg City Health Study 2019) mit 45.000 Teilnehmern. Unter anderem werden dort die Auswirkungen der Parodontitis auf unser Gefäßsystem untersucht. Neueste Untersuchungen haben ergeben, dass Parodontitisbakterien im ganzen Körper, sogar im Gehirn zu finden sind, und Alzheimer verursachen können.

3,5 mm ist die Grenze

Zahnfleischtasche
Bei 3,5 mm ist die Grenze erreicht und es muss gehandelt werden.
© Ankerzahn e. V. | Zeichnung: Matthias Latza

Je früher die Parodontitis erkannt wird, desto leichter lässt sie sich stoppen. Wichtig ist für jeden: Tiefer als 3,5 mm sollten die Zahnfleischtaschen nicht werden. Das kann nur die Zahnärztin oder Dentalhygienikerin herausfinden. Die Schwachstelle (Grenze zwischen Zahn und Zahnfleisch) bleibt auch bei Implantaten.

Wer nun denkt, mit dem Ausfall der Zähne ist auch die Erkrankung weg, irrt sich. Ein Zahnimplantat bildet genauso wie ein echter Zahn, ein “Loch“ in der Schleimhaut. Es bleibt alles beim Alten, auch hier bilden sich Zahnfleischtaschen. Nur die Bezeichnung ändert sich: Periimplantitis statt Parodontitis. Einzig die herausnehmbare Vollprothese, also die guten alten dritten Zähne beenden den Prozess. Hier gibt es ganz einfach kein “Loch“ mehr in der Schleimhaut. Doch so weit muss es nicht kommen. Fast jeder kann die Parodontitis stoppen – dauerhaft.

Das ganze Geheimnis ist die tägliche Entfernung von Plaque. Denn, erst wenn die Bakterien eine Kolonie bilden (also Plaque), können sie die Schwachstelle in unserem Gebiss überwinden. Es ist wissenschaftlich erwiesen: Ohne Plaque keine Parodontitis, und auch keine Karies. Die tägliche Plaqueentfernung ist daher der Schlüssel für einen gesunden Mund, und am Ende einfacher als Sie denken. Sie müssen es allerdings erst lernen. Ohne eine Schulung mit mindestens einer Erfolgskontrolle (Recall) werden Sie Ihre Parodontitis nicht stoppen. Parodontitis behandeln? Am wichtigsten sind Sie selbst!

Ist Parodontitis ansteckend?

Das Helmholtz Institut spricht von der häufigsten Infektionskrankheit der Welt. Kann ich mich eigentlich anstecken? Vermutlich ja. Genau wissen wir es nicht. Etwa ein Viertel aller Menschen bekommt keine Parodontitis, auch wenn sie ihr Leben lang keine Zahnzwischenraumpflege betreiben. Warum ist unbekannt, es könnte auch genetisch bedingt sein.

Es sind ca. 50 verschiedene Bakterienarten, welche die Parodontitis auslösen. Sie gehören fast alle zur normalen Mundflora. Vielleicht könnte ein zölibatäres Leben schützen, vermutlich aber nicht. Denn bereits in der Kindheit überträgt sich die Mundflora von der Mutter durch das ganz normale Zusammenleben (Schnuller ablutschen, gemeinsamer Trinkbecher etc.) auf das Kind.

Zudem bin ich mir sicher: Vor die Wahl gestellt zwischen einem kussfreien Leben und guter Mundhygiene, wäre für die Meisten die Entscheidung klar. Also besser zur Zahnarztpraxis, und eine Schulung zur Mundhygiene machen.
Und nebenbei: Die Hauptursache für Mundgeruch ist Plaque und das ist beim Küssen eher abträglich.

Konnten Sie etwas Neues lernen?

Mundhygiene Instruktion

Parodontosebehandlung

Die Parodontosebehandlung ist die Voraussetzung, um die Krankheit loszuwerden. Sie wird oft in mehreren Etappen durchgeführt. Dabei werden im Wesentlichen die Zahnoberflächen unterhalb des Zahnhalses geglättet und gereinigt. Die Kosten werden vollständig von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. Diese Behandlung ist die Basis, um Parodontitis zu bekämpfen – mehr aber auch nicht. Damit allein kriegen Sie die Krankheit nicht weg.

Sie brauchen zusätzlich eine unterstützende Parodontaltherapie (UPT). Diese ist von der Bundeszahnärztekammer und der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie zusammen entwickelt worden. Leider wird sie bislang aber noch nicht von der Krankenkasse bezahlt, obwohl die hochrangigsten Zahnmediziner es fordern.

Dennoch gibt es schon viele Zahnarztpraxen, die im Rahmen einer Professionellen Zahnreinigung diese Unterstützung anbieten. Der wichtigste Teil der unterstützenden Parodontose Therapie sind Sie selbst:
Sie selbst müssen täglich etwas tun, nicht viel, dafür aber richtig. Es ist wie bei einem englischen Rasen, wenn Sie den täglich mähen, wächst auch kein Unkraut mehr“ – Prof. Dr. Christof Dörfer.

Die Prophylaxe hält Sie gesund

Zahnzwischenraumreinigung mit Interdentalbürste
© Ankerzahn e. V. | Zeichnung: Matthias Latza

Genauer gesagt: Sie brauchen eine Prophylaxe-Fachkraft oder Dentalhygienikerin, die Ihnen beibringt, wie Sie Ihre Zähne täglich pflegen. Das klingt zunächst komisch, denn Zähneputzen lernen wir ja bereits im Kindergarten. Hier geht es aber weniger um das übliche Zähneputzen, sondern vor allem um die Zahnzwischenräume. Auch wenn Sie morgens und abends vorbildlich 3 Minuten mit der neuesten Schallzahnbürste putzen, und noch eine Mundspüllösung verwenden: Sie bekommen maximal zwei Drittel des Gebisses sauber.

Der Zahnzwischenraum – Das dreckige Drittel

Vor allem die Backenzähne bieten den Bakterien ein gut geschütztes Biotop. Ein Paradies für Zahnbelag, auch Plaque genannt, was nichts anderes ist als ein Biofilm (Bakterienkolonie). Diese Biofilm verursacht zunächst eine Zahnfleischentzündung, und später dann eine Parodontose.
Vom gut geschützten Zahnzwischenraum aus startet die Parodontose ihre verhängnisvolle Invasion in den Kieferknochen.

Der Schlüssel, um die Parodontose dauerhaft zu stoppen, ist ein täglich gepflegter Zahnzwischenraum. Dieses dreckige Drittel in unserem Mund muss einmal täglich richtig gereinigt werden, ganz genauso wie die anderen zwei Drittel. Denn Plaque (der Biofilm) bildet sich sofort wieder neu und kann bereits nach 24 Stunden schädlich sein.

Es dauert gerade mal eine Minute am Tag, zusätzlich zum üblichen Zähneputzen.
Aber das müssen Sie erst einmal lernen. Der Grund ist, dass die Zahnzwischenräume recht unterschiedlich groß sind, und im hinteren Bereich schwer zu erreichen. Zudem haben Sie noch eine Zahnfleischentzündung und dies macht die Prozedur oft etwas schmerzhaft und führt zu Unsicherheit.

Sie selbst werden aktiv: Die Aktivprophylaxe
(Schulung zur Mundhygiene)

Daher brauchen Sie eine Schulung, also eine Art Workshop, in dem Sie selbst aktiv werden. Interdentalbürsten, auch Zahnzwischenraumbürsten genannt, sind das Beste, was Sie benutzen können, um das dreckige Drittel täglich sauber zu kriegen. Etwa die Hälfte aller Menschen hat allerdings so enge Zahnzwischenräume, dass sie stellenweise Zahnseide benutzen müssen.

Nur ausgebildete Fachkräfte wie Dentalhygienikerinnen oder Zahnmedizinische Prophylaxeassistentinnen wissen genau, welche Art Interdentalbürsten Sie brauchen, und ob Sie Zahnseide verwenden müssen. Fast jeder braucht Interdentalbürsten in mehreren verschiedenen Größen. Es ist sehr wichtig, dass die Bürste zum jeweiligen Zahnzwischenraum passt, sonst bleibt immer Plaque zurück und Sie werden die Parodontose nicht los.

Zahnzwischenraum Interdentalbürste
Diese Interdentalzahnbürste ist zu klein und erreicht nicht alle Stellen.
© Ankerzahn

Die wesentlichen Teile der Aktivprophylaxe sind:

Schritt 1: passiv

Die richtige Bürstengröße für jeden einzelnen Zahnzwischenraum wird vom Experten ermittelt. Nur dort, wo Interdentalbürsten nicht passen, wird Zahnseide verwendet. Die verschiedenen Größen werden notiert, damit der Patient weiß, wo welche Bürste zum Einsatz kommen muss.

Schritt 2: aktiv

Sie selbst müssen jeden einzelnen Zahnzwischenraum unter Aufsicht des Experten reinigen. Das ist sehr wichtig, denn das ist zuerst gar nicht so leicht. Die Interdentalbürsten sind flexibel und biegen auch mal um, die hinteren Backenzähne sind schwer zu erreichen. Zudem ist das Zahnfleisch noch entzündet und angeschwollen. Daher einfach unter Aufsicht üben. Die Profis wissen, wie es geht und helfen. Es lohnt sich.

Auch das normale Zähneputzen sollte kontrolliert werden. Fast jeder hat auch Stellen, die nicht gründlich geputzt werden. Die Aktivprophylaxe (Schulung zur Mundhygiene) sollte daher mit dem Anfärben von Plaque beginnen, um Ihnen zu zeigen, welche Stellen Sie beim üblichen Zähneputzen auslassen oder vernachlässigen. Auch das normale Zähneputzen sollte kontrolliert werden.

Als Richtwert für eine Schulung, also eine Sitzung, werden 20 Minuten angesetzt. Es variiert aber stark, je nachdem wie fortgeschritten die Parodontitis ist, und wie zugänglich Ihre Zahnzwischenräume sind. Und die persönliche Geschicklichkeit ist natürlich auch unterschiedlich.

  • Die klassische PZR ist häufig passiv
    Die klassische PZR ist häufig passiv.

Schritt 3: recall

Der Recall ist ein erneuter Besuch bei Ihrer Zahnarztpraxis, nach ca. 4 Wochen. Denn wenn Sie die Putzerei richtig machen, bildet sich die Zahnfleischentzündung zurück, und auch die Zahnfleischtaschen werden kleiner. Der Fortschritt sollte unbedingt kontrolliert werden.
Zudem schwillt das Zahnfleisch wieder ab, wenn die Entzündung verschwindet, sodass der Zahnzwischenraum wieder größer wird. Es kann also sein, dass Sie eine größere Interdentalbürste verwenden müssen.
Wenn Sie eine fortgeschrittene Parodontitis haben, brauchen Sie eventuell auch noch einen zweiten oder dritten Recall. Hier eine generelle Empfehlung für die Häufigkeit der Nachkontrolle zu geben, ist nicht möglich – das können nur die Profis vor Ort.

Die Parodontosebehandlung ist dann effektiv,

wenn die Interdentalbürste richtig angewendet wird. Zugegeben: Am Anfang ist es oft ganz schöner Fummelkram und viele neigen dann zum Aufgeben. Zudem ist das Zahnfleisch noch entzündet und die Prozedur auch schmerzhaft. Die Interdentalbürsten knicken leicht um und die hinteren Zahnzwischenräume sind schwer zu erreichen. Daher ist auch die Unterstützung der Zahnarztpraxis so wichtig. Es lohnt sich durchzuhalten. Schon nach einigen Wochen haben Sie den Bürstenbogen raus.

Zahnzwischenraum reinigen
© Ankerzahn | Zeichnung: Matthias Latza

Dann dauert es nur noch eine Minute am Tag und kann sogar vor dem Fernseher gemacht werden. Wenn Sie täglich den größten Teil der Plaque entfernen, dann entfernen Sie die Parodontose und tragen den wichtigsten Teil zur Behandlung und Heilung bei.

Wo bekomme ich die Aktivprophylaxe?

Wenn Sie Ihre Parodontitis loswerden wollen, brauchen Sie eine Zahnarztpraxis, die eine Instruktion zur Mundhygiene anbietet. Das ist leider nicht überall der Fall. Fragen Sie danach oder suchen Sie eine Praxis mit Dentalhygienikerin oder Zahnmedizinscher Prophylaxeassistentin.
Grundsätzlich gilt: Wenn Sie passiv bleiben bei der Zahnreinigung, dann sind Sie falsch. Es ist wichtig, dass Sie selbst lernen jeden einzelnen Zahnzwischenraum zu reinigen. Klavierspielen lernen Sie auch nicht vom Zugucken. Sie müssen aktiv werden.

Wichtig ist auch, dass eine Kontrolle in den nächsten Wochen erfolgt, und nicht erst in einem halben Jahr. Aber wie bereits gesagt: Es ist individuell sehr unterschiedlich. Wenn Sie ganz sicher sein wollen, suchen Sie eine Zahnarztpraxis in Ihrer Nähe.

Haben Sie Glück, und können überall die Interdentalbürsten anwenden, und sind Sie zudem noch geschickt, dann brauchen Sie entsprechend weniger Schulung.
Auf jeden Fall muss die Entzündung aus dem Mund raus, das ist wichtig, dann ist auch die Parodontitis weg. Und das muss kontrolliert werden.

ParoPass

Der ParoPass® zeigt den Behandlungserfolg. Neutral und unbestechlich. Damit können Sie sicherstellen, ob Sie Ihre Parodontitis gestoppt haben oder nicht. Sie können hier direkt 3 Pässe und eine Broschüre für 4 € inkl. Versand bestellen oder Sie machen bei unserer Umfrage mit und bekommen 3 Pässe komplett kostenlos zugeschickt.

Was kostet die Aktivprophylaxe?

Bislang wird diese notwendige Schulung zur Mundhygiene nur von privaten Krankenversicherungen gezahlt. Als Kassenpatient müssen Sie die Leistung also selbst zahlen, und das geschieht normalerweise im Rahmen einer Zahnreinigung, der sogenannten Professionellen Zahnreinigung (PZR). Das macht auch Sinn, denn je nach Gebiss und Krankheitszustand sollte jeder einmal im Jahr, gegebenenfalls auch öfter, zur PZR gehen. Eine Zahnreinigung kostet zwischen 60 Euro und 150 Euro, je nach Region und Zahnarztpraxis. Sie sollte aber unbedingt ca. 20 Minuten Aktivprophylaxe zusätzlich beinhalten. Sonst bringt die Zahnreinigung kaum etwas. Also achten Sie unbedingt darauf, dass Sie Ihre Zahnzwischenräume selber unter Aufsicht reinigen.

Sie selbst heilen Ihre Parodontose, Sie selbst sind der wichtigste Teil bei der Parodontosebehandlung. Leider ist in vielen Fällen die Parodontose schon zu weit fortgeschritten. Dann kann es tatsächlich sehr schwer oder auch unmöglich werden, die Krankheit zu stoppen. Es ist ein großes Problem, dass immer noch viele Zahnärzte erst dann aktiv werden, wenn der Patient Schmerzen hat, starkes Zahnfleischbluten auftritt oder gar die Zähne wackeln. Dann ist es aber häufig zu spät.

Es ist ein tolles Gefühl, wenn schon nach wenigen Wochen die Entzündung abklingt, und Ihr ganzer Mund gesund ist. Sie werden es nicht mehr anders haben wollen. Sie können Ihre eigenen Zähne ein Leben lang behalten, und schützen auch den restlichen Körper vor den Folgen der Entzündung.

Zahnimplantat Grafik

Periimplantitis

Zahnimplantate sind weit verbreitet, und können ein Leben lang halten. Das tun sie aber eher nicht, was am Kieferknochen beziehungsweise der Periimplantitis liegt.

Im Jahr 2018 wurden in Deutschland 1,3 Millionen Implantate gesetzt, und es werden jedes Jahr mehr. Es ist also durchaus davon auszugehen, dass wir 15 Millionen Implantate in deutschen Mündern vorfinden können. Die Teleskopprothese zum Beispiel, ist ein kombinierter Zahnersatz, der aus einem fest verankerten Teil sowie einem herausnehmbaren Teil besteht. Für eine Behandlung mit Teleskopprothese im Oberkiefer lassen sich bis zu 7000 Euro veranschlagen. Im Durchschnitt zahlt man für ein komplettes Zahnimplantat zwischen 2000 Euro und 4000 Euro. Ein Jammer, dass bereits nach 10 Jahren 10% der teuren Teile wieder ausgefallen. Nach 20 Jahren ist über die Hälfte ausgefallen (geschätzt, genaue Daten gibt es nicht). https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26701919/
Es ist aber nicht nur schade ums Geld, Implantate lassen sich nicht beliebig ersetzen.

Der Grund ist unser Kieferknochen

Denn: Der künstliche Zahn selbst ist nicht das Problem, es ist seine Verankerung und das ist unser Kieferknochen. Dort drinnen sitzt das Implantat fest und wenn es nach ca. 10 bis 15 Jahren rausgenommen werden muss, dann liegt das fast immer daran, dass der Kieferknochen sich soweit zurückgebildet hat, dass er das Implantat nicht mehr hält.

Am Ende entscheidet vor allem Ihr Kieferknochen über die Haltbarkeit des Implantats. Und da können Sie eine ganze Menge machen.

Dazu müssen wir aber erstmal etwas erklären:

Kaum einer weiß: Der Hauptgrund für ein Implantat ist, dass sich Ihr Kieferknochen bereits zurückgebildet hat. Das ist der Grund, warum Ihr natürlicher Zahn raus musste. Implantate werden daher in einen ohnehin “verschlankten” Kieferknochen gesetzt.

Parodontose Kiefer
Diese Zähne halten nicht mehr lang.
Bildquelle: Thieme Verlag

Warum das so ist, lässt sich nachlesen unter: Eine Schwachstelle der Evolution.

Jeder Mensch sollte wissen, wie es um seinen Kieferknochen bestellt ist: Lassen Sie sich das Röntgenbild in der Zahnarztpraxis zeigen und auch wie viel Kieferknochen schon weg ist. In der Fachsprache heißt das: Attachmentverlust.
Wir haben in Deutschland 15 Millionen Implantate, da die Volkskrankheit Parodontitis den Kieferknochen wegfrisst. Diese chronische Entzündung hört aber nicht einfach auf, wenn der Zahn durch ein Implantat ersetzt wird. Sie bekommt nur einen neuen Namen: Periimplantitis (was übersetzt Entzündung heißt, rund um das Implantat). Im Durchschnitt beginnt 2 bis 3 Jahre nach dem Setzen des Implantats diese Entzündung.

Das bemerken Sie nicht, doch ihr Kieferknochen baut sich weiter ab

Wie lange ihr Implantat hält, hängt also davon ab, ob Ihr Kieferknochen entzündet ist und wie stark. Und da können Sie was machen. Die Parodontitis und die Periimplantitis unterscheiden sich zwar in einigen Punkten, aber die Ursache ist gleich: Plaque also Zahnbelag, eine Bakterienkolonie. Welche Bakterien genau sich in Ihren Kieferknochen fressen, ist am Ende nicht so wichtig. Wichtig ist, dass Sie diese Entzündung stoppen.

Und da gleichen sich die beiden Krankheiten (Parodontitis und Periimplantitis), denn beide sind auf die gleiche Art zu stoppen. Alleine werden Sie das nicht schaffen, Sie brauchen eine Zahnarztpraxis, die Sie unterstützt. Bei der richtigen Pflege hält ihr Zahnimplantat ein Leben lang und Sie haben keine Entzündung mehr im Mund beziehungsweise im Kieferknochen.

Lesen Sie dazu: Die richtige Zahnarztpraxis ist entscheidend.

Natürlich gibt es auch andere Gründe für ein Implantat:
Es kann auch Karies, chronische Wurzelentzündung, oder ein mechanisch zerstörter Zahn sein (zum Beispiel durch einen Unfall). Dann ist der Kieferknochen oft noch gesund und das Implantat hält sehr lange: Sie müssen aber dennoch, auf jeden Fall vorsorglich Ihr Gebiss reinigen. “Ein Zahnimplantat muss mindestens so gut gepflegt und noch engmaschiger kontrolliert werden wie die eigenen Zähne.” – Prof. Dr. med. dent. Schwarz

Es ist am Ende gar nicht so schwer, die Zähne und Implantate zu reinigen. Sie brauchen aber eine Prophylaxe Fachkraft, die das mit Ihnen einübt. Wir nennen das Aktivprophylaxe. Das ist leider nicht selbstverständlich. Viele Zahnarztpraxen bieten nur eine weitgehend passive Zahnreinigung. Die allein reicht aber nicht. Sie müssen es selbst lernen unter Anleitung und vor allem auch in mehreren Sitzungen. Wenn Sie unsicher sind, finden Sie eine Praxis mit unserer Zahnarztsuche – vielleicht auch in Ihrer Nähe?

Lesen Sie auch: Professionelle Zahnreinigung – nur sinnvoll wenn Sie selbst aktiv werden

Es lohnt sich gleich mehrfach. Sie sparen Geld, können ihre Implantate eine Leben lang behalten und nicht zuletzt: Ein entzündeter Kieferknochen, kann sich auch auf den restlichen Körper negativ auswirken.

Prof. Dr. Hendrik Terheyden – Chefarzt der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie am Roten Kreuz Krankenhaus in Kassel:
Ich hoffe, dass als Ergebnis der Konferenz sich ein Bewusstsein dafür bildet, dass Zweiteingriffe nach Implantatverlust einen erhöhten Schwierigkeitsgrad und schlechtere Erfolgsaussichten beinhalten als die Erstimplantation. Daher sollte zunächst einmal alles getan werden, damit ein Implantat so lange wie möglich gesund bleibt und auch im Erkrankungsfall erhalten werden kann.“ (…)

 “Man hat belastbare Zahlen über die Erfolgsraten bei der Versorgung von Zahnimplantaten. Diese liegen bei etwa 90 Prozent nach zehn Jahren. Wenn man daraus umgekehrt die Verlustraten nimmt und davon ausgeht, dass die Mehrzahl der Verluste durch Periimplantitis entsteht, käme man auf etwa 10 Prozent in einem Zehn-Jahres-Zeitraum.“

Zahnimplantat Kiefer

Zahnimplantate

Implantate – es ist das Zauberwort in der Zahnheilkunde. Um Implantate ranken sich viele Mythen. Ob Implantate halten, was sie versprechen, erfahren Sie hier. Mein Name ist Dr. Volker Storcks, ich beschäftige mich seit über 20 Jahren mit Zahnimplantaten und berichte Ihnen hier, was Sie schon immer über Implantate wissen wollten.

Irrtum Nr. 1: Implantate halten ewig

Wenn sie erst einmal im Kieferknochen drin sind, sollen sie ewig halten. Das denken viele. Stimmt das? Nein. Implantate können zwar keine Karies bekommen, denn sie sind ja aus Metall. Rosten tun sie trotzdem nicht! Aber der Knochen, der das Implantat hält, kann sich entzünden, und mit diesem Phänomen müssen wir Zahnärzte uns in den nächsten Jahren mehr und mehr beschäftigen, weil sich immer mehr Menschen Zahnimplantate als Ersatz für verloren gegangene Zähne setzen lassen. Wir Zahnärzte erwarten eine Welle von Patienten, bei denen sich das Gewebe um das Implantat entzündet hat. 

Das Implantat selbst kann sich nicht entzünden, weil es kein Organ wie ein Zahn ist.

Das Gewebe um das Implantat ist aber deutlich anfälliger für eine Entzündung, weil ein Implantat keine Abwehrmechanismen hat. Der echte Zahn verfügt über einen komplizierten Zahnhalteapparat, der sich gegen so einige Entzündungen wehren kann bzw. nach einer Entzündung wieder abheilt. Solange das Zahnfleisch um ein Implantat nur etwas gerötet und geschwollen ist, kriegt man diese Entzündung auch noch gut in den Griff. Auslöser ist immer ein bakterieller Rasen auf der Implantatoberfläche, den müssen Sie täglich restlos entfernen. Ist diese Entzündung aber erst mal auf ein bis zwei Millimeter Tiefe bis zum Knochen vorgedrungen, wird es schwierig. Hier hat das Implantat, welches meistens eine Schraube ist, Windungen. Sind diese Windungen von einem Biofilm besetzt und hat der Kieferknochen schon mit Selbstauflösung reagiert, wird es schwierig, dieses Implantat zu retten.
Wenn das bei einem Zahn passiert (das nennt man Parodontitis), kann man den Zahn reinigen und das Gewebe lagert sich wieder an den Zahn an – wenn auch etwas weniger. 

Bei einem Zahnimplantat heißt das Periimplantitis und die kriegen wir nur schwer zum Stoppen.
Wenn das nicht gelingt, muss das Implantat entfernt werden und es ist meistens sehr schwierig, an gleicher Stelle ein neues Implantat zu setzen, weil der Knochen fehlt.

Für Sie als Implantatträger bedeutet das: Lebenslange Kontrolle der Zähne und auch des Implantates, sehr intensive Mundhygiene und regelmäßige Prophylaxe sind die Voraussetzung, damit das Implantat lange hält.

Zähne 3D Modell
Bild von LionFive auf Pixabay

Irrtum Nr. 2: Implantate sind die besseren Zähne

Es gibt nichts besseres als unsere eigenen Zähne. Diese sind über den Zahnhalteapparat im Kiefer regelrecht aufgehängt und sorgen dafür, dass wir mit sehr viel Gefühl über die Rückmeldung von Rezeptoren Nahrung zerkleinern können. Zähne sind physiologisch also immer etwas beweglich. Implantate hingegen sind starr mit dem Kieferknochen verankert, wir sagen osseointegriert oder ankylosiert. Da spüren Sie nicht mehr viel. Auch hat das Implantat keinen Nerv und kann kein heiß oder kalt spüren. Es sollte also niemals leichtfertig ein Zahn für ein Implantat gezogen werden. Vielleicht kann der kranke Zahn ja doch noch mit einer guten Parodontosebehandlung, einer Wurzelbehandlung oder einer Krone gerettet werden? Fragen Sie Ihren Zahnarzt genau, bevor Sie sich einen Zahn ziehen lassen und sich für ein Implantat entscheiden.

Wenn der Zahn wirklich hoffnungslos verloren ist, kann ein Implantat ein wahrer Segen sein.

Gerade, wenn ein Backenzahn in einer sonst gesunden Zahnreihe verloren geht, ist das Implantat meist die beste Wahl. Die Alternative -eine Brücke- bedeutet, dass die zwei gesunden Nachbarzähne als Pfeilerzähne abgeschliffen werden müssten. Wer will sich schon zwei gesunde Zähne abschleifen lassen?

Im Frontzahnbereich sieht die Sache schon anders aus: Hier ein Implantat ästhetisch korrekt zu platzieren und eine ansprechende Krone auf das Implantat zu setzen, ist nicht ganz einfach. Nicht selten scheint das dunkle Implantat durch das Zahnfleisch durch. Oft wirken die Implantatkronen sehr lang, länger als die Nachbarzähne. Das sieht komisch aus. Eine bessere Alternative ist heute oft eine Adhäsivbrücke. Diese ist sogar in vielen Fällen eine Kassenleistung. Dafür wird nur ein Zahn minimal beschliffen und die Ergebnisse sind meist sehr gut.

Zahnimplantat Bestandteile Aufbau
Implantat-Bestandteile
Bildquelle: iStock

Irrtum Nr. 3: Implantate sind gesund!

…denn sie bestehen ja in der Regel aus Rein-Titan, welches doch ein Super Material ist.

Ja, das stimmt. Dennoch bleibt es ein Fremdkörper, wenn er auch nicht vom körpereigenen Immunsystem als fremd erkannt wird. Es wird als biokompatibel bezeichnet. Dafür ist die Titanoberfläche verantwortlich, die aus einem sehr stabilen Titanoxid besteht. Für Zahnimplantate ist nur Titan mit einem sehr hohen Reinheitsgrad (Grad 4) zugelassen. Dennoch geben auch diese Implantate Moleküle an ihre Umgebung ab, die Titanabriebpartikel. Diese können in die Blutbahn abgeschwemmt werden und auch lokale Gewebereaktionen hervorrufen. Ob es eine Titanallergie gibt, ist immer noch nicht abschließend geklärt. Das biokompatibelste Material ist und bleibt der eigene Zahn!

Irrtum Nr. 4: Implantate kann jeder kriegen – wenn er/sie es sich leisten kann!

Implantate sind leider nicht für jeden Patienten geeignet. Unbedingte Voraussetzung ist ein ausreichendes Implantatbett, also genug Kieferknochen. Das Implantat muss allseits von ausreichend Knochen umgeben sein. Wenn Sie zu wenig Knochen haben, und das ist nicht selten, wird es schwierig. Man kann Knochen künstlich aufbauen, aber das ist nur sehr begrenzt möglich. Dazu operativ aufwendig, langwierig und teuer. Wenn schon viel Knochen und damit viele Zähne durch Parodontitis verloren gegangen sind, müssen die Implantate ja sozusagen „eine Etage höher“ gesetzt werden. Weil die Bisshöhe bleibt, also der natürliche Abstand der Kauflächen von Ober- zu Unterkiefer zueinander, müssen die Zähne oft sehr lang gemacht werden. 

Weitere Voraussetzung für eine erfolgreiche Implantattherapie ist die Lebensführung: Möglichst nicht rauchen, eine gesunde Ernährung und eine gute Mundhygiene sind essentiell. Einige Erkrankungen schließen Implantationen jedoch aus sowie die Einnahme bestimmter Medikamente.

Irrtum Nr. 5: Ich bin doch viel zu alt für Implantate!

Das Alter spielt nur eine untergeordnete Rolle, viel wichtiger sind der allgemeine Gesundheitszustand und die Lebensführung. Es spricht nichts dagegen, auch hochbetagten Menschen Zahnimplantate einzupflanzen.

Sehr alte Menschen haben oft Totalprothesen, die auf dem Kieferkamm tanzen wie Schiffe in rauher See. Die Nahrungsaufnahme ist damit oft eine Qual. Für diese Patienten reichen schon zwei Implantate im Unterkiefer, um zumindest die untere Prothese fest zu verankern. Das bedeutet eine völlig neue Lebensqualität.

Deckprothese, Implantat
Eine Deckprothese dient dem Ersatz der Zähne eines Kiefers. Sie ist kombiniert aus einem herausnehmbaren und einem oder mehreren fest im Mund sitzenden Elementen. | Bild von Mudassar Iqbal auf Pixabay

Irrtum Nr. 6: Die Krankenkassen zahlen bei Implantatversorgungen nichts dazu!

Doch, das tun sie. Gerade bei kleinen Zahnlücken beteiligt sich die Krankenkasse an den Kosten für den Zahnersatz (Krone), aber nicht an den Kosten für das Implantat (Körper + Aufbau). Sie kriegen sogar den Festzuschuss wie für eine Brücke, wenn die Lücke durch eine Implantatkrone geschlossen wird. Und dieser Zuschuss ist recht hoch. Dazu sind viele Bürger mittlerweile zusatzversichert, so dass Implantate auch für Otto-Normalverbraucher erschwinglich geworden sind.

Irrtum Nr. 7:  Die Implantation ist ein Horror und das ganze Gesicht schwillt an!

Wer hört diese Gruselgeschichten nicht vom Nachbarn oder auf dem Kaffeeklatsch: Einer kennt einen, der wieder jemanden kennt, der ein Implantat bekommen hat: Alles habe sich entzündet, das Implantat sei rausgeeitert und am Ende hatte derjenige sogar eine Blutvergiftung! Ob das wirklich stimmt?

Implantationen sind heutzutage bei guter Planung und bei einem erfahrenen Chirurgen zu über 95% erfolgreich. Sicherlich kann es nach einer Implantation zu einer Schwellung kommen. Aber Sie hören vom Nachbarn und Kollegen meistens nur die Horrorstories und nicht die, bei denen alles gut verlief.  Und dies ist zu über 95% der Fall.

Irrtum Nr. 8: Keramikimplantate sind hip und das non-plus-ultra!

Keramik – viele nennen es auch das weiße Gold, das klingt sehr verheißungsvoll. 

Hält der Werkstoff, was er verspricht?

Es gibt mittlerweile auch Implantate aus Zirkonoxidkeramik. Diese scheinen gerade für sehr empfindliche Patienten eine gute Alternative zum Titanimplantat zu sein. Allerdings hat sich dieser Typ auf dem Markt noch nicht durchgesetzt. Die Erfahrungen mit Keramikimplantaten und klinische Studien sind noch zu gering, um sie uneingeschränkt für jeden Fall empfehlen zu können. Keramikimplantate sind zudem kostenintensiver.

Bei Zahnimplantaten aus Titan haben wir mittlerweile über 40 Jahre Erfahrungen, dieser Typ hat sich bewährt. Die Bewährungsprobe über viele Jahre steht für Keramikimplantate noch aus.

Das Titanimplantat ist also noch kein alter Hut!

Irrtum Nr. 9: Kaputten Zahn raus, Implantat mit Krone rein an einem Tag, geht das?

Ganz mutige Zahnärzte machen das, alles an einem Tag. Der Regelfall ist das aber nicht.

Damit die Implantatbehandlung funktioniert, braucht es eine vertrauensvolle, meist langjährige Zahnarzt-Patient-Beziehung. Die Vorbehandlung muss erfolgt sein, sämtliche Reizfaktoren aus dem Gebiss beseitigt und die Mundhygiene muss gut sein. Im Oberkiefer sollten die Zahnimplantate sechs Monate und im Unterkiefer drei Monate eingewachsen sein, bevor die Implantate mit Zahnersatz belastet werden sollten. Von dieser Regel gibt es immer Ausnahmen, die patientenindividuell sind. 

Wenn ein Zahn gezogen werden muss, wartet man in der Regel mehrere Wochen ab, bevor man implantiert. Einige Chirurgen favorisieren die Sofortimplantation, das bedeutet, dass das Implantat zeitgleich mit der Zahnentfernung gesetzt wird. Dadurch soll verhindert werden, dass der Kieferknochen an der Stelle verschwindet. 

Wenn man nach der Zahnentfernung zu lange mit der Implantation wartet, kann es sein, dass an dieser Stelle der Kieferkamm so spitz und schmal wird, dass Implantieren unmöglich wird.

Irrtum Nr. 10: Das Zahnimplantat lässt die Detektoren am Flughafen check-in piepen

Nein – das passiert zum Glück nicht!  

Vorgang Professionelle Zahnreinigung, Parodontitis vorbeugen

Professionelle Zahnreinigung

Ist eine professionelle Zahnreinigung wirklich sinnvoll? Sie kostet immerhin zwischen 70 € und 150 €, und kaum eine Krankenkasse übernimmt die Kosten. Wir sagen: Ja, diese Reinigung macht Sinn. Allerdings nur, wenn eine Schulung zum Zähneputzen enthalten ist. Wir nennen diese Schulung: “Aktivprophylaxe!“.

Normalerweise ist eine Professionelle Zahnreinigung passiv. Wir liegen entspannt im Behandlungsstuhl, und lassen uns die Zähne reinigen. Mit einem guten Gefühl gehen wir anschließend nach Hause. Doch der Schein trügt. Woher wir das wissen? Allein die Tatsache, dass jeder zweite Erwachsene von Parodontitis betroffen ist, und damit Zahnausfall immer noch ein Massenphänomen ist, spricht Bände. Aber auch die fünfte Mundgesundheitsstudie, kann keinen großen Nutzen der Professionellen Zahnreinigung erkennen. Aus diesem Grund weigert sich auch die Mehrheit der Krankenkassen die Kosten zu übernehmen.
Das ist sehr bedauerlich, denn die Zahnreinigung ist sehr wohl sinnvoll, wenn sie richtig gemacht wird – mit Aktivprophylaxe. Beides zusammen ergibt Sinn, passiv und aktiv.

Die übliche Professionelle Zahnreinigung – passiv

Sich den professionellen Händen der Prophylaxe-Fachkraft hinzugeben ist grundsätzlich zu empfehlen. Warum? Wir vernachlässigen viele schwer zugängliche Stellen in unserem Gebiss. An diesen Stellen hat sich häufig schlecht zu erreichender Belag gebildet. Nach einer Weile verfestigt er sich, und ist dann nur noch schwer zu beseitigen. Irgendwann wird er sogar zu Zahnstein und den bekommt man selber nicht mehr weg. Das geschieht auch zwischen den Zähnen. Das Hauptproblem sind eindeutig die Zahnzwischenräume, selbst wenn mittlerweile viele Menschen Zahnseide, oder sogar Interdentalbürsten verwenden. Der Zahnzwischenraum ist nicht so leicht sauberzubekommen, insbesondere die Zahnfleischtaschen.
Mit modernen Pulverstrahlgeräten (Air-Flow-System) werden alle Bereiche, auch in den Zahnfleischtaschen, effektiv gereinigt.

Achtung: Nicht jede Prophylaxe-Helferin darf auch die Zahnfleischtaschen reinigen, dazu bedarf es einer Zusatzausbildung. Doch diese Reinigung ist grundlegend wichtig. Daher unbedingt danach fragen! (Frage: “Wird bei Ihnen auch subgingival gereinigt?“, übersetzt: “Werden auch die Zahnfleischtaschen sauber gemacht?“)
Sie bemerken das übrigens daran, dass es ein klein wenig unangenehm ist, denn wenn die Taschen richtig durchgestrahlt werden, zwickt es schon mal ein wenig. Eine Zahnreinigung, die sich nur wohltuend anfühlt, ist eher nicht effektiv.

Zahnfleischtaschen reinigen AirFlow
Air Flow geräte reinigen die Zahnfleischtaschen
© Ankerzahn e. V.

Fragen Sie also nach
1. Air Flow Geräten (Pulverstrahl) und
2. Zahnfleischtaschen reinigen

Wie oft eine Professionelle Zahnreinigung gemacht werden muss, ist individuell sehr verschieden. Zweimal im Jahr ist der Standard, wenn Sie eine schwere Parodontitis haben auch öfter. Wenn Sie im grünen Bereich beim ParoPass sind, sollte eine Behandlung im Jahr ausreichen. Der entscheidende Punkt für die Wirksamkeit und Nachhaltigkeit ist aber, dass Sie Zuhause die neu gewonnene Sauberkeit weiter aufrechterhalten. Wenn Sie das nicht machen, ist die Zahnreinigung nicht nachhaltig, und dann haben die Krankenkassen am Ende leider recht.

Die Aktivprophylaxe (aktive Zahnreinigung)

Der wichtigste Teil der Zahnreinigung ist eindeutig die Schulung zur Mundhygiene.
Wir nennen es “Aktivprophylaxe“, um es eindeutig von der passiven PZR zu abzugrenzen.

Das verblüfft zunächst: Zähneputzen können wir doch, oder? Viele schon, aber die Zahnzwischenräume sind ohne Schulung nicht sauberzubekommen. “Aber deswegen waren wir doch bei der professionellen Zahnreinigung?“ Richtig, doch bereits 24 Stunden nach der PZR besiedelt neuer Zahnbelag, also Plaque, die Zahnoberflächen, die Zahnfleischfurchen oder Zahnfleischtaschen. Eine Professionelle Zahnreinigung drückt lediglich den “Reset-Knopf“. Entscheidend für unsere Zahngesundheit, und insbesondere für die Parodontitis- und Kariesprophylaxe, ist die tägliche und richtige Reinigung.

„Das ist wie bei einem englischen Rasen, wenn Sie täglich mähen, dann wächst auch kein Unkraut.“- Prof. Dr. Dörfer, Direktor der Parodontologie Kiel

Die Illusion

Daher ist eine Zahnreinigung nur sinnvoll, wenn anschießend Zuhause das Gleichgewicht der Bakterien im Mund aufrechterhalten wird. Nur so werden Sie Ihre Parodontitis los, oder kriegen sie erst gar nicht. Nur so bleiben Sie auch von Karies verschont, und können Ihr Leben lang die eigenen Zähne behalten. Und das müssen wir tatsächlich lernen. Die Aktivprophylaxe sollte ca. 20 Minuten dauern, mit dem Fokus auf die Zahnzwischenraum-Reinigung. So steht es auch in den europäischen Leitlinien (EFP).

Warum dauert das so lange? 20 Minuten sind nur der offizielle Richtwert, es hängt von Ihrer Geschicklichkeit und dem Grad der Erkrankung ab. Allein die passenden Größen der Interdentalbürsten zu bestimmen dauert eine Weile. Die richtige Bürstengröße ist entscheidend. Das ist den Allermeisten gar nicht klar. Viele kaufen sich Interdental-bürsten und denken, sie können das Gebiss ohne Anleitung gesund erhalten. Pustekuchen. Das funktioniert leider nicht. Die Bürste muss den Raum vollständig ausfüllen, sonst bleibt zu viel Plaque zurück und die Entzündung frisst sich von da an weiter durch das Zahnfleisch in den Kieferknochen. Etwa die Hälfte der Bevölkerung hat allerdings so enge Zahnzwischenräume, dass sie an einigen Stellen Zahnseide verwenden müssen. Die Reinigung mit dem Faden ist noch schwieriger.

Wichtig ist: Sie müssen jeden Zahnzwischenraum selbst reinigen. Sie müssen es lernen und das dauert ein Weilchen. Erst wenn sichergestellt ist, dass Sie das korrekt machen, ist die Sitzung vorbei. Ob das wirklich ausreicht, sehen wir erst nach einigen Wochen beim Kontrolltermin (Recall). Deshalb müssen Sie nach ca. 4 Wochen nochmal zur Zahnarztpraxis und es wird kontrolliert, ob die Größen richtig bestimmt wurden, und ob die Reinigung mit Zahnseide ausreicht. In einer guten Zahnarztpraxis können das die Fachkräfte beurteilen. Dann sind Sie auf der sicheren Seite.

Etwas genauer wird die Aktivprophylaxe hier beschrieben: Parodontitis/Parodontose – Die drei großen Irrtümer

Das eine Schulung zur Mundhygiene (Aktivprophylaxe) sinnvoll ist, wissen nicht nur tausende Zahnärztinnen, Prophylaxe Assistenten oder Dentalhygienikerinnen, sondern wird auch durch eine aktuelle Studie aus Schweden gezeigt: 22 Teilnehmer bekamen eine Schulung und die anderen 22 nicht. Nur die geschulten konnten ihren Gesundheitszustand verbessern: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31603245/

Die Kosten

Da die Aktivprophylaxe zusätzlich zur üblichen Zahnreinigung erfolgt, und es einen Kontrolltermin (Recall) geben muss, wird es leider teuer. Es wird ca. 150 Euro kosten. Das lohnt sich aber, da wie gesagt ansonsten die Zahnreinigung wenig bringt. Viele brauchen mit der Zeit auch keine Schulung mehr. Wer nur eine moderate Parodontitis hat, oder einfach nur eine Zahnfleischentzündung und zudem geschickt ist, kann durchaus mit einer Aktivprophylaxe (+ Recall) schon zurechtkommen. Hat man den Bürstenbogen erstmal raus, hat Plaque keine Chance mehr. Dann kann es auch reichen, einmal im Jahr zur „passiven Zahnreinigung“ zu gehen, wo dann zu Beginn nur kurz kontrolliert wird, ob Ihre eigene Reinigungsleistung ausreicht. Auch unser ParoPass gibt zusätzlich Sicherheit, solange man im grünen Bereich ist, hat man alles richtig gemacht.

Zu Beginn sind leider 150 € fällig, das ist nicht gerade günstig und die Krankenkassen zahlen, wie gesagt, zumeist nicht. Aus diesem Grund, setzen wir uns als gemeinnützige Organisation dafür ein, dass die Mundhygiene-Schulung (Aktivprophylaxe) auch ohne Zahnreinigung angeboten wird. Bislang gibt es das noch nicht, es macht aber Sinn. Es sollte möglich sein, eine “Aktivprophylaxe“ für ca. 50 € (mit Recall) zu bekommen. Wenn Sie also nicht das Geld für eine Professionelle Zahnreinigung inklusive Aktivprophylaxe haben, dann sollten Sie nur die Aktivprophylaxe machen, denn am Ende ist die entscheidend. Das Erlernen der wirksamen Reinigung der Zahnzwischenräume ist alleine kaum möglich. Die richtigen Größen für jeden Zahnzwischenraum sollte mit professioneller Unterstützung bestimmt werden. Das ist wichtig, damit Sie keine Parodontitis bekommen, oder falls Sie schon erkrankt sind, diese dauerhaft stoppen. Unser ParoPass zeigt Ihnen, ob Sie betroffen sind und falls ja, den Behandlungserfolg.

Prof. Dr. Bettina Dannewitz, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie, sagt:

Der ParoPass bietet eine weitere sinnvolle Unterstützung für die Dokumentation und Kommunikation mit dem Patienten.“

Stiftung Warentest Für jeden Winkel?

Interdentalbürste oder Zahnseide

Es hat sich mittlerweile herumgesprochen: Wir müssen auch die Zahnzwischenräume reinigen. Doch wie? Interdentalbürsten, Zahnseide oder geht es auch mit einer Munddusche?
Die Stiftung Warentest hat in der Ausgabe vom März 2020 einen Test veröffentlicht. Wir waren verblüfft und entsetzt. So behauptet die Stiftung Warentest doch tatsächlich, Zahnseide sei am besten geeignet.

Hier das Original-Zitat:
Seide reinigt am Besten”
„Alle sieben Zahnseiden auf der Rolle schneiden bei diesem Test gut ab. Sie reinigen die Zahnzwischenräume etwas besser, als die anderen Hilfsmittel.“

Ankerzahn e. V. findet: Das ist von der Stiftung Warentest äußerst fahrlässig. So geht man nicht mit der Gesundheit der Menschen um. Sie setzt sich über die offiziellen Leitlinien der EFP hinweg und ignoriert zusätzlich die komplette Studienlage.

„Allerdings reinigen die Interdentalbürsten mit Abstand am besten.“
– Prof. Christoph Dörfer

Bereits im Sommer 2016 rauschte es durch die deutsche Presselandschaft: Ist Zahnseide wirkungslos? Der Hintergrund: Die USA hatte die Empfehlung zur Nutzung von Zahnseide in den offiziellen Gesundheitsrichtlinien gestrichen. Es gab keine Belege für die Wirksamkeit. In einem Spiegel Artikel wird Prof. Christof Dörfer, Chef der Parodontologie in Kiel, befragt und sagt: „Zahnseide ist ohnehin nicht mehr das, was Zahnärzte zur Pflege der Zahnzwischenräume zuerst empfehlen. Stattdessen wird inzwischen zu Interdentalbürsten geraten, wenn zwischen den Zähnen genug Platz ist, sie einzusetzen.“

Deutlich wird es bei den Leitlinien der EFP (European Federation of Periodontology). Das ist der Dachverband sämtlicher Parodontologie-Gesellschaften, aus immerhin 25 Ländern. Hier ein Auszug:

„Es gibt aber keine Evidenz, um den Gebrauch von Zahnseide für die Reinigung der Zahnzwischenräume bei den Patienten mit Parodontitis zu empfehlen. Interdentalraumbürsten sind die wirksamste Methode und das Mittel der Wahl an Stellen, die eine atraumatische Anwendung erlauben.“

25 Länder, ein Urteil. Und das bereits vor 4 Jahren. Es ist schon erstaunlich, dass die Stiftung Warentest da einfach drüber weg geht. Sie hätte auch einfach mal jemanden kurz recherchieren lassen können, was denn die Studienlage zum Thema Zahnseide versus Interdentalbürste hergibt: “Die Mehrzahl der Studien zeigte einen positiven signifikanten Unterschied im Plaque-Index bei Verwendung der Interdentalbürste im Vergleich zu Zahnseide.”

Hier eine interessante Studie, bei der Probanden die eine Hälfte ihres Gebisses mit Zahnseide, und die andere Hälfte mit Interdentalbürsten gereinigt haben. Über einen Zeitraum von 4 Wochen. Es wurde allerdings nicht klar, ob die Probanden eine Mundhygiene-Instruktion bekommen haben oder nicht. Das Ergebnis:
“Interdentalbürsten entfernen nachweislich signifikant mehr Plaque als Zahnseide.”
Und noch wichtiger: “Die Analyse zeigte, dass die Verwendung von Interdentalbürsten zu einer größeren Taschenreduktion führte.” Dazu gibt es auch noch weitere Ergebnisse.

Interdentalbürsten in verschiedenen Größen von Oral Prevent©
Fast jeder braucht mehrere, verschiedene Größen für seine Zwischenräume | Bildrechte Oral Prevent©

Dass eine Bürste besser reinigt als ein Faden ist im Grunde auch logisch. Der Sinn aller Zahnpflege ist es Plaque zu entfernen. Diesem klebrigen Belag ist mit Borsten viel leichter beizukommen als mit einer Schnur. Zudem haben Zähne Rundungen und Wölbungen. Ein gespannter Faden kommt da zwangsläufig nicht überall hin.

Stellen Sie sich einfach mal vor, Sie hätten keine Zahnbürsten sondern nur Zahnseide. Jetzt sollen Sie Ihr ganzes Gebiss mit einem Faden reinigen, also Außenfläche, Innenfläche und Kaufläche. Wer hätte da ein gutes Gefühl? Genauso wie unsere Zähne von außen nicht glatt sind, so sind sie auch in den nicht sichtbaren Bereichen rau und wellig.

Wie kommt die Stiftung Warentest auf ihr Ergebnis?

Es ist wirklich erstaunlich, dass die Stiftung Warentest sich nicht die Mühe gemacht hat, sich auf den neuesten Stand der Wissenschaft zu begeben. Dies wäre aber zu erwarten, bei einer so alt ehrwürdigen Organisation, die eine hohe Glaubwürdigkeit genießt und großen Einfluss auf das Konsumverhalten der Verbraucher hat.

Die Stiftung Warentest hat einfach alle Erkenntnisse und Experten ignoriert und stattdessen ihren eigenen, isolierten Test gemacht. Die Vorgehensweise bei dieser „Untersuchung“ war weit von realen Bedingungen entfernt:
Ein Zahnarzt hat an einem künstlichen Gebiss-Modell die Reinigungsleistung der verschiedenen Werkzeuge getestet. Dazu waren die (Kunst-)Zähne mit Titandioxid beschichtet. Ein weißes Pulver, was als Pigment verwendet wird. Dieses Pulver hat mit echtem Zahnbelag (Plaque) keine Ähnlichkeiten. Die künstliche Versuchsanordnung hat lächerlich wenig mit der Realität im Mund zu tun. Genauso gut hätten sie verstaubtes Besteck reinigen können.

Wer jetzt denkt „Na und? So wichtig ist das ja alles nicht. Es geht doch nur um die Zahnzwischenräume!“, der irrt sich gewaltig. Die Reinigung der Zahnzwischenräume ist für unsere Gesundheit viel wichtiger, als es den Menschen bewusst ist. Und auch das hätte die Stiftung Warentest leicht herausfinden können, wenn sie recherchiert hätte:
In Deutschland hat jeder zweite Erwachsene Parodontitis. Das ist eine chronische Entzündung unseres Kieferknochens die wir erstaunlicherweise nicht bemerken.
Die Hälfte der Bevölkerung läuft mit einer chronischen Entzündung im Mund herum, das hat gravierende Auswirkungen. Denn die Bakterien aus den Zahnfleischtaschen verteilen sich nachweisbar im ganzen Körper und verursachen dort erschreckend viele Gesundheitsgefahren.

Aber auch Karies entsteht mittlerweile bevorzugt zwischen den Zähnen. Beide Erkrankungen werden durch Bakterien verursacht und alleine diese beiden sind für 95% der Zahnschäden verantwortlich. Es ist wirklich sinnvoll, sich eine Entzündung im Mund zu ersparen. Dafür reicht aber die Zahnbürste allein nicht aus.

Für die Zahnzwischenraumpflege gilt

  1. Interdentalbürsten sind die erste Wahl. Dennoch gibt es keine pauschale Empfehlung für die Zahnzwischenraumpflege, jedes Gebiss ist anders.
    Ohne Mundhygiene-Instruktion bei einem Profi, ist es der Mehrheit der Menschen gar nicht möglich, sich das Gebiss so zu reinigen, dass sie mundgesund bleiben.
  2. Zahnseide ist die zweite Wahl. Es gibt tatsächlich einige Menschen, die Zahnseide verwenden müssen. Ganz einfach, weil bei Ihnen die Interdentalbürsten nicht passen.
  3. Die sogenannten Soft Picks (Interdentalbürsten ohne Draht und ohne Borsten) sind noch überhaupt nicht auf ihre Wirksamkeit geprüft, und sind deshalb sehr fragwürdig. Auch bei Mundduschen und Zahnhölzern konnte man bislang noch keine Wirksamkeit nachweisen.
Kieler Urgestein: "Diese Bürste sollt ihr nutzen!"

Ohne Schulung zur Zahnzwischenraumpflege geht es nicht

Wir kriegen die größte Volkskrankheit in Deutschland nur in den Griff, wenn auch die Zahnarztpraxen mitmachen. Leider bekommt man nicht überall die notwendige Mundhygiene-Instruktion (Zahnputz-Schulung). Dies hat auch unsere eigene Umfrage ergeben: Mittlerweile haben über 1000 Menschen mitgemacht und bei der Frage, ob die Größen der Interdentalbürste ermittelt wurden, haben nur gut 20% auf “Ja” geklickt. Nur jede 5. Zahnarztpraxis.

Dabei ist es ein ganz wichtiger Schritt die richtigen Größen zu ermitteln, und auch ob und wo Zahnseide verwendet werden muss. Anders als in Dänemark wird die Mehrheit der Bevölkerung hier im Stich gelassen. Das liegt auch daran, dass die Krankenkassen hauptsächlich für das Reparieren zahlen und weniger für die Prophylaxe. In Dänemark ist es andersherum. Die skandinavischen Länder sind da einfach weiter. Bei uns werden nicht einmal wissenschaftliche Studien gemacht, die die Wirkung der Mundhygiene-Schulung zeigen. In Schweden schon:

Eine Studie aus dem Jahr 2020 (also ganz aktuell) die immerhin 3 Monate lang lief, kommt zu eindeutigen Ergebnissen. 44 Patienten mit schwerer Parodontitis wurden in zwei Gruppen eingeteilt. 22 Patienten bekamen zusätzlich zur üblichen Parodontose-Behandlung eine intensive Mundhygiene-Schulung mit mehreren Recall-Terminen (genauso wie wir das fordern). Den anderen 22 Betroffenen wurden, was ihre Mundhygiene betrifft, nur Ratschläge erteilt. Also keine Schulung.

Das Ergebnis war eindeutig:
Während in der Gruppe mit Mundhygiene-Instruktion alle 22 Teilnehmer eine deutliche Besserung ihres Gesundheitszustands verzeichneten, war das bei den 22 sich selbst Überlassenen nicht der Fall. Tatsächlich konnte dort nicht ein einziger seinen Zustand verbessern. Ein klares Ergebnis.

Auf ganzer Linie gescheitert

Schlimm genug, dass die Stiftung Warentest Zahnseide als gründliches Werkzeug herausstellt. Noch schlimmer ist aber, so zu tun als ob man ohne Hilfe herausfinden könnte, wie man seinen Interdentalraum richtig pflegt.

Darin sind sich die 25 Staaten als Mitglied der EFP auch einig:
“Die professionelle Mundhygiene-Instruktion, die individuell dem Patienten angepasst wird, ist unerlässlich, um den Patienten zu befähigen, das notwendige Niveau an Zahnreinigung erreichen zu können. Das sollte am besten direkt im Mund des Patienten demonstriert und die Umsetzung kontrolliert werden, bevor der Patient die Praxis verlässt. Diesen Maßnahmen muss eine ausreichende Zeit im Behandlungsplan eingeräumt werden.”

Und vielleicht sogar das Schlimmste beim Bericht der Stiftung Warentest:
Es geht hier immerhin um die größte Volkskrankheit in Deutschland und das wird überhaupt nicht erwähnt. Nur Prof. Dr. Bizhang spricht in dem Interview beim Stiftung Warentest Artikel davon. Aber sonst: Kein Wort warum die Zahnzwischenraumpflege so wichtig ist. Stattdessen schreibt die Stiftung von Apfelstücken die zwischen den Zähnen stören.

Es bleibt uns daher nur eines: Der Test über die Interdentalraumpflege „Für jeden Winkel“ vom März 2020 bekommt von uns die Note: ungenügend.

Mundgeruch Ursachen, Mundgeruch macht einsam, Mädchen auf Bank

Mundgeruch Ursachen

Die Ursachen für Mundgeruch liegen zu 90% dort, wo der Name es vermuten lässt: Im Mund. Daher muss er auch genau dort bekämpft werden, und das ist gar nicht schwer. Zusätzlich bleiben dann auch die Zähne und das Zahnfleisch gesund. Jeder sollte diese 3 Werkzeuge nutzen:

Zahnbürste Interdentalbürste Zungenreiniger
Werkzeuge für die tägliche Mundhygiene. | Bildquelle: Oral Prevent

1. Zahnbürste
2. Zungenreiniger
3. Interdentalbürste ( Zahnseide nur dann, wenn Interdentalbürsten nicht passen)

Wie entsteht Mundgeruch (medizinisch: Halitosis)?

Der Geruch entsteht durch Bakterien, genauer gesagt Bakterienkolonien. Diese Kolonien werden auch Biofilm, Plaque oder Zahnbelag genannt. Sie sind die Ursache für den Gestank, und sie wachsen nicht nur auf den Zähnen, sondern auch in der Zahnfleischfurche, den Zahnfleischtaschen und auf der Zunge.
Deshalb müssen wir diese Bakterienkolonien täglich entfernen, oder zumindest deutlich reduzieren. Das geht allerdings nur mechanisch, da der Biofilm sich gegen Angriffe chemischer Natur recht gut schützen kann. Mundspüllösungen bringen auf lange Sicht nichts, da sie die Mundgeruch Ursachen nicht angehen.

Produkte mit Chlorhexidin wirken da schon eher, wie z. B. CB 12. Es enthält 0,025% Chlorhexidin und 0,3% Zink. Doch sollte niemand Chlorhexidin längerfristig anwenden, da sich die Zähne verfärben können, und die Mundflora aus dem Gleichgewicht gebracht werden kann. Vor allem aber wird die Ursache Plaque nicht beseitigt. Wenn dieser Biofilm (Plaque) längere Zeit nicht mechanisch, also mit Bürsten entfernt wurde, hat er sich verfestigt und wir bekommen ihn selbst schwer weg. Dann kann eine professionelle Zahnreinigung sinnvoll sein, um den “Reset Knopf“ zu drücken, sodass wir danach einfacher täglich für Sauberkeit im Mund sorgen können.

Und das machen wir mit Zahnbürste, Interdentalbürsten und Zungenreiniger (Zungenschaber) – die drei Musketiere im Kampf gegen Mundgeruch.
Damit Sie mit diesen Hifsmitteln auch wirksam zurechtkommen, ist eine fachliche Beratung, am besten die Aktivpropyhlaxe (Schulung zur Mundhygiene) sinnvoll, vor allem für den Umgang mit Interdentalbürsten und Zahnseide ist das zwingend erforderlich.

Zunge, Zähne und ein bisschen Zeit

Wenn Sie noch nicht überzeugt sind, dann kaufen Sie sich eine Interdentalbürste oder Zahnseide, und riechen Sie nach Gebrauch daran. Wichtig ist allerdings, dass die Interdentalbürsten den Zahnzwischenraum auch vollständig ausfüllen.
Der Zungenreiniger ist sehr einfach anzuwenden, wenn nur nicht der Würgereiz wäre. Es reicht aber schon, wenn Sie den Wildwuchs, der auf einer ungepflegten Zunge herrscht, deutlich mindern um schlechten Atem zu vermeiden.

Morgens: 2 bis 3 Minuten Zahnbürste und 10 Sekunden Zungenreiniger

Abends: ( Nach der letzten Mahlzeit und besonders gründlich)
Jeden einzelnen Zahnzwischenraum gründlich mit Interdentalbürsten reinigen, dann mindestens 3 Minuten Zahnbürste, und danach 10 Sekunden Zungenreiniger.
(Diese Mundhygiene-Tipps gelten nicht für Menschen, die z. B. ständig Energy Drinks konsumieren oder Zuckerbonbons kauen, oder unter vermindertem Speichelfluss leiden. Diese Menschen sollten sich bei einer Prophylaxe-Fachkraft bezüglich der richtigen Zahnpflege beraten lassen)

Warum ist es so wichtig, abends gründlich zu reinigen?
Weil wir beim Schlafen kaum Speichel produzieren.

Unser Speichel und Mundgesundheit

Wir haben von Natur aus ein automatisches Reinigungssystem im Mund: Unseren Speichel. Dieser spült die Bakterien weg, oder tötet diese direkt. Tatsächlich enthält unsere Spucke mehrere Stoffe, die Keime reduzieren oder gar vernichten. Anders als bei Mundspüllösungen funktioniert das auch, vorausgesetzt wir haben wenig oder möglichst keinen Zahnbelag (Plaque). Zu guter Letzt sorgt der Speichel auch noch für einen harten Zahnschmelz, indem er unsere Zähne remineralisiert.
Zusammengefasst: Ohne gesunden Speichelfluss kein gesunder Mund.

Während des Schlafes stellt unser Körper die aufwendige Produktion von Speichel weitgehend ein. Das ist zwar praktisch, da wir nicht andauernd schlucken müssen, für die Mundgesundheit allerdings ungünstig. Daher ist die Nacht die Zeit des ungebremsten Wachstums der Bakterien. Im Schlaf feiern die Keime ungehindert eine wilde Party bei uns im Mund und das können wir morgens sogar riechen, oder genauer gesagt unsere Mitmenschen.

Das ist also der Grund, für den so typischen, schlechten Atem am Morgen. Doch dagegen kann man etwas machen. Wenn die Zähne abends vor dem zu Bett gehen gründlich gereinigt werden, sind die Bakterienkolonien zerstört. Sie haben keinen Nahrungsnachschub, und können sich dementsprechend auch nur langsam weiter vermehren. Keine wilden Partys mehr und morgens kein toter Hamster mehr im Hals. Abgesehen vom Mundgeruch ist es auch für die Zahngesundheit, also Karies und Parodontitis (Parodontose) sehr wichtig, dass wir nachts möglichst sauber sind im Mund. Aus diesem Grund ist die abendliche Zahnpflege entscheidend wichtig für unsere Mundgesundheit.

Ursachen – Der Mundgeruch ist immer noch da?

Wer jetzt immer noch unangenehm aus dem Mund riecht, sollte das unbedingt abklären lassen. In der Literatur finden wir Werte von 4% bis zu 8% der Erwachsenen, die unter verminderten Speichelfluss leiden. In einer Zahnarztpraxis, kann jeder mit einem einfachen Test die Produktion seiner Spucke testen. Eine ganze Reihe von Medikamenten stehen im Verdacht den Speichelfluss zu reduzieren.

Unter Verdacht stehende Medikamente:

Anticholinergika:
– Asthmamittel, Antazida, Antiparkinsonmittel, Antihistaminika
Blutdruckmittel:
– Adrenozeptoragonisten, Reserpin, Sonstige
Psychopharmaka im weiteren Sinne:
– Antidepressiva, Neuroleptika, Sedativa, Tranquilizer

Es gibt auch Erkrankungen, die einen verminderten Speichelfluss auslösen können:

– Sjögren-Syndrom, Diabetes, Sklerodermie, Sarkoidose, Lupus, Alzheimer,
– Dehydration Mumps, Erkrankungen der akuten und chronischen Parotitis,
– Speichelsteine, Speicheldrüsen, Mukozelen,
– partielle oder komplette Obstruktion des Ausführungsganges, Tumore,
– Psychische Erkrankungen, Depressionen, Angstzustände, Stress,
– Bestrahlungstherapie im Kopf- oder Halsbereich.

In der Regel spüren Betroffene, dass sie einen trockenen Mund haben. Es können sich also alle wieder beruhigen, die jetzt schon Panik bekommen haben. Verminderter Speichelfluss bleibt nicht unbemerkt. Und dann ist Mundgeruch sehr wahrscheinlich. Kaugummi kauen hilft als Sofortmaßnahme, da der Speichelfluss dadurch angeregt wird. Auf jeden Fall sollte eine Zahnarztpraxis aufgesucht werden, denn es besteht ein deutlich erhöhtes Risiko für Karies und Parodontitis. Betroffene brauchen daher eine besonders gründliche Mundhygiene, und sollten regelmäßig eine Professionelle Zahnreinigung machen. Aber auch für Menschen mit normalem Speichelfluss gilt: Kaugummi kauen (natürlich zuckerfrei) hat einen positiven Effekt auf die Mundgesundheit, ganz einfach weil die Speichelproduktion erhöht wird, wie viele Studien zeigen.

Andere Ursachen von Mundgeruch

Zu guter Letzt sollte nicht unerwähnt bleiben, dass auch entzündete Rachenmandeln oder Zungenmandeln Mundgeruch auslösen können. Natürlich auch übermäßiger Knoblauch- oder Alkoholgenuss, und sogar eine kohlenhydratfreie Ernährung (Atkins Diät) kann unangenehmen Atem verursachen. Was aber nur wenige wissen: Deutschlands Volkskrankheit Nr.1 ist auch oft die Ursache für Mundgeruch. Parodontitis, auch Parodontose genannt, hat jeder zweite Erwachsene. Etwa 11,5 Millionen Menschen in Deutschland haben sogar eine schwere Parodontitis, und damit häufig auch Mundgeruch. Dabei ist der unangenehme Atem das kleinste Problem bei der Parodontitis. Diese Krankheit zerfrisst unseren Kieferknochen, ohne dass wir es bemerken.

Das Problem: Diese Krankheit spüren wir nicht, und wenn wir erste Symptome haben, ist es oft zu spät. Hat sich der Kieferknochen zu weit abgebaut, wird es sehr schwer oder unmöglich die Parodontitis in den Griff zu bekommen. Früh erkannt, ist es dagegen recht einfach. Daher haben wir den ParoPass entwickelt. Der zeigt jedem, ob er betroffen ist, und wenn ja, wie schlimm. Darüber hinaus zeigt er auch den Behandlungserfolg.

3 ParoPässe und 1 Broschüre kann man hier für 4 Euro inklusive Versandkosten bestellen, alternativ können Sie auch an unsere Umfrage teilnehmen:

Gingivitis

Zahnfleischentzündung hat fast jeder

Eine Zahnfleischentzündung (wissenschaftlich Gingivitis) kennen wir alle. Ab und an schmerzt es beim Zähneputzen oder blutet sogar. Viele greifen zu Hausmitteln oder Mundspüllösungen und häufig verschwindet die Zahnfleischentzündung auch wieder. Wir haben alle den Eindruck, als ob eine Zahnfleischentzündung eine gelegentlich auftretende Erscheinung ist. Das ist auch durchaus richtig, wenn wir die äußeren, sichtbaren Bereiche des Zahnfleisches meinen. In Wirklichkeit bleibt die Zahnfleischentzündung bestehen. Versteckt und heimlich. Um sie zu heilen, können Sie die ganzen Hausmittel und anderen bisherigen Ratschläge vergessen. Warum?

Fast jeder Erwachsene hat entzündetes Zahnfleisch, ohne auch nur im Geringsten etwas zu bemerken. Leider ist das so normal, dass selbst die Mehrheit der Zahnärzte das als gegeben hinnimmt. Wie kann das sein? Diese „normale“ Zahnfleischentzündung befindet sich meist versteckt zwischen den Backenzähnen. Dort bemerken wir sie überhaupt nicht. Doch die Folgen sind gravierend. Bei der Mehrheit der Menschen entwickeln sich aus dieser harmlosen Entzündung die sogenannten Zahnfleischtaschen. Wer diese Taschen hat, bekommt fast immer auch eine Parodontitis (auch Parodontose genannt). Hierbei handelt es sich um eine Kieferknochenentzündung, und die ist alles andere als harmlos. (Der ParoPass zeigt, ob man Zahnfleischtaschen hat)

Einige unserer teilnehmenden Zahnarztpraxen zeigen jedem neuen Patienten diese versteckte Entzündung. Gleich zu Beginn werden Ihnen die Zahnzwischenräume durchgebürstet. Nicht irgendwie, sondern mit den passenden Interdentalbürsten. „Passend“ ist dabei entscheidend, sonst funktioniert der folgende Test nicht: Die Zahnzwischenräume werden durchgebürstet und anschließend wird der Patient aufgefordert in einen Becher zu spucken, oder bekommt alternativ mit einem Spiegel die blutenden Stellen gezeigt. Bei mindestens 90% der Patienten zeigt sich dann Blut im Speichel, ein eindeutiges Indiz für eine Zahnfleischentzündung.

Zahnfleischentzündung, Test
Der Test durchgeführt von Dr. Tore Thomsen. Bildquelle: Oral Prevent – Dr. Thomsen
Zahnfleischentzündung, Bluten
Die versteckte Zahnfleischentzündung wird sichtbar. Bildquelle: Oral Prevent – Dr. Thomsen

Warum die ganzen Hausmittel, Mundspüllösungen, aber auch Zahnseide und anderes nicht grundlegend helfen, wird klar wenn wir verstehen, was die Ursache dieser Entzündung ist.

Biofilm (Plaque) ist die Ursache der Zahnfleischentzündung:

Die Ursache der Zahnfleischentzündung ist Plaque, auch Zahnbelag genannt. Das ist ein sogenannter Biofilm, und damit eine hochorganisierte Bakterienkolonie. Bei der Zahnfleischentzündung wächst dieser Biofilm in der Zahnfleischfurche.

Diese Furche entsteht ganz natürlich da, wo das Zahnfleisch am Zahn endet. Das Zahnfleisch umgibt den ganzen Zahn; sie verläuft also ringsum, um den ganzen Zahn. Jeder Mensch hat also eine Zahnfleischfurche rings um jeden Zahn und dort kann der Biofilm leider ungehindert wachsen.

Zahnfleischfurchen, Comic
© Ankerzahn e. V.

Dieser Biofilm in den Zahnfleischfurchen zwischen den Backenzähnen ist resistent gegen alle Hausmittel, Mundspüllösungen, und sogar auch gegen Chlorhexidin-Behandlungen (wie CB 12 oder Chlorhexamed). Warum? Biofilm ist eine hochorganisierte Bakterienkolonie. Je länger sie unangetastet bleibt, desto resistenter wird sie. Auf ihrer Oberfläche hat sie einen Schild aufgebaut, der vor chemischen Angriffen wirksam schützt. Die einzig effektive Art den Biofilm zu bekämpfen ist mechanisch, sprich mit Borsten. Genau das machen wir beim Zähneputzen. Dabei entfernen wir den Biofilm nicht nur von den Zähnen, sondern auch automatisch aus den Zahnfleischfurchen, außer zwischen den Zähnen und anderen schwer zugänglichen Stellen. Dort verbleibt der Biofilm, und zwar dauerhaft. Das ist ein Problem, denn deshalb hat die große Mehrheit der Bevölkerung entzündetes Zahnfleisch zwischen den Zähnen. Davon bemerken wir nichts, und es ist so normal, dass auch der Zahnarzt oft nichts dazu sagt. Es scheint „natürlich“ zu sein.

Zahnfleischfurchen, Biofilm
© Ankerzahn e. V.

Vom Versteck zwischen den Backenzähnen breitet sich die Zahnfleischentzündung immer wieder nach „vorn“ aus, also in den sichtbaren Bereich, wo wir auch Schmerzen und Bluten bemerken.

Das große Problem aber ist, dass sich bei der Mehrheit der Bevölkerung aus der versteckten Zahnfleischentzündung zwischen den Backenzähnen im Laufe der Zeit die Zahnfleischtaschen entwickeln (Diese Taschen bieten Bakterien noch mehr Platz, sich ungestört zu vermehren). Damit ist eine Parodontitis unausweichlich. Diese bleibt genauso vollkommen unbemerkt, obwohl es sich wie gesagt um eine Kieferknochenentzündung handelt.

Die einzige Lösung: Die Aktivprophylaxe

Anstatt nun mit Hausmitteln oder anderem Schnickschnack die Zahnfleischentzündung zu behandeln, müssen Sie die Ursache beseitigen – und zwar täglich. Das tägliche und vor allem wirksame Entfernen des Biofilms verschafft Ihnen eine dauerhafte Zahngesundheit. Das bekommen Sie aber ohne Unterstützung nicht hin. Was Sie brauchen, ist die richtige Zahnarztpraxis. Lesen Sie dazu – Eine Krankheit, die Sie am Ende selbst heilen. Alles was für eine Kieferknochenentzündung gilt, ist auch relevant für die Behandlung einer Zahnfleischentzündung.

Sie werden schnell merken: Wenn Sie täglich den kompletten Biofilm entfernen, brauchen Sie keine anderen Hilfsmittel mehr. Wenn Sie möchten, können Sie Mundspüllösungen verwenden, bräuchten Sie aber gar nicht, denn die antibakteriellen Stoffe können die natürliche Mundflora stören. Das gilt vor allem für Chlorhexidin. Diesen Wirkstoff sollten Sie höchstens wenige Wochen einsetzen. Es hat sich tatsächlich gezeigt, dass einige Bakterien resistent gegen Chlorhexidin werden können. Am Ende töten Sie dann die „guten“ Bakterien, während die „bösen“ überleben und weiterhin aktiv bleiben. Falls Sie wegen des Mundgeruchs gerne Mundspüllösungen verwenden wollen, lesen Sie besser: Mundgeruch hat eine Ursache

Gesundes Zahnfleisch ist erstaunlich robust

Wenn Sie es geschafft haben die Entzündung wegzubürsten, werden Sie sich wundern, wie robust und schmerzfrei gesundes Zahnfleisch ist. Viele glauben, dass sie ihr Zahnfleisch mit Interdentalbürsten verletzen, wenn sie beim Gebrauch Zahnfleischbluten bekommen. Das ist bei gesundem Zahnfleisch aber kaum möglich. Unser Zahnfleisch ist von Natur aus für große Belastungen ausgelegt. Über Millionen Jahre hat sich der Mensch von reichlich Rohkost ernährt, die das Zahnfleisch beim Kauen entsprechend belastet. Dafür ist es gemacht. Tatsächlich ist auch die Wundheilung im Mund mehr als doppelt so schnell im Vergleich zu anderen Körperregionen. Aktuell wurde dazu eine Studie an 30 Freiwilligen in Bethesda durchgeführt. (https://www.wissenschaft.de/gesundheit-medizin/heilwunder-mund/)

Gesundes Zahnfleisch ist in der Regel gar nicht so schwer zu erhalten. Nur der dauerhaften Belastung durch den Biofilm ist es nicht gewachsen.

Unsere Zähne sind von der Natur aus für gute 30 Jahre angelegt, genauso das dazugehörige Zahnfleisch. Deshalb bilden sich bei der Mehrheit ab einem Alter von 30 Jahren Zahnfleischtaschen. Der Zahnausfall ist damit vorprogrammiert. Tatsächlich haben wir hier eine evolutionäre Schwachstelle im Mund. ( Lesen Sie dazu auch: Warum ist Parodontitis so häufig – Die Schwachstelle im Mund)

Ohne Biofilm im Mund bleibt auch der restliche Körper vor Schaden bewahrt.

Aber nicht vergessen: Ohne Unterstützung geht es nicht. Sie brauchen die richtige Zahnarztpraxis, Sie brauchen eine Aktivprophylaxe. Denn ohne Schulung bekommen Sie die Zahnzwischenräume nicht richtig sauber. Schon die richtigen Größen der Interdentalbürsten können Sie alleine nicht bestimmen. Zudem gibt es auch individuelle Unterschiede: Jedes Gebiss ist anders und wer sich zuckerreich ernährt, also ständig nascht oder Energy Drinks konsumiert, muss besonders auf gute Zahnhygiene achten. Wir alle können unsere Zähne ein Leben lang behalten, wenn wir täglich den Biofilm entfernen. Und zwar überall, auch aus den Zahnzwischenräumen. Dabei brauchen wir Unterstützung durch eine Zahnarztpraxis, in der eine Schulung zur Mundhygiene (Aktivprophylaxe) angeboten wird.

Lesen Sie auch: Professionelle Zahnreinigung: Nur wenn Sie aktiv werden, ist sie sinnvoll.

Das Dokument für alle Gesundheitsbewussten:
Der ParoPass zeigt Ihnen, wie der aktuelle Stand in Ihrem Mund ist. Sie können sich von uns 3 ParoPässe kostenlos zuschicken lassen, wenn Sie an unserer Umfrage teilnehmen.

Parodontose bleibt meist unbemerkt, Frau vor Spiegel

Herzinfarkt und Parodontitis

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind immer noch die Todesursache Nr. 1 in Deutschland. Als Risikofaktoren gelten Übergewicht, Stress, Bluthochdruck, Rauchen, Diabetes und erhöhte Cholesterinwerte. Aber wer hätte gedacht, dass Parodontitis ein Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall ist?

Es mehren sich die Hinweise, dass entzündliche Prozesse eine Ursache zur Entstehung von Atherosklerose („Gefäßverkalkung“) sind. Hohe Cholesterinwerte allein wären demnach harmlos. Erst eine Entzündung verursacht die Ablagerungen in unseren Adern.

Das erklärt auch besser, warum die Blutgefäße so ungleichmäßig „verkalken“.  Denn es finden sich bei durch Herzinfarkt oder Schlaganfall Verstorbenen fast immer auch viele Blutgefäße, die vollkommen gesund sind und noch eine ganz glatte Innenwand (Endothel) haben.
Eventuell könnte also eine lokale Entzündungsreaktion, ausgelöst durch Bakterien im Blut, der Beginn einer lokalen Atherosklerose sein.

Auf jeden Fall sind Bakterien im Blut nicht gut, da gehören sie nicht hin. Und doch ist es bei sehr vielen Menschen der Fall. Denn versteckte Entzündungen im Körper sind weit verbreitet. Allen voran die Parodontitis: Etwa die Hälfte aller Erwachsenen ist von dieser heimlichen Entzündung betroffen.

Entzündung so groß wie eine ganze Handinnenfläche

Handfläche, Größe der Entzündung
Die Entzündung ist so groß wie eine Handfläche.
© Ankerzahn e. V.

Bei einer mittleren bis schweren Parodontitis macht die Gesamtfläche des entzündeten Zahnfleisches die Größe einer Handinnenfläche aus – wir bemerken es aber nicht. Und das ist nur das Zahnfleisch. Bei der Parodontitis ist eben auch der Kieferknochen selbst entzündet.

Erreger und Entzündungsstoffe sind im Blut nachweisbar. Es ist also naheliegend, dass die Parodontitis sich ungünstig auf unsere Blutgefäße auswirkt. Eine großangelegte Metastudie hat 2138 Studien ausgewertet und kommt zum Ergebnis, dass es einen signifikanten Zusammenhang zwischen Parodontitis und Atherosklerose gibt.

Sehr interessant ist auch eine Studie aus dem Jahr 2014 von Dr. J. Schneider. Hier wurde die Qualität der Blutgefäße durch die Pulswellenmessung ermittelt. Mit dieser modernen Messung, wird die Elastizität der Blutgefäße ermittelt. Denn wenn Gefäße “verkalken” werden sie starrer. Das Herz erzeugt eine Druckwelle, mit der das Blut gepumpt wird. Die Geschwindigkeit dieser Welle ist von der Beschaffenheit der Gefäße abhängig. Je starrer, also  „verkalkter“ die Gefäße, desto schneller die Pulswelle. Wissenschaftler der Universität Würzburg konnten in einer Studie feststellen, dass die Blutgefäße Parodontitis erkrankter Personen deutlich vorgealtert, d. h. starrer waren. Im Vergleich zu nicht parodontal erkrankten Personen sind die Betroffenen im Schnitt 10-15 Jahre älter, und tragen somit zu einem höheren Risiko für Herzerkrankungen bei.

Wie gesagt: Die Todesursache Nr. 1 in Deutschland sind Herz-Kreislauferkrankungen. Genauer gesagt: Herzinfarkt, Schlaganfall. Thrombosen- fast immer hat es mit den “verkalkten” Blutgefäßen zu tun.

(Anmerkung: Der Begriff Gefäßverkalkung ist nicht ganz richtig. In Wirklichkeit “verfetten” die Gefäße im ersten Schritt. Da lagert sich das “böse” Cholesterin ab (LDL-Lipoproteine). Mit der Zeit lagern sich dann aber tatsächlich Calciumphosphate und Hydroxylapatit an. Dadurch verhärten die Gefäße und verengen sich natürlich auch.

Es sollte daher jeder versuchen in Erfahrung zu bringen, ob versteckte Entzündungen im Körper vorliegen.

Parodontitis: Gefahr für Herz und Gehirn

Parodontitis betrifft unseren ganzen Körper

Parodontitis ist also nicht nur die Hauptursache für Zahnausfall, sondern wirkt sich offensichtlich auch negativ auf unsere Blutgefäße aus.
Da in Deutschland jeder zweite Erwachsene eine Parodontitis hat, ist das ein ernstzunehmendes Problem.
Vor allem, weil die Mehrheit nicht einmal weiß, was da in ihrem Mund abläuft. Wir von Ankerzahn e.V. fordern daher:
Jeder Mensch hat das Recht über seinen Gesundheitszustand informiert zu werden. Die Krankenkassen zahlen allerdings nur alle zwei Jahre den Parodontitis-Test ( Periodontal Screening Index – PSI ).

Das ist nicht hinnehmbar. Er sollte eher zweimal pro Jahr gemacht werden, mindestens aber jedes Jahr.
Aus diesem Grund können Sie nicht sicher sein, ob Ihr Zahnarzt bei Ihnen eine Parodontitis diagnostiziert.  Das wollen wir von Ankerzahn e.V. ändern.
Professor Dr.  Dannewitz, 1. Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie:” Parodontitis ist eine Volkskrankheit, die noch immer viel zu selten oder zu spät erkannt und behandelt wird.”

Wenn Sie nicht sicher sind, dann nehmen Sie einfach unseren ParoPass zur Hand, oder suchen Sie eine Zahnarztpaxis aus unser Liste.

Hier finden Sie ausschließlich Zahnarztpraxen, die auf Prophylaxe spezialisiert sind und ganz selbstverständlich einen Parodontitis Test (PSI) erheben.

Sie selbst müssen aktiv werden

Um Ihren Mund entzündungsfrei zu bekommen oder zu erhalten, ist tägliche Pflege unverzichtbar. Insbesondere die Zahnzwischenräume sind hier häufig das Problem. Sie brauchen daher unbedingt eine sogenannte Mundhygiene-Instruktion, was im Grunde ein Zahnputz-Workshop ist.
Wir nennen das “Aktivprophlyaxe”.

Ohne Anleitung sind wir nicht in der Lage unser Gebiss richtig zu pflegen. Bei einer Studie aus Schweden schaffte es kein einziger von 22 Probanden. Bei der Kontrollgruppe die eine Mundhygiene-Instruktion bekam, haben hingegen alle 22 ihre Mundgesundheit verbessern können. Ein eindrucksvolles Ergebnis.

Es lohnt sich auf jeden Fall. Selbst wenn Ihre Blutgefäße glatt wie ein Baby Popo sind. Denn die Erreger der Parodontitis (wie zum Beispiel Porphyromonas Gingivalis) finden sich im ganzen Körper wieder. Das ist nicht nur schlecht für unsere Blutgefäße, sondern kann auch viele andere schwerwiegende Gesundheitsprobleme verursachen. Und nicht zuletzt: Mit der richtigen Pflege können Sie Ihre Zähne ein Leben lang behalten. Dazu brauchen Sie eine Zahnarztpraxis die konsequent präventiv arbeitet.

Mundhygiene Instruktion

Karies

Über Karies ist doch alles gesagt, denken Sie jetzt. Eine Google-Suche und Sie wissen alles über diese Seuche. Und dennoch kriegen fast alle Menschen in ihrem Leben Karies. Eine Impfung dagegen gibt es bislang nicht. Mein Name ist Dr. Volker Storcks, ich bin seit über 20 Jahren Zahnarzt und möchte Ihnen ein paar mehr Aspekte zum Thema nahebringen, auf die es aus meiner Sicht wirklich ankommt.

Mythos Nr. 1: Von Geburt an weicher Zahnschmelz

Wer zu viel Süßes isst, kriegt Karies, ist doch klar, sagen Sie zurecht. Und dennoch gibt es Menschen, die sich sehr süß ernähren und keine oder wenig Karies kriegen. Wie kann das sein? Anscheinend gibt es da noch mehr Faktoren, die die Kariesentstehung beeinflussen. Ich habe beispielsweise beobachtet, dass diese Menschen sich oft verhältnismäßig gut die Zähne putzen, ihnen das aber gar nicht bewusst ist. Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es keine weichen Zähne, der Schmelz ist immer gleich hart, bei jedem von uns. Diese Ausrede können sie also getrost vergessen. An dieser Stelle verweise ich nur kurz auf eine große Ausnahme, die bei den Kindern stark zunimmt: “Kreidezähne” bzw. Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation, wie der Fachmann sagt. Diese Erkrankung ist tatsächlich angeboren und verursacht in verschiedenen Ausprägungen einen nicht gereiften Zahnschmelz am ersten bleibenden Schneidezahn (die 1er) und am ersten bleibenden Backenzahn (die 6er). Bis heute ist ungeklärt, wie dies zustande kommt und mit viel Leid bei den Betroffenen verbunden.

Zurück zur Karies: Diese entsteht immer durch Säuren, welche Bakterien produzieren, die als Belag an unseren Zähnen kleben. Wenn diese Bakterien Zucker als Nahrung kriegen, produzieren sie richtig viel Säure, welche regelrecht den Kalk aus den Zähnen herauslöst. Das heisst also, wenn Sie den bakteriellen Belag täglich gründlich entfernen, kann keine Säure produziert werden, auch nicht, wenn Sie Süßes essen!

Nun sind die wenigsten Menschen in der Lage, wirklich den kompletten Zahnbelag täglich zu entfernen, nicht einmal den Zahnärzten gelingt das. Trotzdem kriegen Sie keine Karies. Es muss also noch mehr Parameter geben, wie z.B. den Speichel. Wenn Sie viel Speichel produzieren, werden die Säuren der Bakterien abgepuffert und die Beläge bei der Nahrungsaufnahme besser weggespült. Einige Medikamente verursachen nun einen verringerten Speichelfluss, wie zum Beispiel Antidepressiva. Diese Patienten haben ein erhöhtes Risiko, Karies zu bekommen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist natürlich die Ernährung. Diese sollte zahnfreundlich sein, was bedeutet: Möglichst wenig niedermolekulare Kohlenhydrate, sprich Zucker. Viel Gemüse und Obst, Getreideprodukte, Grundnahrungsmittel wie Kartoffeln, Reis, Brot. Möglichst wenig industriell “veredelte” Produkte, in diesen ist meist viel Zucker enthalten. Bananen und andere Früchte sind natürlich auch kariogen, trotzdem sind sie viel gesünder als Nahrungsmittel aus Industriezucker, da sie auch neben Kohlenhydraten noch Eiweiße, Fette, Spurenelemente, Salze (Mineralien), Ballaststoffe und viele Vitamine enthalten.

Mythos Nr. 2: Zahnseide schützt vor Karies im Zahnzwischenraum

Zahnseide
Zahnseide: Non Plus Ultra?
Bild von Mudassar Iqbal auf Pixabay

Lange habe ich es selbst geglaubt, die tägliche Anwendung von Zahnseide schützt vor Karies. Da gibt es gewachste, ungewachste, mit Fluorid und anderen Chemikalien getränkte Produkte. So wurde und wird doch die Zahnseide seit vielen Jahren von Zahnärzten empfohlen. Heute wissen wir aus vielen wissenschaftlichen Studien: Die Zahnseide hat kaum einen messbaren Effekt. Das sieht die European Federation of Periodontology genauso und sagt:

„Es gibt aber keine Evidenz, um den Gebrauch von Zahnseide für die Reinigung der Zahnzwischenräume bei den Patienten mit Parodontitis zu empfehlen. Interdentalraumbürsten sind die wirksamste Methode und das Mittel der Wahl an Stellen, die eine atraumatische Anwendung erlauben.“

Der wichtigere Aspekt ist erwiesenermaßen die zweimal tägliche Reinigung der Zähne mit einer fluoridhaltigen Zahncreme zusammen mit einer zahngesunden Ernährung.

Das heisst aber im Umkehrschluss nicht, dass man keine Zahnseide benutzen soll. Grobe Speisereste lassen sich damit sehr gut entfernen und wer mit der Zahnseide zusätzlich sein Gebiss pflegt, sollte dies weiterhin tun. Schaden kann es nicht. Das beste Hilfsmittel, um die Zahnzwischenräume von Belag zu befreien, ist eine Bürste, die Interdentalbürste.
Gerade bei jungen Menschen sind die Zahnzwischenräume oft noch so klein, dass sie mit einer Bürste da gar nicht reinkommen, dort können Sie getrost Zahnseide weiterverwenden.  Die Interdentalbürste empfehlen wir in der Regel, um Zahnfleischentzündungen und Parodontitis zu bekämpfen. Die Interdentalbürste entfernt natürlich auch die Plaquebakterien, die Karies verursachen.

Mythos Nr. 3: Die elektrische Zahnbürste ist grundsätzlich besser

Es gibt mittlerweile mehrere Typen elektrischer Zahnbürsten

1. rotierend-oszillierend (z.B. Oral b Plak Control)

2. schallaktiv (z.B. Philips sonicare) 

Der Eine schwört auf den, der andere auf den Typ. Die Wissenschaft sagt, dass beide Typen funktionieren, die rotierend-oszillierende Technik aber immer noch als Goldstandard anzusehen ist. 

Elektrische Zahnbürste Handzahnbürste
Elektrische Zahnbürste vs. Handzahnbürste: Was schneidet besser ab?
Bild von andreas160578 auf Pixabay

Im wissenschaftlichen Vergleich zwischen Hand- und elektrischen Zahnbürsten schneidet die elektrische in der Tat besser ab. Der Mythos stimmt also!

Viele Menschen kommen aber mit der Handzahnbürste so gut klar und zeigen auch in der Prophylaxe, dass sie damit sehr viel Belag entfernen können. Für sie lohnt sich der Umstieg meist nicht. Hinzu kommt, dass die elektrischen Zahnbürsten erheblich teurer sind als Handzahnbürsten und ökologisch schlechter dastehen.

Gerade für Menschen mit wenig manuellem Geschick, Menschen mit Behinderung, älteren Menschen mit Bewegungseinschränkungen ist die elektrische Zahnbürste aber ein wahrer Segen, der beim Verhindern von Karies helfen kann. Im Rahmen der Prophylaxe in der Zahnarztpraxis können Sie gemeinsam mit der Prophylaxefachkraft ermitteln, welche Bürste für Sie am besten ist. Probieren Sie es aus!

Mythos Nr. 4: Die Borsten müssen hart sein!

…denn nur was hart ist, macht richtig sauber! Da wird geschrubbt, was das Zeug hält. Meistens werden  gleich das Zahnfleisch und der Zahnhals mit weggefegt. Auf Nimmerwiedersehen! Wie immer im Leben ist die goldene Mitte wohl der richtige Weg: Nicht zu hart und nicht zu weich sollte sie sein, entscheidend ist, dass Sie mit der Handzahnbürste nicht zu viel Kraft einsetzen, die Borsten abgerundet und das Borstenfeld nicht riesengroß ist.  Versuchen Sie mit wenig Druck kreisende oder rüttelnde Bewegungen durchzuführen, wobei das Zahnfleisch und der Zahn gleichermaßen von den Borsten berührt werden sollte. Bei dieser Technik erreichen die Borsten auch die Eingänge zum Zahnzwischenraum. Ein klares Zeichen von zu viel Putzdruck ist, wenn das Borstenfeld ihrer Zahnbürste schon nach wenigen Tagen wie ein alter Schrubber aussieht. In einer guten Prophylaxesitzung lernen Sie, wie Sie ihre Zahnbürste optimal einsetzen.

Zahnbürsten Holz
Holzzahnbürsten – nachhaltig aber …
Bild von Monfocus auf Pixabay

aus Hygienegründen sollten Sie Nylonborsten und keine Holzzahnbürsten mit Naturborsten verwenden.

Mythos Nr. 5: Es muss eine Markenzahnpasta sein!

Morgens Aronal, abends Elmex, so hat es uns die Werbung eingetrichtert – und nicht selten auch die Zahnärzte.

Zahnbürste Zahnpasta
Teuer putzt gut. Aber ist das wirklich so?
Bild von Daniel Albany auf Pixabay

Vergleichsweise teuren Zahnpasten sind sicherlich gut, aber nicht besser als viele günstige Zahnpasten. Auch wird mit Zahnpasten geworben, die speziell gegen Parodontitis sind-vergessen Sie das, die gibt´s nicht. 

Sie bekommen schon für unter 1 Euro eine gute Zahnpasta mit der gleichen Wirkung: Dabei verwenden alle Zahncremes Putzkörper, Bindemittel, schäumende Substanzen, Konservierungsstoffe, Feuchthaltemittel, Aromen, evtl. antibakteriell wirksame Substanzen, Farbstoffe und last not least: Fluorid! Das Fluorid ist aus zahnmedizinischer Sicht der wichtigste Bestandteil.

Denn wir wissen aus zahlreichen wissenschaftlichen Untersuchungen aus Jahrzehnten, dass Fluorid als Salz in der Zahnpasta immer nur  lokal auf der Zahnberfläche wirkt und die oberste Schicht im Zahnschmelz härtet und so widerstandsfähiger gegen den Säureangriff der Kariesbakterien ist. Gegenden mit hoher Fluoridkonzentration im Trinkwasser wiesen in der Bevölkerung eine viel niedrigere Kariesrate auf. Dabei wirkt das Fluorid im Trinkwasser auch nur während es sich in der Mundhöhle befindet und den Zahn umspült, nicht von innen. Dagegen sind alle weiteren Substanzen wie etwaige Kräuterzusätze oder antibakteriell wirksame Substanzen, bedeutungslos. Mehr noch: Diese Zusätze unterliegen Modeerscheinungen und werden häufig nach einigen Jahren kritisch gesehen, wie Zinkzusätze oder Triclosan, und dann wieder vom Markt genommen.

Dabei wird die empfohlene Konzentration von Fluorid regelmäßig überprüft und bei Bedarf angepasst. Es gibt für Kinder, Jugendliche und Erwachsene verschiedene Fluoridempfehlungen, entsprechend unterscheiden sich die Zahnpasten. 

Das Fluorid wirkt also nur durch äußere Anwendung auf den Zahnschmelz. Damit sind aus zahnärztlicher Sicht die Fluoridtabletten für Kinder schon seit 2004 passe. Man dachte Fluorid würde auch von innen bei der Schmelzbildung den Zahnschmelz hart machen. Das passiert leider nicht. Vielmehr ist es so, dass wir der Tablettenfluoridierung „zu verdanken“ haben, dass es Zahnschmelzfluorosen gibt: Damit sind weiße, gelbe bis bräunliche Flecken auf den Zähnen gemeint, welche nicht erwünscht sind. Durch die lokale Anwendung von Zahnpasta kann es keine Schmelzfluorose geben.

In Gebieten, in denen das Trinkwasser eine hohe Fluoridkonzentration aufweist, gibt es noch Fluorosen.

Mythos Nr. 6: Das giftige Fluor!

Salz in der Hand
Schadet Fluor den Zähnen?
Bild von LoggaWiggler auf Pixabay

Sie finden haufenweise „Fluorkritiker“ im Internet. Dabei behaupten einige, dass Fluor ja hochgiftig sei. Das stimmt – Fluor als Molekül ist hochgiftig, es liegt aber als solches in der Zahnpasta nicht vor, sondern immer als geladenes Teilchen, als Salz. In Form von Fluorid, meistens ist es Natrium- oder Aminfluorid.

Niemand käme beispielsweise auf die Idee, Kochsalz zu verteufeln, nur weil da „Chlor“ drin ist. Das „Chlor“ im Kochsalz liegt nicht als freies Molekül sondern als Chlorid-Teilchen vor und hat nichts mit der Wirkung des gefährlichen Chlorgases gemein.

Sie müssten schon eine ganze Tube Zahnpasta verspeisen, um Krankheitssymptome zu bekommen. Allerdings sehen viele Zahnärzte kritisch, dass Kinderzahnpasta zum Teil süß ist und nach Erdbeere schmeckt. Wir meinen, wir müssen Kindern nicht den Anreiz geben, die Zahnpasta zu essen.

Trinkwasserfluoridierung zur Karieseindämmung ist in unserem Land verboten, in vielen Ländern aber noch gängige Praxis. Fluorid ist in vielen Nahrungsmitteln enthalten. Bei uns erfolgt die Versorgung mit Fluorid hauptsächlich durch fluoridiertes Speisesalz, welches Sie in der Regel im Supermarkt erwerben. 1 mg Fluorid (ein tausendstel Gramm) als Gesamtaufnahme pro Erwachsenen pro Tag ist die empfohlene Dosis. Diese sollte in der Summe aus Zahnpasta, Kochsalz, Leitungswasser und aus Nahrung nicht überschritten werden.

Also ist es in Ihrer Verantwortung, ob Sie auf die Wirkung von Fluorid vertrauen: Wir Zahnärzte empfehlen, mit fluoridiertem Speisesalz zu kochen.

Sie erhalten aber auch mittlerweile fluoridfreie Zahncremes von diversen Anbietern (Bsp. Weleda).  Wenn Sie wenig süß essen und sich perfekt die Zähne putzen (das geht auch ohne Zahncreme), kann es Ihnen gelingen, kariesfrei zu bleiben. Es ist aber wahrscheinlicher, dass Sie den Zahnbelag nicht komplett wegkriegen und doch auch Süßes zu sich nehmen und infolgedessen Karies bekommen. Für Ihr Kind müssen Sie die Verantwortung übernehmen: Ich habe in meinen 20 Jahren als Zahnarzt viele Eltern erlebt, die ihren Kindern gegen meinen Rat nur fluoridfreie Zahncremes gaben und auf diesem Weg viele Löcher in den Gebissen ihrer Kinder verantworten mussten. Dabei hatten sie es doch so gut gemeint. Auf die Frage der Kinder später an ihre Eltern, warum sie ihnen nicht die schützende Zahncreme gaben, bin ich gespannt. Für diese Eltern stellt sich dann jetzt zusätzlich die Frage: Für welchen Reparaturwerkstoff entscheide ich mich? Gold, Keramik, Kunststoff, Amalgam oder Zement? Der beste Werkstoff bleibt immer noch der eigene Zahn. Von den biologischen Auswirkungen ganz zu schweigen, denn kein Reparaturwerkstoff kann als gesund bezeichnet werden. Es ist immer ein mehr oder weniger schlechter Ersatz. Und diese Reparaturwerkstoffe bieten wieder eine große Angriffsfläche für Kritiker jeder coleur und besorgte Eltern.

Nun gibt es neue Zahncremes (Biorepair, Karex), die Wunder versprechen. Zahncremes, die künstlichen Zahnschmelz enthalten und biomimetisch wirken wollen: Damit meint der Hersteller, dass der in der Pasta enthaltene “künstliche Zahnschmelz” mit seinen Hydroxylapatit-Kristallen vorhandene Löcher im Zahnschmelz wieder verschließt. 

Diese Zahncremes enthalten kein Fluorid, weil es den Wirkstoff deaktivieren würde.

Welchen Effekt diese Mikro-Partikel auf den Organismus haben ist noch völlig unklar. Zudem sind diese neuen Zahncremes sehr teuer und der Hersteller empfiehlt gleich, auch noch die entsprechende Zahnmilch mit dem gleichen Inhaltsstoff zu konsumieren! Allein dieses Produkt als „Milch“ zu bezeichnen, empfinde ich verwerflich. Milch ist im allgemeinen ein trinkbares Nahrungsmittel und nicht zum Spülen gedacht. Dabei fällt mir ein Patient ein, den ich seit 20 Jahren betreue: Er hatte nie Karies. Beim letzten Besuch und der Inspektion seiner Zähne mit meiner fünffach vergrößernden Lupenbrille wurde ich stutzig- ich sah Demineralisationserscheinungen in Form von beginnender Karies zwischen seinen Zähnen. Ich fragte ihn, ob er plötzlich sehr süß ist, nur noch Cola trinkt, oder er Medikamente nimmt oder sein Leben irgendwie umstrukturiert hat? Das verneinte er alles. Er sagte nur, dass er seit ca zwei Jahren diese neue fluoridfreie biomimetische Zahnpasta benutze. Ich fiel aus allen Wolken. Das ist zwar keine wissenschaftliche Arbeit aber für mich ein case-Report, eine Einzelfallstudie die aus einer Beobachtung resultiert.

In der Tat fehlen uns darüber die Daten. Ich fühlte mich jedoch bestätigt, dass das Absetzen der fluoridhaltigen Zahnpasta die Entstehung der Karies hier gefördert haben muss. Die beginnenden Kariesstellen, die röntgenologisch schon sichtbar waren, haben wir mit einem Vesiegelungskunstoff (Icon) therapiert. Seitdem benutzt der Patient wieder fluoridierte Zahnpasta und die Kariesprogression ist gestoppt.

Sich die Zähne mit fluoridierter Zahncreme zu putzen ist also der Tribut an unsere moderne Gesellschaft: Wir essen alle viel zu süß und wollen mit unseren eigenen Zähnen älter als 80 Jahre werden. Steinzeitmenschen hatten keine fluoridierte Zahncreme, aßen aber nicht so süß und wurden nichts so alt. Aber selbst bei Ötzi wurde Karies festgestellt und er muss auch an Zahnschmerzen gelitten haben. Ich kann Ihnen nur empfehlen, auf die wissenschaftlich abgesicherten Empfehlungen der Fachgesellschaften zu vertrauen.

Mythos Nr. 7: „Das Loch war plötzlich da!“

Geheimnis Überrascht
Bild von Robin Higgins auf Pixabay

Mit dieser Aussage kommen täglich Patienten in unsere Praxis. Meistens bemerken sie das Loch, weil Speisereste jetzt zwischen den Zähnen hängen bleiben und sich eine Zahnfleischentzündung bildet. Dabei hat sich die Karies langsam unter der Schmelzoberfläche gebildet, durch einen kleinen Stichkanal unterhalb des Kontaktpunktes zum Nachbarzahn. Irgendwann war die Zahnkrone soweit unterhöhlt, dass der  Zahnschmelz darüber zusammengekracht ist. Erst jetzt bemerkt der Mensch etwas, dabei nahm das Unheil schon viel früher seinen Lauf. Karies ist immer ein dynamischer Vorgang, das Loch entwickelt sich über Monate bis Jahre. Solange die “Läsion nicht kavitiert ist”, sagen wir Zahnärzte, können wir das ganze zum Stoppen bringen. Nur was heisst das genau? Das bedeutet, solange noch eine Schmelzstruktur da ist, wenn auch geschwächt durch Mineralienentzug, kann diese Struktur wieder aufgefüllt werden durch Mineralien aus Speichel und Zahnpasta. Die Oberfläche muss noch sichtbar intakt sein, wenn auch durch Mikroporositäten durchzogen. Wenn diese beginnende Karies frühzeitig entdeckt wird, dies ist möglich durch Röntgenaufnahmen (Bissflügelaufnahmen), durch hoch vergrößernde Lupenbrillen, durch Anwendung von Kaltlicht oder Spezial-Licht (Laserfluoreszenztechnologie KaVo Diagnodent), kann das Fortschreiten der Karies gestoppt werden. Wir sagen, die Karies wird arretiert und beobachten, ob es zum Fortschreiten der Karies kommt. Dies nennen wir Kariesmonitoring.

Um ganz sicher zu sein, dass das poröse Zahngewebe nicht doch zusammenbricht, gibt es seit ca. zehn Jahren eine in Kiel und Berlin entwickelte Methode, diese fragile Struktur zu stabilisieren: Mit der Icon-Methode wird ein flüssiges Harz in diese Struktur gebracht. Der angegriffene Zahnschmelz saugt dieses Harz (den Icon Infiltranten) auf wie ein Schwamm, welcher dann unter Blaulicht zum Aushärten gebracht wird. Diese Methode ist leider auch keine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen und kostet ca € 150,00 pro Zahn.

Früher stocherte der Zahnarzt mit seiner Sonde im Zahnschmelz herum, um Karies aufzuspüren. Diese Vorgehensweise ist heute verpönt. Denn durch das Stochern mit der Sonde wird initiale (beginnende) Karies aufgebrochen und so zu einer behandlungsbedürftigen Kavität (Loch).

Allerdings ist es wesentlich komplizierter, die Karies zu stoppen, “als eben eine Füllung zu machen”. Der Zahnarzt ist dabei auf die enge Mitarbeit des Patienten angewiesen. Der Patient muss eine Verhaltensänderung durchführen: Häufiger und gründlicher Zähneputzen, weniger süß essen und trinken, Zahnzwischenräume reinigen, zur Prophylaxe und zur Zahnreinigung gehen. Leider ist diese enge Mitarbeit, die ich gerade beschreibe, sehr zeitintensiv und wird bislang von den Krankenkassen für Erwachsene kaum bezahlt. Bei Kindern und Jugendlichen schon. Das hat dazu geführt, dass Kinder im bleibenden Gebiss kaum noch Karies haben, wie aus der 5. Deutschen Mundgesundheitsstudie hervorgeht. Der erwachsene Patient erfährt in der Individualprophylaxe im Rahmen der Professionellen Zahnreinigung, wie er seine Zähne gegen Karies schützt. Wir nennen diesen wichtigsten Teil Aktivprophylaxe, weil Sie selber tätig werden müssen.

Mythos Nr. 8: Jeder Schwangerschaft kostet einen Zahn

Das ist natürlich ganz großer Nonsens, an dem aber immer noch einige Mütter festhalten: Ist halt das Kind schuld, dass der Zahn raus musste und nicht ich. Das Kind habe just aus diesem Zahn zu viel Calcium gezogen. Ich frage dann immer, wieso sich das Kind gerade diesen Zahn ausgesucht habe?
Dass in der Schwangerschaft vielleicht sehr viel genascht und wenig geputzt wurde, wird selbstverständlich nicht zugegeben. Vielleicht war es auch reiner Zufall und der Zahn schon vor der Schwangerschaft geschädigt?
Es ist wissenschaftlich belegt, dass das Baby im Bauch der Mutter sein Calcium für den Knochenaufbau nicht aus den Zähnen der Mutter zieht.
Mit dem allgemeinen Rückgang der Karies in Deutschland beobachten wir zudem, dass Schwangere heute nicht mehr Zähne durch Karies verlieren als Nichtschwangere!
Allerdings sind Schwangere sehr viel anfälliger für Zahnfleischentzündung als Nichtschwangere. Auf die “Schwangerschaftsgingivitis” macht meistens schon der Frauenarzt aufmerksam und empfiehlt den Schwangeren, rechtzeitig zum Zahnarzt zu gehen. Eine gute Zahnpflege ist daher in der Schwangerschaft besonders wichtig.

Mythos Nr. 9: Wenn der Zahn erst mal eine Krone hat, kann er keine Karies mehr kriegen!

Zahn Zahnarzt Comic
Einmal Krone und fertig. Kann das gut gehen?
Bildquelle: PublicDomainPictures

Diese Ansicht ist immer noch weit verbreitet und kaum aus der Welt zu schaffen: Und ich selbst habe Anfang der 90iger Jahre noch von meinem Prothetikprofessor in Kiel gelernt, dass der Kronenrand unterhalb des Zahnfleisches, in der sogenannten kariesprotektiven Zone, liegen soll!

Dies ist heutzutage wissenschaftlich nicht mehr haltbar, so wogen sich doch viele Patienten mit Kronen in Sicherheit. Ein überkronter Zahn kriegt natürlich auch Karies, und zwar am Kronenrand. Auch unterhalb des Zahnfleisches. Wenn dort nicht geputzt wird und die Kariesbakterien Zucker kriegen. Eine Krone gibt dem Zahn ein stabiles Korsett, er kann zumindest nicht so schnell durch Karies zusammenbrechen, war wohl der Gedanke. Teilweise wurden Kronen als die besseren Zähne angesehen und weil doch die Krankenkasse früher alles bezahlt hat, wurden gerne alle Zähne überkront- auch die, die es eigentlich nicht nötig hatten. Selbst Unterkieferschneidezähne, die eigentlich nie eine Krone brauchen. Aus heutiger Sicht unglaublich. Wir Zahnmediziner werden heute so ausgebildet, möglichst viel Zahnsubstanz zu schonen. „Wegen der Optik“ sagten Zahnärzte und Patienten, wurden die Zähne früher sogar für Kronen abgeschliffen. Abschleifen klingt dabei so künstlerisch, dabei wird der Zahn bei dieser Aktion massakriert. Der gesamte Schmelzanteil wird abgetragen und die Leute bekamen regelmäßig einen Schreck, wenn sie das sahen. Jeder Zahn ist ein Organ und sollte nicht leichtfertig beschädigt werden. Das Abschleifen führt nicht selten dazu, dass der Zahnnerv darunter traumatisiert ist und im Laufe der Jahre unter der Krone abstirbt. Zähne müssen heutzutage auch noch überkront werden, aber erst wenn ein Großteil des Zahnschmelzes verlorengegangen ist, ist eine Überkronung angezeigt.

Gerne wurden früher diese künstlichen Zahnkronen dann untereinander verbunden – wir sagen verblockt. Eine Reinigung wurde dadurch noch schwieriger. Dann fiel es noch viel später auf, wenn der Zahn darunter weggegammelt war. Wenn der Zahn dann weh tat, wurde die Krone durchbohrt und eine Wurzelbehandlung gemacht. Dann tat der Zahn auch nicht mehr weh. Das Zahnfleisch und die Zahnwurzel drumherum sind dann meist in einem katastrophalen Zustand. 

Und immer wieder sagen Patienten zu mir: „Herr Doktor, ich spare jetzt ein bisschen und dann machen wir da in zwei, drei Jahren neue Kronen drauf und alles ist gut!“ Den Menschen ist nicht bewusst, dass sie im Spiegel nicht “Ihre Zähne” sehen, sondern sie sind geblendet von mit Keramik verblendeten künstlichen Kronen. Und zugegebenermaßen: Uns Zahnärzten und Zahntechnikern gelingt es immer besser, die Natur zu imitieren. 

Wenn das nicht mehr funktioniert, zünden wir Zahnärzte die Stufe 2 der Verblendung: Jetzt gehts los mit Implantaten und Brücken…und Prothesen! Warum das alles so ist, beschreibe ich in Mythos 10, dem Finale!

Mythos Nr. 10: Jeder Zahnarzt fährt einen Porsche!

Porsche
Bild von Pexels auf Pixabay

Diese Zeiten sind lange vorbei. Die Vergütung für zahnärztliche Leistungen – gerade im privatzahnärztlichen Bereich – ist in den letzten Jahren immer weiter gesunken. Zahnarztpraxen sind mittlerweile moderne Dienstleistungszentren. Vorbei sind die Zeiten des unantastbaren Weißkittels, der die Behandlung alleine bestimmt. Der Patient wird mehr und mehr in die Therapie einbezogen und wir Zahnärzte bereiten der Bevölkerung den Weg in eine auf Vorbeugung orientierte Zahnheilkunde. So gut wie jede Zahnarztpraxis verfügt über eine Prophylaxeabteilung, in der zahnmedizinische Fachkräfte Zähne reinigen und Patienten zu noch mehr Zahnpflege motivieren. Dies ist größtenteils noch keine Kassenleistung und die Kassen und der Gesetzgeber tun sich mit Änderungen schwer, obwohl von unserer Bundeszahnärztekammer neue präventive Konzepte vorgelegt wurden. 

Dass in Deutschland mehr repariert als vorgebeugt wird, liegt aber auch an unserem Honorarsystem, welches hauptsächlich auf eine invasive Therapie ausgerichtet ist. Das muss sich ändern.

Comic-Zahn, Zahnfleischtaschen, Messung

Parodontitis Behandlung

1. Sie glauben, Ihre Zahnärztin kann Ihre Parodontitis / Parodontose heilen?
Falsch. Kann sie nicht. Die Zahnarztpraxis schafft lediglich die Voraussetzungen für Ihre Heilung. Die Parodontitis Behandlung ist nur die Grundlage damit Sie gesund werden. Wirklich heilen tun Sie die Krankheit am Ende selbst. Dazu brauchen Sie die Unterstützung der Zahnarztpraxis – Die Unterstützende Parodontaltherapie (UTP).

2. Sie glauben, Sie reinigen Ihre Zähne ohne Anleitung effektiv und gründlich?
Falsch. Sie brauchen die Schulung eines Mundhygiene-Profis. Wir nennen das „Aktivprophylaxe“, weil Sie selbst aktiv werden müssen. Diese Schulung kann eine Zahnärztin durchführen, wird aber eher von Dentalhygienikerin oder Zahnmedizinischen Prophylaxe Assistentinnen (ZMP) gemacht. Vor allem die Zahnzwischenräume sind das Problem. Sie heilen Ihre Parodontitis nur, wenn Sie wissen, wie Ihre Zähne richtig gereinigt werden.

3. Sie glauben, nach einer erfolgreichen Parodontitis Behandlung ist die Krankheit verschwunden?
Falsch. Die tägliche Zahnpflege ist eine lebenslange Aufgabe. Es sind nur wenige Minuten am Tag, die sich aber wirklich lohnen. Klingt kompliziert? Ist es nicht! Alles was Sie brauchen ist eine zahnerhaltend orientierte Zahnarztpraxis, die Ihnen das beibringt.

Interdentalzahnbürsten in diversen Größen
Interdentalzahnbürsten in diversen Größen / Bild: Oral Prevent©

Sie müssen lernen Ihre Zahnzwischenräume zu reinigen
– wir nennen das Aktivprophylaxe

Der wichtigste Teil der Parodontitis Behandlung sind Sie selbst. Dazu brauchen Sie unbedingt eine Schulung zur Mundhygiene (Aktivprophylaxe). Das sagen nicht nur wir von Ankerzahn e.V. sondern das sagt auch die EFP, zu der 25 Staaten aus Europa zählen. In den Leitlinien ist unter andere nachzulesen:
„Die professionelle Mundhygieneinstruktion, die individuell dem Patienten angepasst wird, ist unerlässlich, um den Patienten zu befähigen, das notwendige Niveau an Zahnreinigung erreichen zu können. Das sollte am besten direkt im Mund des Patienten demonstriert und die Umsetzung kontrolliert werden, bevor der Patient die Praxis verlässt. Diesen Maßnahmen muss eine ausreichende Zeit im Behandlungsplan eingeräumt werden.“

Diese Mundhygieneinstruktion wird leider nicht überall angeboten. Fordern Sie das ein, oder gucken Sie bei unseren teilnehmenden Praxen. Ohne Schulung ist die Wahrscheinlichkeit die Parodontitis loszuwerden sehr gering. Das zeigt zum Beispiel eindrücklich eine Studie aus Schweden. 22 Teilnehmer bekamen eine Schulung und die anderen 22 nicht. Nur die geschulten konnten ihren Gesundheitszustand verbessern:
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31603245/

Das übliche Zähneputzen werden Sie vermutlich schon recht ordentlich bewerkstelligen. Das Problem sind die Zahnzwischenräume. Die müssen Sie mit der Interdentalbürste (Zahnzwischenraumbürste) reinigen. Doch das ist ohne Anleitung nicht möglich, da jeder Zahnzwischenraum anders ist.

Comic-Zahn, Interdentalbürste
© Ankerzahn | Zeichnung: Matthias Latza

Die Bürsten sind erwiesenermaßen mit Abstand das beste Instrument (Leitlinien der EFP). Diese kleinen Bürsten sind die entscheidende Waffe gegen Parodontitis. Leider hat fast die Hälfte der Menschen so enge Zahnzwischenräume, dass Interdentalbürsten nicht passen. Dort muss dann Zahnseide verwendet werden. Aber auch damit können Sie wirksam reinigen, wenn Ihnen eine Fachkraft das beibringt.

Hier die 4 wichtigsten Gründe, warum Sie unbedingt eine Schulung zum Zähneputzen brauchen.

Warum eine Schulung?

1. Jedes Gebiss ist anders

Nur eine Fachkraft kann beurteilen, an welchen Stellen Sie Interdentalbürsten anwenden können und an welchen Sie Zahnseide verwenden müssen. Es ist grundlegend wichtig die richtigen Größen der Interdentalbürsten zu ermitteln. Fast immer werden mehrere Bürsten in unterschiedlichen Größen gebraucht. Wenn die Bürsten zu klein sind, bleibt Plaque zurück.

Zahnzwischenraum Interdentalbürste
Zu kleine Bürsten erreichen manchmal nicht jede Stelle.
Zu große Bürsten können den Zahnhals oder das Zahnfleisch schädigen. | © Ankerzahn e. V.

2.   Es ist eine ganz schöne Fummelei

Die Anwendung der Interdentalbürsten und auch der Zahnseide ist am Anfang nicht leicht. Selbst geschickte Menschen brauchen Übung. So sind z. B. die hinteren Zahnzwischenräume zunächst schwer zu erreichen. Ein typischer Anfängerfehler: Der Mund wird zu weit aufgemacht. Zudem haben sie zunächst noch eine Zahnfleischentzündung. Daher ist das Zahnfleisch angeschwollen und die Entzündung schmerzt. Das macht die Prozedur am Anfang nicht leichter. Dann ist es unter Umständen ratsam, ein Chlorhexidin Gel auf die Interdentalbürste aufzutragen. Fragen Sie danach.

3.   Eine Überprüfung ist zwingend erforderlich

Sie müssen nach einigen Wochen die Reinigungsleistung überprüfen. Es geht dabei weniger um eine Bewertung Ihrer Putzleistung. Es ist ganz einfach so, dass sich erst in der Praxis zeigt, ob die empfohlenen Maßnahmen ausreichen. Die Entzündung muss raus, damit das Zahnfleisch wieder abschwillt. Damit ist oftmals verbunden, dass die Interdentalbürsten eine Nummer größer werden müssen.

Comic-Kiefer, Interdentalbürsten
Interdentalbürsten müssen in verschiedenen Größen getestet werden. | © Ankerzahn e. V. | Zeichnung: Matthias Latza

4.  Die normale Zahnbürste bleibt auch wichtig

Die Zahnfleischfurchen oder –taschen müssen rund um den Zahn sauber werden. Auch das Putzen mit der Zahnbürste sollte geübt werden. Sie selbst müssen aktiv werden und dazu brauchen Sie fachliche Unterstützung.

Die Aktivprophylaxe – Jeder sollte sie bekommen

Die Volkskrankheit Parodontitis betrifft jeden zweiten Erwachsenen mit gravierenden Folgen. Wir setzen uns dafür ein, dass die Schulung zum Zähneputzen (Aktivprophylaxe) Standard wird, weil das der wichtigste Schritt ist, die Krankheit einzudämmen. Sie dauert schon je nach Gebiss und Fingerfertigkeit mindestens 15 bis 20 Minuten. Unter Umständen auch erheblich länger. Entscheidend ist: Sie selbst reinigen unter Aufsicht Ihre Zahnzwischenräume. Sie selbst werden aktiv. Nur so können Sie es lernen. Die Aktivprophylaxe wird, wenn überhaupt, nicht allein angeboten, sondern im Rahmen einer Professionellen Zahnreinigung. Diese ist ohnehin sinnvoll um ältere Beläge zu entfernen und die Zahnfleischtaschen zu reinigen.

Es ist äußerst wichtig, dass der Reinigungserfolg innerhalb der nächsten 3 bis 5 Wochen kontrolliert wird, beim sogenannten “Recall“. Dieser gehört immer zu einer Aktivprophylaxe dazu. Je nach Schwere der Krankheit, Gebissanatomie und Ihrer Geschicklichkeit braucht es auch mehrere Recalls.

Die effektive Parodontitis-Behandlung

Entscheidend ist am Ende eine gute Zahnarztpraxis! Damit Sie eine fachlich fundierte Schulung bekommen, fragen Sie nach Dentalhygienikerinnen, oder zahnmedizinischen Prophylaxehelferinnen oder schauen in unserer Zahnarztsuche. So sichern Sie sich eine effektive Parodontitis Behandlung.

Nur die Fachleute vor Ort wissen genau, wie viele Schulungen und Zahnreinigungen Sie benötigen um wieder gesund zu werden. Denn jeder Mensch ist anders und muss individuell betreut werden. Es lohnt sich: Wenn Sie den Bürstenbogen raus haben, dann brauchen Sie nicht mal eine Minute am Tag für die Zahnzwischenräume und können so dafür sorgen, dass eine Parodontitis Behandlung in Zukunft für Sie nicht mehr notwendig ist.

So können Sie Ihre Zähne ein Leben lang behalten, und auch den restlichen Körper vor Schaden bewahren.

Unser ParoPass kann Ihnen helfen, denn er zeigt an ob es besser wird oder nicht.

Ankerzahn Team

Der ParoPass®

Neutral und unbestechlich bringt der ParoPass Licht ins Dunkle der Mundhöhle! Spätestens ab einem Alter von 30 Jahren sollte ihn jeder besitzen. Denn dann sind Sie schon mit einer Wahrscheinlichkeit von ca. 50% an Parodontose (Parodontitis) erkrankt, ohne es zu bemerken.

Leider wird die Parodontitis in Deutschland in der Regel zu spät erkannt, und auch noch zu selten behandelt. Laut der 5. Mundgesundheitsstudie gibt es ca. 11,5 Millionen Menschen mit einer schweren Parodontitis in Deutschland. Behandelt werden aber nur gut eine Million, was nicht einmal jedem zehnten Patienten entspricht. Das allein ist schon Grund genug für den ParoPass.

Der ParoPass zeigt:

  1. Ob Sie Parodontitis (Parodontose) haben oder nicht
  2. Den Behandlungserfolg

Der Pass ist vor allem so wichtig, weil diese Krankheit keine Schmerzen verursacht und häufig auch kein Zahnfleischbluten – wir spüren nichts. Das ist ein gravierendes Problem, denn es handelt sich um eine ernsthafte Erkrankung. Oft geht es mit 30 Jahren los und über einen langen Zeitraum bleibt die Parodontose vollkommen unbemerkt. Auch der Zahnarzt erwähnt häufig nur, dass das Zahnfleisch entzündet ist. Warum? Weil Viele die Krankheit als nicht heilbar, beziehungsweise als normale Alterserscheinung betrachten. Erst wenn Symptome wie Schmerzen, Zahnfleischbluten oder gar wackelnde Zähne auftauchen, wird gehandelt. Dann ist es aber leider oft zu spät.

Ist die Krankheit zu weit fortgeschritten, kann sie nicht mehr gestoppt werden. Daher ist der ParoPass so nützlich: Je früher behandelt wird, desto einfacher lässt sich die Parodontitis dauerhaft stoppen. Das lohnt sich gleich mehrfach: Kein Zahnausfall, keine versteckte Entzündung im Körper. Außerdem zeigt der ParoPass den Behandlungserfolg.

Wie funktioniert er?

Sondierung der Zahnfleischtaschen
Das Ausmessen der Zahnfleischtaschen dauert nur wenige Minuten | © Ankerzahn e. V.

Wenden Sie sich an eine Zahnärztin oder Dentalhygienikerin. In der Zahnarztpraxis wird dann Ihr Zahnfleisch vermessen (in der Fachsprache heißt das Sondieren – nach den offiziellen PSI Codes der DG Paro). Das dauert nur wenige Minuten und kann etwas piksen, vor allem, wenn das Zahnfleisch entzündet ist.

Das Ergebnis dieser Messung wird dann in den ParoPass eingetragen, oder genauer gesagt angekreuzt. An der entsprechenden Stelle auf der Farbskala wird ein Kreuz gemacht als Dokumentation für die Behandlung. So behalten Sie jederzeit den Überblick über den Zustand Ihres Zahnfleisches, und können eine entsprechende Behandlung mitverfolgen.

ParoPass
Der ParoPass zeigt nach dem offiziellen PSI-Code ob Sie Parodontitis haben. | © Ankerzahn e. V.

Wie bekommen Sie ihn?

In unserem Shop, einer Zahnarztpraxis aus unserer Praxis-Suche oder sogar kostenlos, wenn Sie bei unserer kurzen Umfrage mitmachen.

ParoPass Motive in der Übersicht
Den ParoPass gibt es ab sofort auch in drei verschiedenen Motiven. | © Ankerzahn e. V.

Übrigens: Statt dem ParoPass empfehlen wir auch ParoStatus oder PA-Konzepte. Diese liefern sogar noch detailliertere Dokumentationsmöglichkeiten. Fragen Sie dazu am besten Ihren Zahnarzt.

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Logo - PA-Konzepte
Darstellung PA-Konzepte
Darstellung von PAKonzept©
Dashboard ParoStatus
Dashboard von ParoStatus©