Parodontose bleibt meist unbemerkt, Frau vor Spiegel

Herzinfarkt und ParodontitisDer Tod aus dem Mund?

zuletzt aktualisiert am 9. Oktober 2020 von Ankerzahn Redaktion

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind immer noch die Todesursache Nr. 1 in Deutschland. Als Risikofaktoren gelten Übergewicht, Stress, Bluthochdruck, Rauchen, Diabetes und erhöhte Cholesterinwerte. Aber wer hätte gedacht, dass Parodontitis ein Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall ist?

Es mehren sich die Hinweise, dass entzündliche Prozesse eine Ursache zur Entstehung von Atherosklerose („Gefäßverkalkung“) sind. Hohe Cholesterinwerte allein wären demnach harmlos. Erst eine Entzündung verursacht die Ablagerungen in unseren Adern.

Das erklärt auch besser, warum die Blutgefäße so ungleichmäßig „verkalken“.  Denn es finden sich bei durch Herzinfarkt oder Schlaganfall Verstorbenen fast immer auch viele Blutgefäße, die vollkommen gesund sind und noch eine ganz glatte Innenwand (Endothel) haben.
Eventuell könnte also eine lokale Entzündungsreaktion, ausgelöst durch Bakterien im Blut, der Beginn einer lokalen Atherosklerose sein.

Auf jeden Fall sind Bakterien im Blut nicht gut, da gehören sie nicht hin. Und doch ist es bei sehr vielen Menschen der Fall. Denn versteckte Entzündungen im Körper sind weit verbreitet. Allen voran die Parodontitis: Etwa die Hälfte aller Erwachsenen ist von dieser heimlichen Entzündung betroffen.

Entzündung so groß wie eine ganze Handinnenfläche

Handfläche, Größe der Entzündung
Die Entzündung ist so groß wie eine Handfläche.
© Ankerzahn e. V.

Bei einer mittleren bis schweren Parodontitis macht die Gesamtfläche des entzündeten Zahnfleisches die Größe einer Handinnenfläche aus – wir bemerken es aber nicht. Und das ist nur das Zahnfleisch. Bei der Parodontitis ist eben auch der Kieferknochen selbst entzündet.

Erreger und Entzündungsstoffe sind im Blut nachweisbar. Es ist also naheliegend, dass die Parodontitis sich ungünstig auf unsere Blutgefäße auswirkt. Eine großangelegte Metastudie hat 2138 Studien ausgewertet und kommt zum Ergebnis, dass es einen signifikanten Zusammenhang zwischen Parodontitis und Atherosklerose gibt.

Sehr interessant ist auch eine Studie aus dem Jahr 2014 von Dr. J. Schneider. Hier wurde die Qualität der Blutgefäße durch die Pulswellenmessung ermittelt. Mit dieser modernen Messung, wird die Elastizität der Blutgefäße ermittelt. Denn wenn Gefäße “verkalken” werden sie starrer. Das Herz erzeugt eine Druckwelle, mit der das Blut gepumpt wird. Die Geschwindigkeit dieser Welle ist von der Beschaffenheit der Gefäße abhängig. Je starrer, also  „verkalkter“ die Gefäße, desto schneller die Pulswelle. Wissenschaftler der Universität Würzburg konnten in einer Studie feststellen, dass die Blutgefäße Parodontitis erkrankter Personen deutlich vorgealtert, d. h. starrer waren. Im Vergleich zu nicht parodontal erkrankten Personen sind die Betroffenen im Schnitt 10-15 Jahre älter, und tragen somit zu einem höheren Risiko für Herzerkrankungen bei.

Wie gesagt: Die Todesursache Nr. 1 in Deutschland sind Herz-Kreislauferkrankungen. Genauer gesagt: Herzinfarkt, Schlaganfall. Thrombosen- fast immer hat es mit den “verkalkten” Blutgefäßen zu tun.

(Anmerkung: Der Begriff Gefäßverkalkung ist nicht ganz richtig. In Wirklichkeit “verfetten” die Gefäße im ersten Schritt. Da lagert sich das “böse” Cholesterin ab (LDL-Lipoproteine). Mit der Zeit lagern sich dann aber tatsächlich Calciumphosphate und Hydroxylapatit an. Dadurch verhärten die Gefäße und verengen sich natürlich auch.

Es sollte daher jeder versuchen in Erfahrung zu bringen, ob versteckte Entzündungen im Körper vorliegen.

Parodontitis: Gefahr für Herz und Gehirn

Parodontitis betrifft unseren ganzen Körper

Parodontitis ist also nicht nur die Hauptursache für Zahnausfall, sondern wirkt sich offensichtlich auch negativ auf unsere Blutgefäße aus.
Da in Deutschland jeder zweite Erwachsene eine Parodontitis hat, ist das ein ernstzunehmendes Problem.
Vor allem, weil die Mehrheit nicht einmal weiß, was da in ihrem Mund abläuft. Wir von Ankerzahn e.V. fordern daher:
Jeder Mensch hat das Recht über seinen Gesundheitszustand informiert zu werden. Die Krankenkassen zahlen allerdings nur alle zwei Jahre den Parodontitis-Test ( Periodontal Screening Index – PSI ).

Das ist nicht hinnehmbar. Er sollte eher zweimal pro Jahr gemacht werden, mindestens aber jedes Jahr.
Aus diesem Grund können Sie nicht sicher sein, ob Ihr Zahnarzt bei Ihnen eine Parodontitis diagnostiziert.  Das wollen wir von Ankerzahn e.V. ändern.
Professor Dr.  Dannewitz, 1. Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie:” Parodontitis ist eine Volkskrankheit, die noch immer viel zu selten oder zu spät erkannt und behandelt wird.”

Wenn Sie nicht sicher sind, dann nehmen Sie einfach unseren ParoPass zur Hand, oder suchen Sie eine Zahnarztpaxis aus unser Liste.

Hier finden Sie ausschließlich Zahnarztpraxen, die auf Prophylaxe spezialisiert sind und ganz selbstverständlich einen Parodontitis Test (PSI) erheben.

Sie selbst müssen aktiv werden

Um Ihren Mund entzündungsfrei zu bekommen oder zu erhalten, ist tägliche Pflege unverzichtbar. Insbesondere die Zahnzwischenräume sind hier häufig das Problem. Sie brauchen daher unbedingt eine sogenannte Mundhygiene-Instruktion, was im Grunde ein Zahnputz-Workshop ist.
Wir nennen das “Aktivprophlyaxe”.

Ohne Anleitung sind wir nicht in der Lage unser Gebiss richtig zu pflegen. Bei einer Studie aus Schweden schaffte es kein einziger von 22 Probanden. Bei der Kontrollgruppe die eine Mundhygiene-Instruktion bekam, haben hingegen alle 22 ihre Mundgesundheit verbessern können. Ein eindrucksvolles Ergebnis.

Es lohnt sich auf jeden Fall. Selbst wenn Ihre Blutgefäße glatt wie ein Baby Popo sind. Denn die Erreger der Parodontitis (wie zum Beispiel Porphyromonas Gingivalis) finden sich im ganzen Körper wieder. Das ist nicht nur schlecht für unsere Blutgefäße, sondern kann auch viele andere schwerwiegende Gesundheitsprobleme verursachen. Und nicht zuletzt: Mit der richtigen Pflege können Sie Ihre Zähne ein Leben lang behalten. Dazu brauchen Sie eine Zahnarztpraxis die konsequent präventiv arbeitet.

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