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ZahnimplantateDie 10 größten Irrtümer über Implantate

zuletzt aktualisiert am 11. September 2020 von Ankerzahn Redaktion

Implantate – es ist das Zauberwort in der Zahnheilkunde. Um Implantate ranken sich viele Mythen. Ob Implantate halten, was sie versprechen, erfahren Sie hier. Mein Name ist Dr. Volker Storcks, ich beschäftige mich seit über 20 Jahren mit Zahnimplantaten und berichte Ihnen hier, was Sie schon immer über Implantate wissen wollten.

Irrtum Nr. 1: Implantate halten ewig

Wenn sie erst einmal im Kieferknochen drin sind, sollen sie ewig halten. Das denken viele. Stimmt das? Nein. Implantate können zwar keine Karies bekommen, denn sie sind ja aus Metall. Rosten tun sie trotzdem nicht! Aber der Knochen, der das Implantat hält, kann sich entzünden, und mit diesem Phänomen müssen wir Zahnärzte uns in den nächsten Jahren mehr und mehr beschäftigen, weil sich immer mehr Menschen Zahnimplantate als Ersatz für verloren gegangene Zähne setzen lassen. Wir Zahnärzte erwarten eine Welle von Patienten, bei denen sich das Gewebe um das Implantat entzündet hat. 

Das Implantat selbst kann sich nicht entzünden, weil es kein Organ wie ein Zahn ist.

Das Gewebe um das Implantat ist aber deutlich anfälliger für eine Entzündung, weil ein Implantat keine Abwehrmechanismen hat. Der echte Zahn verfügt über einen komplizierten Zahnhalteapparat, der sich gegen so einige Entzündungen wehren kann bzw. nach einer Entzündung wieder abheilt. Solange das Zahnfleisch um ein Implantat nur etwas gerötet und geschwollen ist, kriegt man diese Entzündung auch noch gut in den Griff. Auslöser ist immer ein bakterieller Rasen auf der Implantatoberfläche, den müssen Sie täglich restlos entfernen. Ist diese Entzündung aber erst mal auf ein bis zwei Millimeter Tiefe bis zum Knochen vorgedrungen, wird es schwierig. Hier hat das Implantat, welches meistens eine Schraube ist, Windungen. Sind diese Windungen von einem Biofilm besetzt und hat der Kieferknochen schon mit Selbstauflösung reagiert, wird es schwierig, dieses Implantat zu retten.
Wenn das bei einem Zahn passiert (das nennt man Parodontitis), kann man den Zahn reinigen und das Gewebe lagert sich wieder an den Zahn an – wenn auch etwas weniger. 

Bei einem Zahnimplantat heißt das Periimplantitis und die kriegen wir nur schwer zum Stoppen.
Wenn das nicht gelingt, muss das Implantat entfernt werden und es ist meistens sehr schwierig, an gleicher Stelle ein neues Implantat zu setzen, weil der Knochen fehlt.

Für Sie als Implantatträger bedeutet das: Lebenslange Kontrolle der Zähne und auch des Implantates, sehr intensive Mundhygiene und regelmäßige Prophylaxe sind die Voraussetzung, damit das Implantat lange hält.

Zähne 3D Modell
Bild von LionFive auf Pixabay

Irrtum Nr. 2: Implantate sind die besseren Zähne

Es gibt nichts besseres als unsere eigenen Zähne. Diese sind über den Zahnhalteapparat im Kiefer regelrecht aufgehängt und sorgen dafür, dass wir mit sehr viel Gefühl über die Rückmeldung von Rezeptoren Nahrung zerkleinern können. Zähne sind physiologisch also immer etwas beweglich. Implantate hingegen sind starr mit dem Kieferknochen verankert, wir sagen osseointegriert oder ankylosiert. Da spüren Sie nicht mehr viel. Auch hat das Implantat keinen Nerv und kann kein heiß oder kalt spüren. Es sollte also niemals leichtfertig ein Zahn für ein Implantat gezogen werden. Vielleicht kann der kranke Zahn ja doch noch mit einer guten Parodontosebehandlung, einer Wurzelbehandlung oder einer Krone gerettet werden? Fragen Sie Ihren Zahnarzt genau, bevor Sie sich einen Zahn ziehen lassen und sich für ein Implantat entscheiden.

Wenn der Zahn wirklich hoffnungslos verloren ist, kann ein Implantat ein wahrer Segen sein.

Gerade, wenn ein Backenzahn in einer sonst gesunden Zahnreihe verloren geht, ist das Implantat meist die beste Wahl. Die Alternative -eine Brücke- bedeutet, dass die zwei gesunden Nachbarzähne als Pfeilerzähne abgeschliffen werden müssten. Wer will sich schon zwei gesunde Zähne abschleifen lassen?

Im Frontzahnbereich sieht die Sache schon anders aus: Hier ein Implantat ästhetisch korrekt zu platzieren und eine ansprechende Krone auf das Implantat zu setzen, ist nicht ganz einfach. Nicht selten scheint das dunkle Implantat durch das Zahnfleisch durch. Oft wirken die Implantatkronen sehr lang, länger als die Nachbarzähne. Das sieht komisch aus. Eine bessere Alternative ist heute oft eine Adhäsivbrücke. Diese ist sogar in vielen Fällen eine Kassenleistung. Dafür wird nur ein Zahn minimal beschliffen und die Ergebnisse sind meist sehr gut.

Zahnimplantat Bestandteile Aufbau
Implantat-Bestandteile
Bildquelle: iStock

Irrtum Nr. 3: Implantate sind gesund!

…denn sie bestehen ja in der Regel aus Rein-Titan, welches doch ein Super Material ist.

Ja, das stimmt. Dennoch bleibt es ein Fremdkörper, wenn er auch nicht vom körpereigenen Immunsystem als fremd erkannt wird. Es wird als biokompatibel bezeichnet. Dafür ist die Titanoberfläche verantwortlich, die aus einem sehr stabilen Titanoxid besteht. Für Zahnimplantate ist nur Titan mit einem sehr hohen Reinheitsgrad (Grad 4) zugelassen. Dennoch geben auch diese Implantate Moleküle an ihre Umgebung ab, die Titanabriebpartikel. Diese können in die Blutbahn abgeschwemmt werden und auch lokale Gewebereaktionen hervorrufen. Ob es eine Titanallergie gibt, ist immer noch nicht abschließend geklärt. Das biokompatibelste Material ist und bleibt der eigene Zahn!

Irrtum Nr. 4: Implantate kann jeder kriegen – wenn er/sie es sich leisten kann!

Implantate sind leider nicht für jeden Patienten geeignet. Unbedingte Voraussetzung ist ein ausreichendes Implantatbett, also genug Kieferknochen. Das Implantat muss allseits von ausreichend Knochen umgeben sein. Wenn Sie zu wenig Knochen haben, und das ist nicht selten, wird es schwierig. Man kann Knochen künstlich aufbauen, aber das ist nur sehr begrenzt möglich. Dazu operativ aufwendig, langwierig und teuer. Wenn schon viel Knochen und damit viele Zähne durch Parodontitis verloren gegangen sind, müssen die Implantate ja sozusagen „eine Etage höher“ gesetzt werden. Weil die Bisshöhe bleibt, also der natürliche Abstand der Kauflächen von Ober- zu Unterkiefer zueinander, müssen die Zähne oft sehr lang gemacht werden. 

Weitere Voraussetzung für eine erfolgreiche Implantattherapie ist die Lebensführung: Möglichst nicht rauchen, eine gesunde Ernährung und eine gute Mundhygiene sind essentiell. Einige Erkrankungen schließen Implantationen jedoch aus sowie die Einnahme bestimmter Medikamente.

Irrtum Nr. 5: Ich bin doch viel zu alt für Implantate!

Das Alter spielt nur eine untergeordnete Rolle, viel wichtiger sind der allgemeine Gesundheitszustand und die Lebensführung. Es spricht nichts dagegen, auch hochbetagten Menschen Zahnimplantate einzupflanzen.

Sehr alte Menschen haben oft Totalprothesen, die auf dem Kieferkamm tanzen wie Schiffe in rauher See. Die Nahrungsaufnahme ist damit oft eine Qual. Für diese Patienten reichen schon zwei Implantate im Unterkiefer, um zumindest die untere Prothese fest zu verankern. Das bedeutet eine völlig neue Lebensqualität.

Deckprothese, Implantat
Eine Deckprothese dient dem Ersatz der Zähne eines Kiefers. Sie ist kombiniert aus einem herausnehmbaren und einem oder mehreren fest im Mund sitzenden Elementen. | Bild von Mudassar Iqbal auf Pixabay

Irrtum Nr. 6: Die Krankenkassen zahlen bei Implantatversorgungen nichts dazu!

Doch, das tun sie. Gerade bei kleinen Zahnlücken beteiligt sich die Krankenkasse an den Kosten für den Zahnersatz (Krone), aber nicht an den Kosten für das Implantat (Körper + Aufbau). Sie kriegen sogar den Festzuschuss wie für eine Brücke, wenn die Lücke durch eine Implantatkrone geschlossen wird. Und dieser Zuschuss ist recht hoch. Dazu sind viele Bürger mittlerweile zusatzversichert, so dass Implantate auch für Otto-Normalverbraucher erschwinglich geworden sind.

Irrtum Nr. 7:  Die Implantation ist ein Horror und das ganze Gesicht schwillt an!

Wer hört diese Gruselgeschichten nicht vom Nachbarn oder auf dem Kaffeeklatsch: Einer kennt einen, der wieder jemanden kennt, der ein Implantat bekommen hat: Alles habe sich entzündet, das Implantat sei rausgeeitert und am Ende hatte derjenige sogar eine Blutvergiftung! Ob das wirklich stimmt?

Implantationen sind heutzutage bei guter Planung und bei einem erfahrenen Chirurgen zu über 95% erfolgreich. Sicherlich kann es nach einer Implantation zu einer Schwellung kommen. Aber Sie hören vom Nachbarn und Kollegen meistens nur die Horrorstories und nicht die, bei denen alles gut verlief.  Und dies ist zu über 95% der Fall.

Irrtum Nr. 8: Keramikimplantate sind hip und das non-plus-ultra!

Keramik – viele nennen es auch das weiße Gold, das klingt sehr verheißungsvoll. 

Hält der Werkstoff, was er verspricht?

Es gibt mittlerweile auch Implantate aus Zirkonoxidkeramik. Diese scheinen gerade für sehr empfindliche Patienten eine gute Alternative zum Titanimplantat zu sein. Allerdings hat sich dieser Typ auf dem Markt noch nicht durchgesetzt. Die Erfahrungen mit Keramikimplantaten und klinische Studien sind noch zu gering, um sie uneingeschränkt für jeden Fall empfehlen zu können. Keramikimplantate sind zudem kostenintensiver.

Bei Zahnimplantaten aus Titan haben wir mittlerweile über 40 Jahre Erfahrungen, dieser Typ hat sich bewährt. Die Bewährungsprobe über viele Jahre steht für Keramikimplantate noch aus.

Das Titanimplantat ist also noch kein alter Hut!

Irrtum Nr. 9: Kaputten Zahn raus, Implantat mit Krone rein an einem Tag, geht das?

Ganz mutige Zahnärzte machen das, alles an einem Tag. Der Regelfall ist das aber nicht.

Damit die Implantatbehandlung funktioniert, braucht es eine vertrauensvolle, meist langjährige Zahnarzt-Patient-Beziehung. Die Vorbehandlung muss erfolgt sein, sämtliche Reizfaktoren aus dem Gebiss beseitigt und die Mundhygiene muss gut sein. Im Oberkiefer sollten die Zahnimplantate sechs Monate und im Unterkiefer drei Monate eingewachsen sein, bevor die Implantate mit Zahnersatz belastet werden sollten. Von dieser Regel gibt es immer Ausnahmen, die patientenindividuell sind. 

Wenn ein Zahn gezogen werden muss, wartet man in der Regel mehrere Wochen ab, bevor man implantiert. Einige Chirurgen favorisieren die Sofortimplantation, das bedeutet, dass das Implantat zeitgleich mit der Zahnentfernung gesetzt wird. Dadurch soll verhindert werden, dass der Kieferknochen an der Stelle verschwindet. 

Wenn man nach der Zahnentfernung zu lange mit der Implantation wartet, kann es sein, dass an dieser Stelle der Kieferkamm so spitz und schmal wird, dass Implantieren unmöglich wird.

Irrtum Nr. 10: Das Zahnimplantat lässt die Detektoren am Flughafen check-in piepen

Nein – das passiert zum Glück nicht!  

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