lebenslang gesunde Zähne

Warum ist Ihr Zahnarztfast so wichtig wie Ihr Ehepartner

zuletzt aktualisiert am 22. Februar 2021 von Ankerzahn Redaktion

Wir vertrauen unserem Zahnarzt. Logisch, was bleibt uns anderes übrig? Schließlich hat er die Hoheit über Zähne, Schmerzen und vor allem das Beseitigen von Schmerzen in unserem Mund. Zudem haben wir ohnehin keine Ahnung, was sich in den Tiefen unseres Gebisses so abspielt. Wir können scheinbar gar nicht anders als unserem Zahnarzt zu vertrauen. Und dennoch gibt es gute Gründe skeptisch zu sein, denn die Mehrheit der Zahnärzte ist immer noch auf die traditionelle Reparaturmedizin eingestellt und nicht darauf, wie wir unsere Zähne ein Leben lang gesund halten.

Tatsächlich ist es durchaus möglich, lebenslang gesunde Zähne zu behalten, dazu braucht es allerdings die Unterstützung der richtigen Zahnarztpraxis. Unsere Lebenswirklichkeit sieht allerdings ganz anders aus. Im Durchschnitt fallen uns immer noch die Hälfte der Zähne aus. Allein mit Zahnimplantaten wurden in Deutschland 2016 etwa 7,1 Milliarden Euro umgesetzt. Insgesamt haben allein die gesetzlichen Krankenkassen 2018 14,5 Milliarden für Behandlungen gezahlt. 96,1% davon für die Reparatur kaputter Zähne. Insgesamt hat die Zahnmedizin 2018 gut 27,3 Milliarden Euro gekostet. 1
In deutschen Mündern ist die Baustellentätigkeit ausgeprägter als auf unseren Autobahnen. “Na und?!” könnte man jetzt fragen. “Es ist gut für die Wirtschaft und Dank der modernen Zahnmedizin werden doch alle Schäden wieder repariert.” Leider nicht.
Es geht nämlich nicht nur allein um unsere Zähne, es geht auch um unseren Kieferknochen, und um den restlichen Körper. Die Mehrheit der Bevölkerung läuft mit einer stillen, versteckten Entzündung herum. Es handelt sich dabei um die (mit Abstand) größte Volkskrankheit in Deutschland:

Die Parodontitis (auch Parodontose genannt).
Diese chronische Entzündung ist

1.       Viel weiter verbreitet als gedacht

Keine Krankheit ist so weit verbreitet. Ab einem Alter von 35 Jahren sind schon 52% betroffen, und bei den über 75-jährigen sind es dann 90%. 2
Da Parodontitis praktisch jeder bekommt, dachte man früher es müsste eine natürliche Alterserscheinung sein. Das klingt dann irgendwie harmlos und gleichzeitig unvermeidbar. Beides ist falsch.

Keine Krankheit ist auch nur annähernd so weit verbreitet wie Parodontitis.

2.       Viel schlimmer als gedacht

Keine Parodontitis
So sieht ein gesunder Kieferknochen aus
Parodontose
So sieht Parodontitis aus und dennoch bemerken wir es nicht.

Parodontitis ist nicht einfach eine Zahnfleischentzündung oder Zahnfleischrückgang. Es ist eine Entzündung des Zahnhalteapparates, und damit vor allem eine Entzündung des Kieferknochens. Das klingt unglaublich, ist aber wahr: Die Mehrheit der Bevölkerung läuft über einen Zeitraum von 40 bis 60 Jahren mit einem entzündeten Kieferknochen herum.
Irgendwann ist der Kieferknochen durch die Entzündung so weit abgebaut, dass uns die Zähne ausfallen. Sie haben einfach keinen Halt mehr, weil der Zahnhalteapparat weggefressen wurde. Aus diesem Grund ist Zahnausfall immer noch ein Massenphänomen. Wir verlieren kollektiv unsere Zähne und eine gute Handvoll unseres Kieferknochens. Das allein wäre schon Grund genug etwas dagegen zu unternehmen. Es kommt aber noch schlimmer: Parodontitis ist nachweisbar schädlich für den ganzen Körper. Durch die chronische Knochenentzündung haben wir ständig Bakterien im Blut und sogar im Gehirn, die dort auf keinen Fall hingehören. Diese stille Entzündung im Körper kann gravierende Auswirkungen haben. Es gibt mittlerweile hunderte Studien, die das bestätigen .3

Und die Mehrheit der Bevölkerung läuft damit herum, ohne davon zu wissen.

3.   Viel leichter zu stoppen als gedacht

Das Verblüffende an dieser unbefriedigenden Situation ist, dass diese Volkskrankheit relativ einfach zu stoppen wäre (Vorausgesetzt, sie ist nicht zu weit fortgeschritten).
Anders als die anderen großen Volkskrankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck, Arteriosklerose oder “Rücken”, ist die Parodontitis erstaunlich leicht in den Griff zu bekommen oder lebenslang zu vermeiden. Voraussetzung dafür ist allerdings eine Zahnarztpraxis, die Sie dabei unterstützt. Eine Präventiv-Praxis. Damit werden Sie nicht nur Ihre Parodontitis los, bzw. bekommen sie erst gar nicht, sondern können auch sonst mundgesund und voll bezahnt durch Ihr ganzes Leben gehen.

Mein Zahnarzt ist vertrauenswürdig

Jetzt denken Sie: “Wenn ich Parodontitis hätte, würde mir mein Zahnarzt das sagen, schließlich ist es eine Entzündung des Kieferknochens.”’
Die Abrechnungsdaten der Kassen zeigen, dass dem nicht unbedingt so sein muss. Um herauszufinden, ob Sie betroffen sind oder nicht, gibt es eine offizielle Diagnose (Periodontal Screening Index, kurz: PSI)
2019 wurde diese Untersuchung 17,3 Millionen mal abgerechnet. Das wären rechnerisch ca. 27% der Bevölkerung ab 25 Jahren. Das ist viel zu wenig, diese wichtige Kontrolle sollte zweimal pro Jahr für jede Person ab 25 Jahren stattfinden.4
Es ist daher tatsächlich so, dass Millionen Menschen in Deutschland mit einer stillen Entzündung im Kieferknochen herumlaufen, ohne das Geringste davon zu wissen.
Das ist schon ärgerlich, vor allem wenn man weiß, dass die Diagnose von Parodontitis nur wenige Minuten dauert, mit einer einfachen Sonde durchgeführt werden und von den Zahnärzten als Kassenleistung abgerechnet werden kann. Qualifizierte Präventiv-Zahnärztinnen oder Dentalhygienikerinnen machen das routinemäßig und schnell.

Ihrem Zahnarzt ist dennoch kein Vorwurf zu machen. Das Problem liegt im System Reparaturmedizin. Denn eine Diagnose allein bringt natürlich noch gar nichts.

Nur jeder Zehnte mit einer schweren Parodontitis (Parodontose) bekommt auch eine Behandlung

Nach der letzten Mundgesundheitsstudie gibt es ca. 10 Millionen Menschen mit einer schweren Parodontitis. Eine schwere Parodontitis heißt für die Betroffenen, dass die über Jahrzehnte unbemerkte Krankheit spürbar wird. Es kommt zu Schmerzen, Zahnfleischbluten und im Endstadium zu Wackelzähnen. Da muss dann der Zahnarzt aktiv werden, er muss die Krankheit behandeln, also eine Parodontitis-Behandlung durchführen. Auch diese wird von den Kassen bezahlt. Wenn man sich die Abrechnungen ansieht, wurden im Jahr 2018 eine Million Behandlungen durchgeführt. 5 Eine Million Behandlungen, obwohl 10 Millionen eine schwere Parodontitis haben? Es wurde also nur jeder Zehnte behandelt. Und Menschen mit einer leichten und mittelschweren Parodontitis sollten selbstverständlich auch behandelt werden.Die erste Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie DGParo bestätigt:

„Parodontitis ist eine Volkskrankheit, die noch immer viel zu selten oder zu spät erkannt und behandelt wird.“  – Prof. Dannewitz

Hier das ganze Interview: https://www.healthrelations.de/dg-paro-parodontitis-aufklaerungsaktion/

Es besteht offensichtlich ein großes Versagen der Zahnmedizin. Wie kann das sein? Wie ist das zu erklären? Es wäre hier viel zu einfach und auch falsch, den Zahnärzten unterlassene Hilfeleistung zu unterstellen. Der Grund ist wie gesagt das System Reparaturmedizin.
In der Ausbildung wird das Behandeln gelehrt, entsprechend wollen die Zahnärzte auch behandeln. Die Prävention, also das Verhindern von Krankheiten, wird nur oberflächlich und nebenbei gelehrt. Das ist auch bei den “normalen” Medizinern nicht anders. Es ist ganz einfach eine jahrtausend alte Tradition in der Medizin.
Die Parodontitis galt lange als unheilbar oder gar als normale Alterserscheinung. Entsprechend wenig Beachtung erfährt die Prävention und auch die Behandlung wird kritisch gesehen. Viele Zahnärzte geben im persönlichen Gespräch zu: “Mit Parodontologie habe ich nicht viel am Hut”. Parodontologie ist die Wissenschaft, die sich mit Parodontitis beschäftigt. Neben Karies ist es die Haupterkrankung der Zähne.
Es ist so, als ob würde ein Klempner sagen: “Ich mache nur Wasserhähne, aber keine Rohre”  – Würden Sie so jemand in Ihr Bad lassen? 
Doch selbst wenn jemand Parodontologie beherrscht, ist es wichtig zu wissen: 

Eine Parodontitis-Behandlung ist zwar enorm wichtig und daher die Voraussetzung zur Heilung, mehr aber auch nicht.

Um die Krankheit dauerhaft zu stoppen oder erst gar nicht zu bekommen, braucht es die präventive Zahnmedizin. Die gibt es zwar, aber sie führt ein Schattendasein, denn zu 95% wird Reparaturmedizin praktiziert.
Aus diesem Grund können wir den Zahnärzten auch nicht unterlassene Hilfeleistung unterstellen, sie haben einfach nie gelernt, wie wir uns ein Leben lang die Parodontitis vom Hals halten (oder besser aus dem Mund halten) können bzw., wie wir ein Leben lang zahn- und mundgesund bleiben.

System Reparaturmedizin

Das System der Zahnmedizin ist weitestgehend auf das Behandeln von Krankheiten ausgelegt und nicht auf deren Vermeidung. Vor allem in der Ausbildung der Zahnärzte zeigt sich das deutlich.

https://lh4.googleusercontent.com/M48AhyNSFxkdQwX14NQ6fMDPi-WcGDxQvW-0wIjSkZ16_sQzMjXPZlZtPkiPsbe5zIgI_EM5ieuZG4jz20VT1lv_P192bOreuDvguDzz3ELRlvBSw4HYpuNcvTfkXuqjH1_g-_4x

Prophylaxe (Prävention) kommt fast gar nicht vor.
Aber auch in der Forschung wird die präventive Zahnheilkunde nicht entsprechend ihrer tatsächlichen Relevanz betrieben.“Die Forschung bringt so gut wie keine neuen Erkenntnisse übers richtige Zähneputzen. Damit setzt sich die Forschung, die mir bekannt ist, überhaupt nicht auseinander. Die beschäftigt sich mit allem Möglichen: Mit Füllungsmaterialien, mit Implantaten, mit Keramiken et cetera. Zum Thema „richtiges Zähneputzen“ ist mir aus letzter Zeit keine Publikation bekannt, die sich damit intensiv auseinandergesetzt hätte. Die Prophylaxe ist ein Stiefkind der real existierenden Zahnmedizin, mehr kann ich dazu nicht sagen. Man soll eher Zahnärzte suchen, die es mit der Prophylaxe ernst meinen und die wissen, dass die Erhaltung der Gesundheit ihre oberste Aufgabe ist, nicht die Reparatur.”  – Jiri Sedelmayer

Es gibt schlichtweg in Deutschland keinen  offiziellen Leitfaden zur optimalen Zahnpflege und auch die Fachbücher sind hoffnungslos rückständig. So steht in der “Zahnmedizin Prophylaxe, Lehrbuch und Praxisleitfaden” auf Seite 208:
“Das wichtigste Hilfsmittel zur interdentalen Zahnpflege ist ohne Zweifel die Zahnseide” Allein dieser Satz spricht Bände, denn die aktuelle 5. Auflage des Lehrbuches stammt aus dem Jahr 2017, da war lange schon klar, dass Zahnseide fast gar nichts bringt und nur verwendet werden soll, wenn Interdentalbürsten wirklich gar nicht passen.
Der Schweizer Zahnmediziner Prof. Roulet hat es bereits 1994 passend auf den Punkt gebracht hat

“Es ist, als ob sämtliche Ressourcen anstatt in die Entwicklung eines Impfstoffes gegen Kinderlähmung, in die Entwicklung perfektionierter Rollstühle gehen.”

Das Paradoxe an der Situation ist: Wir sind auch noch dankbar für die perfektionierten Rollstühle, da wir nichts von einem Impfstoff wissen. Die Reparaturmedizin genießt (noch immer) hohes Ansehen.
Denn die Achtung von Ärzten steigt, wenn sie unsere Schmerzen beseitigen und Krankheiten heilen. Die beliebtesten Zahnärzte sind daher auch die, die eine konsequente Reparaturmedizin betreiben. Ständig sorgen sie dafür, dass unser Gebiss wieder in Ordnung gebracht wird, nehmen uns schreckliche Schmerzen und sorgen für ein strahlendes Lächeln.
Anders die Präventiv-Zahnärzte. Viele ihrer Patienten haben gesunde Zähne und keine Beschwerden. Sie verstehen oft nicht, dass es an der Zahnarztpraxis liegt. Das ist da „Präventiv-Paradoxon“. Die Patienten denken, sie haben von Natur aus gute Zähne.
Denn in der Bevölkerung gilt es als ausgemacht, dass die Zähne mit dem Alter schlechter werden oder ausfallen. Ganz normal, das war schon immer so. Oder was denken Sie?
Daher haben 16,5 Millionen Deutsche eine Zahnzusatzversicherung.
Sie können Ihrem Zahnarzt also keinen Vorwurf machen. Sie selbst stützen das System ja auch. Die Reparaturmedizin ist stabil und ändert sich daher auch nicht. Es scheint so, als ob alle profitieren. Warum sollten wir auch ein funktionierendes System ändern, wenn es doch ein großer Wirtschaftsfaktor ist? Ganz einfach: Es geht um unsere Gesundheit. Der einzige Weg von der Reparaturmedizin wegzukommen ist daher die Aufklärung.

Biofilm – Die Ursache für die Schäden

Es gibt nur zwei Krankheiten, die unsere Zähne und Kieferknochen bedrohen: Karies und Parodontitis. Karies bedroht die Zähne, Parodontitis den Kieferknochen, und damit den Zahnhalteapparat. Das ist schon alles, die Krankheiten der Zähne (und Kieferknochen) sind erstaunlich übersichtlich. Ohne diese beiden Krankheiten bleiben unsere Zähne ein Leben lang gesund. (Wenn wir von Unfällen, extremen Zähneknirschen, seltenen Erkrankungen oder kieferanatomischen Problemen absehen.)
Beide Erkrankungen werden durch Bakterien verursacht, genauer gesagt durch Bakterienkolonien auch Plaque, Zahnbelag oder Biofilm genannt.  Mittlerweile wird eher der Begriff Biofilm verwandt. In den 1960er Jahren wurde entdeckt, dass Parodontitis, damals noch Parodontose genannt, in Wirklichkeit Entzündungsreaktionen sind, die von diesem Biofilm ausgelöst werden.
Daher gilt: Kein Biofilm, keine kranken Zähne. Dies ist bis heute tausendfach belegt und eindeutig bewiesen.

Der Biofilm muss weg, und zwar täglich

Lebenslang gesunde Zähne und vor allem ein lebenslänglich entzündungsfreier Kieferknochen sind möglich. Alles was wir tun müssen ist einmal täglich unseren Biofilm zu entfernen. Es reicht sogar, wenn er ausreichend reduziert wird. Und richtig gelesen, einmal täglich reicht. “Das ist wie bei einem englischen Rasen, wenn der regelmäßig gemäht wird, dann wächst auch kein Unkraut mehr” – Prof. Dörfer, CAU Kiel, Studiendekan Zahnmedizin
Doch das scheint irgendwie nicht zu funktionieren, denn durch einfaches Zähneputzen und dem Einsatz von Zahnseide gelingt uns das nicht. Da, wo die Zahnbürste problemlos hinkommt, ist ohnehin fast kein Biofilm. Dort wirkt bereits die Selbstreinigung unseres Mundes. Stattdessen schrubben wir mit falscher Putztechnik unsere Zahnhälse schlank und schneiden mit der Zahnseide in unser Zahnfleisch. 6 „Putzdefekte“ heißt das offiziell und die hat fast jeder.
Empfindliche Zähne sind die Folge und der Biofilm bleibt unangetastet und aktiv zurück. Denn der versteckt sich in den unzugänglichen Nischen, Wölbungen und Fissuren unseres Gebisses und zu 90% zwischen unseren Zähnen, dort gibt es keine Selbstreinigung.

Zahnzwischenraumpflege ist kein nettes Extra, sondern die Basis der Zahnpflege. Das ist wissenschaftlich lange klar, wird aber nicht offiziell gesagt .

Immerhin, die Fissuren-Versiegelung ist mittlerweile üblich und hat ganz maßgeblich zum Rückgang von Karies geführt. Natürlich hat sich schon einiges getan. Interdentalbürsten, auch Zahnzwischenraumbürsten genannt, sind weit verbreitet. Das Problem ist allerdings, dass der Nutzen der Interdentalbürsten sehr gering ist. Denn damit der Biofilm beseitigt wird, muss die Zwischenraumbürste genau passen. Seriöse Hersteller haben daher auch mindestens 8 verschiedene Bürstengrößen im Programm. Die richtigen Größen kann niemand alleine herausfinden. Auch nicht in einer einzigen Sitzung beim Zahnarzt und schon gar nicht nebenbei.
Es ist ein Prozess und am Ende hat man mindestens zwei, eher aber drei oder auch vier verschiedene Bürstengrößen, die in die eigenen Zahnzwischenräume perfekt passen.
Auch die Anwendung will gelernt sein, genauso wie die Pflege der Außenflächen. Das Ziel ist, den Biofilm einmal täglich gründlich zu entfernen, ohne sich selbst Putzdefekte zuzufügen. Dazu brauchen wir regelmäßige Unterstützung, dazu brauchen wir eine Schulung. Wir nennen das Aktiv-Prophylaxe, offiziell heißt das Mundhygiene-Instruktion oder Individualprophylaxe.

Präventive Zahnmedizin

Bereits 1971, also vor 50 Jahren, ahnte man schon, wie wir unsere Zähne (und Kieferknochen) ein Leben lang gesund erhalten können.
Genauer gesagt waren es Prof. Axelsson und Prof. Lindhe aus Göteborg, die es in einem großem Experiment herausfinden wollten. 7
Also rekrutierte Axelsson über 550 Probanden, wovon 375 intensiv betreut wurden und die anderen einfach nur zum Zähneputzen aufgefordert wurden (mit dem üblichen Hinweis, die Zahnzwischenräume nicht zu vergessen). Mit den anderen 375 Probanden hat er dann eine regelmäßige Mundhygiene-Schulung durchgeführt. Während der ersten zwei Jahre erfolgten alle zwei Monate, danach nach individuellem Bedarf alle drei oder sechs Monate, zusätzliche “Zahnputz-Workshops” mit anschließender Professioneller Zahnreinigung.
Diese Sitzungen wurden von Dentalhygienikerinnen durchgeführt, die speziell dafür ausgebildet waren. Das Ziel war, dass die Teilnehmer in die Lage versetzt wurden, einmal täglich ihren Biofilm zu beseitigen. Zu Beginn der Studie hatten 27 Prozent der Teilnehmer eine Parodontitis. Dieser Wert hätte jetzt erwartungsgemäß über die Jahre kontinuierlich ansteigen müssen. Nicht so bei diesen geschulten Patienten. Nach 30 Jahren hatte nur noch 1% der Patienten eine Parodontitis. Der zu erwartende Wert wäre 90% Parodontitis gewesen. Entsprechend gab es auch fast keinen Zahnverlust bei der geschulten Gruppe. 
Eindrucksvoll bei der Studie war auch, dass fast alle Teilnehmer 30 Jahre mitgemacht haben. Das liegt eben daran, dass diese Methode praktikabel ist und die tägliche Zahnreinigung gar nicht so aufwändig ist, wie es zuerst wirkt.
Es reichen bereits einmal täglich 4 bis 6 Minuten, wenn man weiß wie es geht und die richtigen individuellen Werkzeuge hat.
Vor Axelssons Studie galt Parodontitis eher als unheilbar. Der alte Name Parodontose beschreibt einen altersbedingten Rückgang des Parodonts (Kieferknochen), weil man bis dahin davon ausging, dass Zähne im Alter einfach ausfallen.
Aber diese Zeiten sind lange vorbei. Es ist klar erwiesen, dass (fast) jeder komplett mundgesund sein kann.

Nicht am eigenen Ast sägen

Die Studie von Axelsson endete 2004. Nun war bewiesen, dass lebenslang gesunde Zähne möglich sind. Das ist eine Bedrohung für die Zahnmedizin, lebt sie doch von der Reparatur, Was ist also zu tun? 
Schritt 1: Axelsson´s Studie ist bis heute offiziell nicht anerkannt. Die Kontrollgruppe, also die Menschen die keine Mundhygiene-Schulung bekommen haben, konnten nach 30 Jahren nicht mehr ermittelt werden. Eine Studie ohne (bekannte) Kontrollgruppe ist verständlicherweise keine echte Studie. In diesem speziellen Fall hätte man als “Kontrollgruppe” die normale Bevölkerung nehmen können.
Dennoch war nun der Geist aus der Flasche, es musste etwas passieren, aber was?
Schritt 2: Aus der Not wird eine Tugend gemacht – die Professionelle Zahnreinigung war geboren.

Perfekt perfide: Die Professionelle Zahnreinigung 

Da nun erwiesen war, dass wir durch Prophylaxe lebenslang gesunde Zähne behalten können, bietet man eben diese an. Daher sollen wir möglichst zweimal im Jahr zur Professionellen Zahnreinigung gehen. Dort wird dann nach allen Regeln der Kunst unser Gebiss auf Hochglanz gebracht. So sind wir angeblich gut geschützt und haben alles unternommen, um zahngesund zu bleiben.
Leider eine Milchmädchenrechnung. Denn nach 24 Stunden ist der Biofilm wieder da. Bislang konnte noch keine Studie den Nutzen der (passiven) Professionellen Zahnreinigung zeigen. Es bleibt nur der kosmetische Effekt, immerhin sehen die Zähne weißer aus. 9
Das ist die perfide Perfektion des Systems Reparaturmedizin.
Es wird nochmals richtig abkassiert, für eine Pseudo-Prophylaxe und damit ist scheinbar bewiesen: Schlechte Zähne sind nicht zu verhindern.

Dabei kann die Professionelle Zahnreinigung durchaus sinnvoll sein. Sie ist bestens zur Kontrolle und Motivation der täglichen und wirksamen Mundhygiene geeignet.

Zahngesundheit ist möglich, es ist empirisch belegt

Es gab und gibt natürlich verantwortungsvolle Zahnmediziner, die nicht so weiter machen wollten wiebisher. Immerhin hat Axelsson auch zahlreiche Fortbildungen durchgeführt und eine Reihe von Zahnärzten von seinem funktionierenden Prophylaxesystem überzeugen können.
Besonders hervorgetan hat sich der aus Tschechien stammende Zahnmediziner Jiri Sedelmayer. Er entwickelte die Methode von Axelsson an der Uni Hamburg weiter. Er demonstrierte an seinen Studenten, wie Präventiv-Zahnmedizin aussieht. Er etablierte die Bleeding on Brushing- Methode (Bluten beim Bürsten). Eine ganz hervorragende Möglichkeit den Menschen ihre Zahnfleischentzündung zu demonstrieren und auch den Erfolg des Zähneputzens. Weiterhin zeigte er, dass die sogenannte Einbüschelbürste oder Solo Bürste im Grunde viel besser funktioniert als eine übliche Zahnbürste.
Dem Beispiel Axelsson und Sedelmayer´s folgten einige Zahnärzte und konnten schon nach kurzer Zeit feststellen, dass es funktioniert. So hat zum Beispiel eine Zahnarztpraxis aus Hamburg eine Studie mit der Universität Greifswald durchgeführt, mit eindrucksvollen Ergebnissen:

Genau wie bei Prof. Axelsson hat von den Patienten dieser Praxis kaum jemand seine Zähne verloren, im Durchschnitt waren es nur zwei Zähne. 1998 hat der Durchschnittsdeutsche noch ganze 24 Zähne verloren. Ein äußerst eindrucksvolles Ergebnis. Auch Berechnungen, die der Schweizer Parodontologe Andrea Mombelli 2006 gemacht hat, gehen in diese Richtung. Die relative Wahrscheinlichkeit, die eigenen Zähne zu behalten, ist für Patienten 2,8-mal höher, wenn sie sich in  einer Präventiv-Zahnarztpraxis behandeln lassen.
Auch eine Studie von Dr. Bastendorf und Kollegen, zeigt dass es möglich ist. 8

Insgesamt gibt es in Deutschland und überall auf der Welt Zahnarztpraxen, die auf der Basis von Axelsson, Lindhe und Sedelmayer arbeiten. Leider sind sie als solche nicht immer zu erkennen, es sei denn, sie gehören einer Marke an wie z.B. Solo Prophylaxe, iTOP oder Smile Professionals. Alle drei gehen direkt auf Axelsson und Sedelmayer zurück.  Daneben aber auch zahlreiche, die keinem Verband angehören. Damit wurde zigtausend mal gezeigt:

Ja, wir können (fast) alle lebenslang gesunde Zähne haben. Es ist gar nicht mal so schwer, dazu brauchen wir aber die richtige Zahnarztpraxis. Das ist empirisch (in der Realität) belegt.

Am Ende ist in der Medizin immer entscheidend, ob ein System auch in der Praxis funktioniert.Auch wenn wissenschaftliche Studien vielversprechend sind, der endgültige Beweis ist immer die Realität der Menschen. Das ist die empirische Evidenz, es funktioniert zuverlässig in der Realität. Die präventive Zahnmedizin zeigt seit 50 Jahren, dass es funktioniert.
2020 arbeiten allerhöchstens 5% aller Zahnarztpraxen in Deutschland auf der Grundlage von Axelssons Erkenntnissen, das ist natürlich viel zu wenig.
Wenn es doch so einfach ist ein Leben lang gesunde Zähne zu haben, dann kann ich doch meinen Zahnarzt bitten mir so eine MundhygieneSchulung (Aktiv Prophylaxe) zu geben.Ganz so einfach ist es leider nicht.
Selbst wenn die Zahnärzte und Prophylaxe-Fachkräfte auf präventive Zahnmedizin umsteigen wollen, können sie es gar nicht so leicht. Denn wie gesagt: Während der Ausbildung wird es unzureichend oder gar nicht gelehrt.

Im Kern heißt das: Wie wir richtig und wirksam unsere Zähne putzen ist leider nicht allen Zahnärzten klar.

Wie machen es dann die bestehenden Präventiv-Praxen? Sie haben auf eigene Kosten für viele tausend Euro Fortbildungen absolviert. Oder sie haben eher zufällig beim Studium einen Professor oder Dozenten gehabt, der es ihnen beigebracht hat. Schließlich hatte z. B. Jiri Sedelmayer tausende Studenten ausgebildet und auch Axelssons selbst hat während seines Lebens hunderte Fortbildungen durchgeführt.

Nur wenige Zahnarztpraxen sind für echte Prävention ausgebildet

Das erklärt, warum die Parodontitis-Behandlung so oft nicht durchgeführt wird. Auf der einen Seite ist diese Behandlung sehr wichtig, damit wird die Voraussetzung zur Heilung geschaffen. Auf der anderen Seite nutzt das alles nichts, wenn die Patienten nicht lebenslang einmal täglich wirksam den Biofilm selbst beseitigen. Und das funktioniert eben nur mit einer Aktiv-Prophylaxe.

Sie brauchen eine Präventiv-Zahnarztpraxis

Wenn Ihnen Ihre Gesundheit wichtig ist, dann schauen Sie bei uns in der Präventiv-Praxissuche. Bestimmt befindet sich eine Praxis in Ihrer Nähe. Sie müssen nicht gleich den Zahnarzt wechseln, holen Sie sich einfach eine Zweitmeinung.
Jeder, der bislang keine echte Mundhygiene-Schulung (Aktiv-Prophylaxe) erhalten hat, wird entzündetes Zahnfleisch zwischen den Backenzähnen haben. Ob Sie Parodontitis haben, hängt in erste Linien von Ihrem Lebensalter und Ihren bisherigen Zahnputzgewohnheiten ab. Das wird Ihnen gezeigt, das können wir für die Präventiv-Praxen in unserer Suche garantieren.

Literatur:

  1. KZBV Jahrbuch 

2. Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie (2016)
Deutscher Zahnärzte Verlag

3. https://www.dzw.de/p-gingivalis-ein-keim-mit-systemischer-wirkung

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7353850/

https://www.focus.de/gesundheit/news/porphyromonas-gingivalis-alzheimer-diabetes-herzinfarkt-bakterium-soll-schuld-an-volkskrankheiten-haben_id_11047398.html

4. KZBV Jahrbuch 2019

5. https://www.youtube.com/watch?v=sl-Ml3F4u4o&t=1s

KZBV Jahrbuch 2019

6. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28222156/
Toothbrush abrasivity in a long-term simulation on human dentin depends on brushing mode and bristle arrangement

 7.  Ralf Petersen, Ruth Steinbach – Solo Prophylaxe 2005

8. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15312097/
The long-term effect of a plaque control program on tooth mortality, caries and periodontal disease in adults. Results after 30 years of maintenance P Axelsson 1, B Nyström, J Lindhe

9. Dreißig Jahre zahnärztliche Praxisprophylaxe in Deutschland am Beispiel einer spezialisierten Prophylaxepraxis – Bastendorf

10. https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD004625.pub5/full

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