Parodontitis/ Parodontose behandeln Eine Krankheit, die nur Sie selbst heilen können

Parodontitis (Parodontose) beginnt immer mit einer Zahnfleischentzündung. Häufig wird das aber nicht bemerkt, vor allem Menschen, die sich vorbildlich die Zähne putzen, leiden auch nicht an Zahnfleischbluten. Das ist fatal, denn die Parodontitis ist eine ernste Erkrankung, eine Kieferknochenentzündung.
Diese Krankheit ist heilbar, und dennoch ist jeder zweite Erwachsene erkrankt, bei den Senioren sogar drei Viertel.  Keine andere Krankheit ist so weit verbreitet. Deutschland hat einen “entzündeten Kieferknochen“.

Wie kann das sein?

Das liegt dran, dass eine Parodontosebehandlung beim Zahnarzt diese Krankheit nicht heilen kann. Selbst wenn Sie jedes Jahr eine Behandlung machen, und 4-mal im Jahr zur Professionellen Zahnreinigung gehen, werden Sie die Krankheit nicht los. Sie bremsen den Verlauf ab, das ist alles.

Es gibt nur einen Weg die Parodontitis loszuwerden:
Sie selbst müssen täglich etwas tun, nicht viel, dafür aber richtig. Sie selbst sind der entscheidende Teil der Parodontosebehandlung.


"Es ist wie bei einem englischen Rasen, wenn Sie den täglich mähen, wächst auch kein Unkraut mehr.“

Prof. Dr. Christoph Dörfer

Nur die tägliche und wirksame Mundhygiene heilt die Parodontitis (Parodontose).
Wie das geht?  Sie brauchen dazu Unterstützung. Hilfe zur Selbsthilfe. Sie brauchen die richtige Zahnarztpraxis.


„Die relative Wahrscheinlichkeit, die eigenen Zähne zu behalten, ist für Patienten 2,8-mal höher, wenn Sie eine Zahnarztpraxis aufsuchen, die konsequent zahnerhaltend orientiert ist.“

Berechnung der Schweizer Parodontologin Andrea Mombelli

Die Zahnarztpraxis ist entscheidend

Genauer gesagt: Sie brauchen eine Prophylaxe-Fachkraft oder Dentalhygienikerin, die Ihnen beibringt, wie Sie Ihre Zähne täglich pflegen. Das klingt zunächst komisch, denn Zähneputzen lernen wir ja bereits im Kindergarten. Hier geht es aber weniger um das übliche Zähneputzen, sondern vor allem um die Zahnzwischenräume. Auch wenn Sie morgens und abends vorbildlich 3 Minuten mit der neuesten Schallzahnbürste putzen, und noch eine Mundspüllösung verwenden: Sie kriegen maximal zwei Drittel des Gebisses sauber, das letzte Drittel ist das dreckige Drittel: der Zahnzwischenraum.

Der Zahnzwischenraum - Das dreckige Drittel

Vor allem die Backenzähne bieten den Bakterien ein gut geschütztes Biotop. Ein Paradies für Zahnbelag, auch Plaque genannt, was nichts anderes ist als eine Bakterienkolonie. Diese Kolonie verursacht zunächst eine Zahnfleischentzündung, und später dann eine Parodontitis.

Vom gut geschützten Zahnzwischenraum aus startet die Parodontose ihre verhängnisvolle Invasion in den Kieferknochen.

Der Schlüssel, um die Parodontitis dauerhaft zu stoppen, ist ein täglich gepflegter Zahnzwischenraum. Dieses dreckige Drittel in unserem Mund muss einmal täglich richtig gereinigt werden, ganz genauso wie die anderen zwei Drittel. Denn Plaque bildet sich bereits nach 24 Stunden wieder neu.

Das dauert gerade mal eine Minute am Tag, zusätzlich zum üblichen Zähneputzen.
Aber das müssen Sie erst einmal lernen. Der Grund ist, dass die Zahnzwischenräume recht unterschiedlich groß sind, und im hinteren Bereich schwer zu erreichen. Zudem haben Sie noch eine Zahnfleischentzündung und dies macht die Prozedur oft etwas schmerzhaft und führt zu Unsicherheit.

Sie selbst werden aktiv: Die Aktivprophylaxe (Schulung zur Mundhygiene)

Um das dreckige Drittel täglich sauber zu kriegen, brauchen Sie eine Schulung, also eine Art Workshop, in dem Sie selbst aktiv werden.  Interdentalbürsten, auch Zahnzwischenraumbürsten genannt, sind das beste, was Sie benutzen können. Ca. die Hälfte aller Menschen hat allerdings auch so enge Zahnzwischenräume, dass sie stellenweise Zahnseide benutzen müssen.

Interdentalbürsten sind die entscheidende Waffe gegen Parodontitis


Interdentalbürsten in verschiedenen Größen

Interdentalbüsten sind die entscheidende Waffe gegen Parodontitis /Bildquelle: Oral Prevent©

Nur ausgebildete Fachkräfte wie Dentalhygieniker/-innen oder Zahnmedizinische Prophylaxeassistenten/-innen wissen genau, welche Art Interdentalbürsten Sie brauchen, und ob Sie Zahnseide verwenden müssen. Fast jeder braucht Interdentalbürsten in mehreren verschieden Größen. Es ist sehr wichtig, dass die Bürste zum jeweiligen Zahnzwischenraum passt, sonst bleibt immer Plaque zurück und Sie werden die Parodontitis nicht los.

Diese Interdentalzahnbürste ist zu klein und erreicht nicht alle Stellen

Diese Interdentalzahnbürste ist zu klein und erreicht nicht alle Stellen

Der wesentliche Teil der Aktivprophylaxe ist daher so:

Schritt 1: passiv
Die richtige Bürstengröße für alle Zahnzwischenräume wird vom Experten ermittelt. Nur dort, wo Interdentalbürsten nicht passen, wird Zahnseide verwendet. Die verschiedenen Größen werden notiert, damit der Patient weiß, wo welche Bürste zum Einsatz kommen muss.

Schritt 2: aktiv
Sie selbst müssen jeden einzelnen Zahnzwischenraum unter Aufsicht des Experten reinigen. Das ist sehr wichtig, denn
das ist zuerst gar nicht so leicht. Die Interdentalbürsten sind flexibel und biegen auch mal um, die hinteren Backenzähne sind schwer zu erreichen. Zudem ist das Zahnfleisch noch entzündet und angeschwollen. Daher einfach unter Aufsicht üben. Die Profis wissen, wie es geht und helfen. Es lohnt sich.

Interdentalbürsten in verschiedenen Größen

Die meisten Patienten benötigen verschiedene Größen

Auch das normale Zähneputzen sollte kontrolliert werden. Fast jeder hat auch Stellen, die nicht gründlich geputzt werden.  Die Aktivprophylaxe (Schulung zur Mundhygiene) sollte daher mit dem Anfärben von Plaque beginnen, um Ihnen zu zeigen, welche Stellen Sie beim üblichen Zähneputzen auslassen.

Als Richtwert für eine Schulung, also eine Sitzung, werden 20 Minuten angesetzt. Es variiert aber stark, je nachdem wie fortgeschritten die Parodontitis ist, und wie die Zugänglichkeit der Zahnzwischenräume beschaffen ist.

Schritt 3: Recall
Der Recall ist ein erneuter Besuch bei Ihrer Zahnarztpraxis, spätestens nach 4 Wochen. 
Denn wenn Sie die Putzerei richtigmachen, bildet sich die Zahnfleischentzündung zurück, und auch die Zahnfleischtaschen werden kleiner. Der Fortschritt sollte unbedingt kontrolliert werden.
Zudem schwillt das Zahnfleisch wieder ab, wenn die Entzündung verschwindet, sodass der Zahnzwischenraum wieder größer wird. Es kann also sein, dass Sie eine größere Interdentalbürste verwenden müssen.
Wenn Sie eine fortgeschrittene Parodontitis haben, brauchen Sie eventuell auch noch einen zweiten oder dritten Recall.
Hier eine generelle Empfehlung für die Häufigkeit der Nachkontrolle zu geben, ist nicht möglich - das können nur die Profis vor Ort.

Interdentalbürsten sind wirksam, wenn sie richtig angewendet werden

Zugegeben: Am Anfang ist es oft ganz schöner Fummelkram und viele neigen dann zum Aufgeben.

Zudem ist das Zahnfleisch noch entzündet und die Prozedur auch schmerzhaft. Die Interdentalbürsten knicken leicht um und die hinteren Zahnzwischenräume sind schwer zu erreichen.

Daher ist auch die Unterstützung der Zahnarztpraxis so wichtig. Es lohnt sich durchzuhalten. Schon nach einigen Wochen haben Sie den Bürstenbogen raus. Dann dauert es nur noch eine Minute am Tag und kann sogar vor dem Fernseher gemacht werden.

Wenn Sie täglich den größten Teil der Plaque entfernen, dann entfernen Sie die Parodontitis.

Mann benutzt Interdentalbürste beim Lesen

Interdentalbürsten können vor dem Fernseher, beim Lesen, etc. verwendet werden

Wo bekomme ich die Aktivprophylaxe?

Wenn Sie Ihre Parodontitis loswerden wollen, brauchen Sie eine Zahnarztpraxis, die Instruktion zur Mundhygiene anbietet. Fragen Sie danach oder suchen Sie eine Praxis mit Dentalhygienikerin oder Zahnmedizinscher Prophylaxeassistentin.

Grundsätzlich gilt: Wenn Sie passiv bleiben bei der Prophylaxesitzung, dann sind Sie falsch. Es ist wichtig, dass Sie selbst lernen jeden einzelnen Zahnzwischenraum zu reinigen. Klavierspielen lernen Sie auch nicht vom Zugucken. Sie müssen aktiv werden.

Wichtig ist auch, dass eine Kontrolle in den nächsten 4 bis 6 Wochen erfolgt, und nicht erst in einem halben Jahr. Aber wie bereits gesagt: Es ist individuell sehr unterschiedlich.

Haben Sie Glück, und können überall die Interdentalbürsten anwenden, und sind Sie zudem noch geschickt, dann brauchen Sie entsprechend weniger Schulung.

Auf jeden Fall muss die Entzündung aus dem Mund raus, das ist wichtig, dann ist auch die Parodontitis weg. Und das muss kontrolliert werden.

Der ParoPass® zeigt den Behandlungserfolg. Neutral und unbestechlich. Damit können Sie sicherstellen, ob Sie Ihre Parodontitis gestoppt haben oder nicht.

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Was kostet die Aktivprophylaxe?

Bislang wird diese notwendige Schulung zur Mundhygiene nur von privaten Krankenversicherungen gezahlt. Als Kassenpatient müssen Sie das also selbst zahlen, und das geschieht immer im Rahmen einer Zahnreinigung, der sogenannten PZR (Professionelle Zahnreinigung). Das macht auch Sinn, denn je nach Gebiss und Krankheitszustand sollte jeder einmal im Jahr, gegebenenfalls auch öfter, zur PZR gehen. Eine PZR kostet zwischen 60 und 150 Euro, je nach Region und Zahnarztpraxis. Es sollten aber unbedingt ca.20 Minuten Aktivprophylaxe zusätzlich beinhalten. Sonst bringt die PZR auf Dauer nichts. Also achten Sie unbedingt darauf, dass Sie Ihre Zahnzwischenräume selber unter Aufsicht reinigen. Sie selbst heilen Ihre Parodontitis, Sie selbst sind der wichtigste Teil der Parodontosebehandlung.

Es ist ein tolles Gefühl, wenn schon nach wenigen Wochen die Entzündung abklingt, und Ihr ganzer Mund gesund ist.

Sie werden es nicht mehr anders haben wollen. Sie können Ihre eigenen Zähne ein Leben lang behalten, und schützen auch den restlichen Körper vor den Folgen der Entzündung.


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