Volkskrankheit Parodontitis (Parodontose) Drei große Irrtümer verhindern eine Heilung

1.

Sie glauben, Ihr Zahnarzt kann Ihre Parodontitis / Parodontose heilen?


Falsch. Kann er nicht. Die Zahnarztpraxis schafft lediglich die Voraussetzungen für Ihre Heilung. Entscheidend sind Sie selbst.


2.

Sie glauben, Sie können ohne Anleitung Ihre Zähne effektiv und gründlich reinigen?


Falsch. Können Sie nicht. Sie brauchen die Schulung eines Mundhygiene-Profis. Das kann ein Zahnarzt sein, wird aber eher von Dentalhygienikern oder Zahnmedizinischen Prophylaxe Assistentinnen (ZMP) gemacht. Vor allem die Zahnzwischenräume sind das Problem. Sie heilen Ihre Parodontitis nur, wenn Sie wissen, wie Ihre Zähne richtig gereinigt werden.


3.

Sie glauben, Parodontitis/Parodontose ist nach einer erfolgreichen Behandlung verschwunden?


Falsch. Die tägliche Zahnpflege ist eine lebenslange Aufgabe. Es sind nur wenige Minuten am Tag, die sich wirklich lohnen. Klingt kompliziert? Ist es nicht! Alles was Sie brauchen ist eine gute Zahnarztpraxis. Die Zahnarztpraxis schafft die Voraussetzung, dass Sie Ihre Parodontitis dauerhaft heilen. Wie?

Interdentalzahnbürsten in diversen Größen

Interdentalzahnbürsten in diversen Größen


Sie müssen lernen Ihre Zahnzwischenräume zu reinigen.


Und dazu brauchen Sie eine Schulung, offiziell: Eine Instruktion zur Mundhygiene.
Ansonsten ist die Wahrscheinlichkeit die Parodontitis loszuwerden sehr gering. Das übliche Zähneputzen werden Sie vermutlich schon recht ordentlich bewerkstelligen.
Das Problem sind die Zahnzwischenräume. Die müssen Sie mit der Interdentalbürste (Zahnzwischenraumbürste) reinigen.  Doch das ist ohne Anleitung nicht möglich, da jeder Zahnzwischenraum anders ist. Diese Interdentalbürsten sind erwiesenermaßen mit Abstand das beste Instrument (Richtlinien der EFP).  Diese kleinen Bürsten sind die entscheidende Waffe gegen Parodontitis. Leider hat fast die Hälfte der Menschen so enge Zahnzwischenräume, dass Interdentalbürsten nicht passen. Dort muss dann Zahnseide verwendet werden. Aber auch damit können Sie wirksam reinigen, wenn Ihnen eine Fachkraft das beibringt.
Hier die 4 wichtigsten Gründe, warum Sie unbedingt eine Schulung zum Zähneputzen brauchen.

Warum eine Schulung?

  1. Jedes Gebiss ist anders

Nur eine Fachkraft kann beurteilen, an welchen Stellen Sie Interdentalbürsten anwenden können und an welchen Sie Zahnseide verwenden müssen. Es ist grundlegend wichtig die richtigen Größen der Interdentalbürsten zu ermitteln. Fast immer werden mehrere Bürsten in unterschiedlichen Größen gebraucht. Wenn die Bürsten zu klein sind, bleibt Plaque zurück.


Interdentalzahnbürste reinigt den Zahnzwischenraum - die Größe ist entscheidend

Diese Interdentalbürste ist zu klein.
Zu große Bürsten können den Zahnhals oder das Zahnfleisch schädigen.


2.   Es ist eine ganz schöne Fummelei

Die Anwendung der Interdentalbüsten und auch der Zahnseide ist am Anfang nicht leicht. Selbst geschickte Menschen brauchen Übung. So sind z.B die hinteren Zahnzwischenräume zunächst schwer zu erreichen. Ein typischer Anfängerfehler: der Mund wird weit aufgemacht. Zudem haben sie zunächst noch eine Zahnfleischentzündung. Daher ist das Zahnfleisch angeschwollen und die Entzündung schmerzt. Das macht die Prozedur am Anfang nicht leichter.

3.   Eine Überprüfung ist zwingend erforderlich

Sie müssen nach einigen Wochen die Reinigungsleistung überprüfen. Es geht dabei nicht um eine Bewertung Ihrer Putzleistung. Nein. Es ist ganz einfach so, dass sich erst in der Praxis zeigt, ob die empfohlenen Maßnahmen ausreichen. Die Entzündung muss raus, damit das Zahnfleisch wieder abschwillt . Damit ist oftmals verbunden, dass die Interdentalbürsten eine Nummer größer werden müssen.


Gebiss mit Interdentalzahnbürsten in verschiedenen Größen

Interdentalbürsten müssen in verschiedenen Größen getestet werden. 

4.  Die normale Zahnbürste bleibt auch wichtig

Die Zahnfleischfurchen oder –taschen müssen rund um den Zahn sauber werden. Auch das Putzen mit der Zahnbürste sollte geübt werden. Sie selbst müssen aktiv werden und dazu brauchen Sie fachliche Unterstützung.


Aktivprophylaxe (Instruktion in der Mundhygiene)     


Diese Schulung braucht Zeit. Je nach Gebiss und Fingerfertigkeit mindestens 15 bis 20 Minuten. Unter Umständen auch erheblich länger. Wir nennen das “Aktivprophylaxe“ um es von der “passiven“ Prophylaxe wie der PZR (professionelle Zahnreinigung) zu unterscheiden. Offiziell heißt es Instruktion der Mundhygienetechnik oder Individualprophylaxe. Entscheidend ist: Sie selbst reinigen unter Aufsicht ihre Zahnzwischenräume. Sie selbst werden aktiv. Nur so können Sie es lernen.


Es ist äußerst wichtig, dass der Reinigungserfolg innerhalb der nächsten 2 bis 4 Wochen kontrolliert wird, beim sogenannten “Recall“. Je nach Schwere der Krankheit, Gebissanatomie und Ihrer Geschicklichkeit braucht es auch mehrere Recall. Da die gesetzliche Krankenkasse die Kosten für eine Schulung nicht zahlt (also die “Aktivprophylaxe“), sollten Sie sie im Rahmen einer Zahnreinigung wahrnehmen.


Was kann ich tun?


Entscheidend ist am Ende eine gute Zahnarztpraxis! Damit Sie eine fachlich fundierte Schulung bekommen, fragen Sie nach Dentalhygienikerinnen, zahnmedizinischen Prophylaxehelferinnen oder suchen Sie eine Zahnarztpraxis hier bei uns in der Liste.

Nur die Fachleute vor Ort wissen genau, wie viele Schulungen und Zahnreinigungen Sie benötigen um wieder gesund zu werden. Denn jeder Mensch ist anders und muss individuell betreut werden. Es lohnt sich: Wenn Sie den Bürstenbogen raus haben, dann brauchen Sie nicht mal eine Minute am Tag für die Zahnzwischenräume.

So können Sie Ihre Zähne ein Leben lang behalten, und auch den restlichen Körper vor Schaden bewahren.



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